Bayerisches Kabarett at its best

Bayerisches Kabarett at its best

„Das kann man so nicht sagen“: So nennt der Münchner Kabarettist Helmut Schleich sein neues Programm, das er tagesaktualisiert in der Herborner „KulturScheune“ („KuSch“) einem erwartungsfrohen Publikum servierte. Und Schleich lieferte. Wo sonst das Kabarett den angesagten politischen und gesellschaftlichen Normen das Wort redet, zerlegt er mit Witz, Subversivität und bissiger Ironie die um sich greifende Absurdität und Verblödung einer aus den Fugen geratenen Welt.

„Das iranische Öl muss befreit werden, welches seit Jahrhunderten unter der iranischen Erde liegt“, befindet Helmut Schleich, der Trumps hochprofessionellen Einsatz lobt. Schließlich geht es auch um die Atombombe, an der der Iran seit der Antike vergebens bastelt. Aber was tut man nicht alles für den Weltfrieden, der aktuell bei 2,30 Euro liegt.

Ist das Mullah-Regime bösartig? Das ZDF befindet, es sei zumindest konservativ. Überhaupt ist es aber besser, nichts zu wissen und die richtigen Erkenntnisse der Wissenschaft zu überlassen und sich ansonsten auf Friedrich Merz zu verlassen. Ihm wünscht Schleich den Scholz-Faktor, als dieser mit Augenklappe „Bella Figura“ machte. Merz mit Augenklappe bei Trump und seinem abgeschossenen Ohr, das wär’s gewesen, so der Kabarettist.

Das politische Personal ist schon etwas Besonderes: Wenn man abgehalftert wird, steigt man auf, wie Annalena Baerbock, die sechs Fremdsprachen in einem Satz verwenden kann, oder Andrea Nahles, die als Chefin der Arbeitsagentur die Besoldungsleiter steil nach oben geklettert ist. Währenddessen macht sich in der Politik der Fachkräftemangel zunehmend bemerkbar. Bärbel Bas sucht nach dem Volk, das sie nicht findet. Und auf die beständige Nachfrage eines Freundes, der mit Wirtschaftsminister Robert Habeck reden will, zur Antwort bekommt, dass dieser nicht mehr im Amt sei. Er freut sich darüber: „Ich kann die Antwort nicht oft genug hören.“

Helmut Schleich macht sich über die Kosten der Friseurbesuche von Friedrich Merz Gedanken und fragt sich, ob die „Gorch Fock“ das einzige einsatzfähige Kriegsschiff der Bundeswehr-Marine ist. Derweil könne ja Agnes Strack-Zimmermann als alte Fregatte antreten. Um Energie zu sparen, soll nur noch zu zweit geduscht werden, und das deutsche Fernsehen wird auf Biobetrieb umgestellt. „Es erzeugt seinen Strom aus der Scheiße, die gesendet wird“, so Schleich, der feststellt, dass die Menschen draußen vor der Tür immer blöder werden. Da lohne es sich nicht mehr, aus dem Haus zu gehen.

Im Wokismus und Gendersprech sieht Helmut Schleich einen sich entwickelnden linguistischen Waschzwang. „Ich habe zwölf Semester studiert, davon nur wenige Wochen als Studierender“, befindet er, der sich von einem queeren Gott konfrontiert sieht und erwarten muss, dass es irgendwann Pflicht wird, schwul zu sein.

Der Bayer aus Überzeugung sieht im Dialekt die Chance, sich seine Lebensqualität zu erhalten. Da kommt keine KI gegen an. Mit schelmischer Freude rückt er bayerischen Befindlichkeiten zu Leibe und lehrt dem CSU-Personal Mores, indem er es mit seinen eigenen Worten zerlegt. Zu guter Letzt fährt Schleich sein Paradepferd Franz Josef Strauß auf, für den die Welt vor Merkel noch in Ording war.

Fazit: Schleichs Breitseiten gegen ideologische Scheuklappen und miefige Moral waren einfach der Knaller.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher