Powerstimmen mit Augenzwinkern

Powerstimmen mit Augenzwinkern
Wo die vier medlz in Black auftreten, begeistern sie ihr Publikum. So auch in der Kulturscheune, wo sie mit dem „Soundtrack ihres Lebens“ ein A-cappella-Konzert der Extraklasse ablieferten, das durch seinen fulminanten Sound mit Bass und Beat – erzeugt durch wohldosierte Percussion – und der Vokalkunst der Dresdnerinnen Sabine Kaufmann, Nelly Palmowske, Silvana Mehnert und dem Wessi-Zuwachs Juliane Köbe bestach.
Gleich zu Beginn ihrer über zweisttündigen, charmanten, witzigen und augenzwinkernden Show, zelebrierten sie ein Hoch auf alle staken Frauen, denen ein gutes Stück am Pulsschlag des Lebens gebührt.
Ob Rock, Pop, Chanson oder Musical, bei den medlz geriet alles zu einer funkensprühenden Melange aus Melodien und Rhythmen, bei denen ihre Zuhörerinnen und Zuhörer die Gelegenheit bekamen, tiefe Einblicke in die Seelenlage der vier Vokalistinnen zu erhalten. Wo ihre musikalischen Vorlieben liegen und wer ihre LieblingskünstlerInnen sind, demonstriertem sie mit einer Liedfolge, die alle Facetten ihrer Stimmkunst offenlegte. „Rise Like A Phoenix“ von Conchita Wurst gehörte ebenso zu ihrem Programm der Songs, die ihr Leben begleiten, wie „Je Veux“ von ZAZ.
Auch Eigenkompositionen, wie Silvanas hochemotionales „Ich will“, fanden Eingang in ihr Kompendium der Sinnlichkeit und Sinnesfreude, wie Sabines lyrische Empfehlung. „Benutzen sie Sonnencreme“, und wo sie noch weit mehr aufzählte: „Ich will dich tragen auf meiner Haut“.
Lieblingslieder auf Deutsch, Englisch, Französisch oder Italienich, den medlz war kein Zungenschlag zu schwer ,um Dolly Partons Klassiker „Jolene“ oder Nina Zillis italienischen Eurovisionsbeitrag „L’amore è femmina“ zu neuem Glanz zu verhelfen.
Hymnische Lieder, wie der von Juliane angestimmte Carpenters-Hit „Close To You“ verfehlten ihre Wirkung auf die Zuhörerschaft ebenso wenig wie ihre Version von „Geh‘ davon aus“, mit dem die Söhne Mannheims in den Neunzigern die Gemütslage der Nation auf Trab gebracht hatten. Man wurde mitgerissen von dem Fest der Stimmen, das ihre musikalische Zeitreise so spannend und beglückend zugleich machte, in der auch ihre Hommage an ihre leider viel zu früh verstorbene Freundin Regy Clasen („So gerne“) ihren Platz fand, wie auch Coldplays „Viva la Vida“.
Die medlz, seit über 20 Jahre die Topadresse in Sachen A.-Cappella, zündeten in der KuSch ein Feuerwerk ihrer Lieblingslieder, bei dem auch ein Medley auf die Kinderlieder der Vergangenheit aufgetischt wurde, ebenso wie „Relight My Fire“ von ihrer Favorite-Boygroup Take That. Im Vier-Akkorde-Takt ließen sie gleich zwei Dutzend Popklassiker in Medley der übriggebliebenen Lieder erklingen, darunter „Gib mir mein Herz zurück“, „Verdammt, ich lieb‘ dich“, ,Junimond“ oder „99 Luftballons“.
Und mit wie von Zauberhand sich ausbreitenden Lichteffekten, gaben sie dem psychedelisch aufgeladenen „Insomnia“ das passende Geleit – ein absoluter Höhepunkt der Show.
„Die medlz“ ließen bei ihrem Auftritt tief blicken – vor allem in ihre Herzen und Leben. Mal laut und wild wie eine Gartenparty mit guten Freunden, mal still und verträumt wie ein Spaziergang am See.
Und am Ende drangen sie noch in die Gewölbe der Phantoms der Oper ein – und das in unwiderstehlichem sächsischen Zungenschlag, mit dem sie im übrigen gerade auch das Märchen „Frau Holle“ vertont haben.
Vier Stimmen genügten, um die Melodien ihres Lebens zu einem Konzerterlebnis werden zu lassen, in dem sich jeder wiederfinden konnte.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher