Der gebürtige Münchner Kabarettist Jess Jochimsen, der am Freitagabend seinen Einstand in der Herborner Kulturscheune „KuSch“ gab, zeigte sich als ein kritischer Beobachter, der sich den wichtigen Dingen des Weltgeschehens mit Klarsicht und Elan widmete, während er bei Nebenthemen, wie Menstruationsbeschwerden oder dem richtigen Umgang mit Kondomen, von allen guten Geistern verlassen schien.
Der Vernunft und mehr Nettigkeit untereinander redet er das Wort, was in diesen Zeiten enorm wichtig sei. Mancher sehne sich gar geradezu zurück in die „beschauliche“ Corona-Zeit.
Mit alpenländischer Gstanzl-Musik groovt er gegen die Tollheiten von Julia Klöckner, Jens Spahn oder Markus Söder und lässt die Politiker so ziemlich alt aussehen. Stattdessen feiert er das Miteinander von allen Menschen, egal, woher sie kommen. Für den Kabarettisten gibt es keine Grenzen, wenn es um die Verurteilung von Straftätern geht. Für ihn zählt die Tat, nicht die Herkunft: „Bei den Migranten gibt es Arschlöcher. Bei den Neonazis gibt es nur solche“, so Jochimsen.
Als Mann des Friedens hat er was gegen „Schießgewehrvereine“, die mit Slogans wie „Hier trifft man Freunde“ für sich werben. Der Befindlichkeit und den Vorlieben der Deutschen geht Jochimsen auf den Grund, wenn er beispielsweise das Grillen als die Vollendung des Männlichkeitswahns sieht. Und Kurioses und Komisches zeigte er in seiner Diashow, in der Vielfalt und Kurioses nebeneinander aufgereiht sind.
(Fotos: JMS + Helmut Blecher)

Helmut Blecher
Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.





