Der Zeitenwende auf der Spur

Der Zeitenwende auf der Spur

Die Erde geht unter. Das zumindest sagt der Kölner Kabarettist Thomas Reis in seinem neuen Programm „Mit Abstand das Beste“. Natürlich hält er auch Rettungsvorschläge parat, die allerdings am mangelnden Verstand der Menschen scheitern könnten. Bei seinem Auftritt in der Herborner Kulturscheune zeigte er in seiner über zweistündigen Kabarett-Show, wie man mit bissigem Witz, giftigem Sarkasmus und galligem Humor die Zeitenwende – „wenn sie denn stattfände“ – kommentiert.

Mit dem friedlichen Zusammenleben und dem Klimaschutz hapert es. Thomas Reis fragt sich besorgt, ob es „Extinction Rebellion“ richten können und konstatiert, dass der Weltuntergang Fakt ist: „Wie blöd muss man sein, wenn man sich wie die Generation Pattes auf der Titanic auch noch festkleben muss.“ Und für die Frage von Krieg und Frieden habe man jetzt Pistorius. „Boris, die Bestie, hat gedient. Für die anderen SPD-Kandidaten hat es nicht gepasst. Heil hat den falschen Namen und Klingbeil klingt zu endgültig.“

Auch andere Personalien nimmt der gestandene Kabarettist aufs Korn. An Ricarda Lang lobt er ihre „Graspreisbremse“. Schließlich muss auch Cannabis für alle erschwinglich bleiben. Bremsen allüberall, bei der Miete, bei Gas und Strom. „Die Bremsenplage – wie die Fliege von Karl Lauterbach – beschleunigt nur den Klimawandel. Wir bezahlen es mit der letzten Generation, und das sind wir.“ Scholz und Habeck sorgten als „Wumm(s) und Wendelin für die Zeitenwende“. Zugunsten des Klimas solle der Fleischkonsum reduziert werden – wie der „Gammelfleischtransport“ auf den Kreuzfahrtschiffen.

Wir seien moralisch sensibel und emphatisch unterwegs, meint Reis. Und wir verheben uns beim „tiefen Bückling vor dem Emir von Katar und gendern, was das Zeug hält“ und kümmern und um Frauenrechte. „Gendern hat doch nichts mit Feminismus zu tun, das ist semantische Gynokomastie“, befindet Reis, der vor einem Rechtsruck in Europa warnt. Wie „La Duce Vita Meloni“ in Italien, die das „Mittelmeer wasserdicht“ mache. „Man möchte nicht wissen, was in den Thunfischdosen so alles drin ist. Da ist schon mal ein Tunesier dabei.“

Bei dem scharfsinnigen Kabarettisten kommen Politiker aller Couleur unters Seziermesser. Winfried Kretschmann, meint Reis, hat ein Herz für Querdenker. Da müsse man differenzieren, wie bei den Wandervögeln. Die einen wandern, die andern… Bei Nancy Faeser werde der Faser auf Betäubung gesetzt, und Kanzler Scholz lebe sein Leben im Schatten der Raute – „Machen wir mal nix“. Auf der Suche nach Gott bleibt bei Reis selbst Jesus auf der Strecke. „Jesus am Kreuz. Das kommt davon, wenn man sich zu sehr auf seinen Papa verlässt.“

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher