Koffer-Percussion und Crossover

Koffer-Percussion und Crossover

17 abendfüllende Programme hat das Hamburger A-cappella-Quartett „LaLeLu“ in seiner 30-jährigen Geschichte vorgelegt. Da kann man sich selbst und natürlich auch von seinem Publikum ordentlich feiern lassen. Bei ihrer Herborn-Premiere am Donnerstagabend in der „KulturScheune“ („KuSch“) brauchte es nicht lange, um den Saal zum Kochen zu bringen. Geistvoll, witzig, spritzig, mit jugendlichem Charme und viel Liebe zur Musik, war die Show, die Sanna Nyman (Mezzosopran), Tobias Hanf (Bass/Bariton), Jan Melzer (Bariton/Tenor) und Frank Valet (Bariton) ablieferten.

Der Bandname „LaLeLu“, dem Lied von Heinz Rühmann entlehnt, den sie damit allerdings nicht unbedingt würdigen, ist keineswegs als Ausdruck von A-cappella-Saumseligkeit und Verträumtheit zu verstehen. Das Quartett packt an, erzählt Geschichten und zündet ein Feuerwerk der guten Laune, gespickt mit Hits und All-Time-Klassikern, die sie auf ihre Art und Weise textlich und gesanglich neu interpretieren. Dabei spielt die perkussive Power, die sie dabei vorlegen, eine zentrale Rolle.

„LaLeLu“ legen keine Nummernrevue vor, sondern sorgen mit jedem Stück für vielschichtiges Entertainment, bei dem auch schräger Humor nicht zu kurz kommt. In ihrer Hommage an die Jazz- und Swing-Legende Fletcher Henderson kommen sie mit wenigen Trompetentönen aus, um sein Werk gebührend zu würdigen. Zum Tanz bitten sie beim „Sauna-Tango“ und ihrem Ärger auf den verspäteten Zug machen sie mit einer wilden Koffer-Perkussion Luft.

Kein Genre lässt das Viererpack unberührt. Die Oper wird von ihnen mit Ballermann-Ingredienzien aus dem Schattendasein entführt, während die Klassiker von Herbert Grönemeyer neu vertont werden. Max Raabe wird zum skurrilen Experten für das Liebeslieben der Tiere umfunktioniert.

„LaLeLu“ lassen auch geografisch nichts aus. Wortlos schnuppern sie am „Isländisch Moos“, mit „Umbala“ befeuern sie den Rhythmus Afrikas und melancholisch kommt eine portugiesische Ballade daher.

Am Ende fährt man parodistisch gefärbt die gesamte Politprominenz – von Brandt bis Merz – auf, um 30 Jahre „LaLeLu“ zu feiern, vollendet mit einem grandiosen Medley ihrer Hits. Es war ein Abend, der mehr war als nur eine nette A-cappella-Revue.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher