Witze und Geistesblitze

Witze und Geistesblitze
Ingo Oschmann bleibt sich und seinem Publikum treu, und mithin auch seinem „Wohnzimmer“ in der „KulturScheune“ in Herborn. Bei seinem mittlerweile achten Auftritt dort – diesmal auf der „KulturzAUber“-Bühne – trotzte er zusammen mit dem Publikum dem Regen und brachte stattdessen die Sonne zum Vorschein. 

„Warte, ich geh‘ einmal um dich herum“: Das hat seine Frau auf seine Frage geantwortet, ob er zu dick geworden sei, berichtete der Komiker. Nun, der etwas in die Breite gegangen Unterhalter, der inzwischen mit seiner Familie von Bielefeld nach Düsseldorf umgezogen ist, freute sich dennoch auf einen „geilen Abend“ mit seinem Publikum, das sich von dem „Scherzkuchen“ dann auch tüchtig bespaßen ließ.

„Wir zerlegen den Parkplatz“, sagte er über den Ort des Gastspiels und versprach Stand-up-Comedy vom Feinsten sowie witzige und keineswegs verstaubte Zauberkunst. Kabarett ist nicht sein Ding. Ihm behagen Politikerbeschimpfungen und das Bohren in ihren Unzulässigkeiten nicht: „Angela Merkel hat sich garantiert nicht hochgeschlafen.“ Oschmann setzte stattdessen auf die spontane Interaktion mit den Zuschauern, die er zum Bestandteil seiner Show machte. Etwas aus seinem früheren Programm, etwas Corona-Bewältigung und stets den Fokus auf Geschichten, die mitten aus dem Leben gegriffen sind: Das gab er zum Besten, getreu seinem Credo: „Ich habe ein Ziel: dass Ihr Spaß habt und Eure Sorgen vergesst.“

Über den gewinnbringenden Verkauf von getragener Unterwäsche an zahlungswillige Fetischisten, über die Verwendung von unerwünschten Dinkelkissen oder das Lügen im Alltag und die Kunst, dabei ehrlich zu sein, kam der emotionale Unterhalter immer wieder auf seine Zauberkunst zurück. Eine mit Punkten bestückte Tafel, die bei jeder Drehung Punkte verlor und zurückgewann, ein sich aus einem Tuch entwickelndes Grillhähnchen oder die aus einer Orange geschälte Malerei einer Besucherin sorgten ebenso für Verblüffung wie man aus dem letzten Buchstaben einer erdachten Stadt und einer Blume unweigerlich zum Erdbeerobst kam.

Nachdem ein Regenschauer die Pause zur Entfaltung genutzt und auch Oschmann die Bühne wieder trocken geschrubbt hatte, ging es weiter mit der munteren Scherztherapie des originellen Komödianten, der aber auch vor ernsteren Themen nicht zurückschreckte. Wie hat sich Freundschaft verändert? „Wenn dir jemand die Hand darauf gibt, morgen beim Umzug zu helfen, kannst du zielsicher davon ausgehen: Du machst den Umzug alleine!“

Und wie erfährt man Dankbarkeit, wenn man einem Freund die Zimmerdecke glatt streicht; „Wie hätte ich wissen sollen, dass Stuck auch was Schönes ist?“, konstatierte er.

Ingo Oschmann, der mittels einer rotierenden Scheibe, auf die das Publikum zehn Sekunde zu starren hatte, seinen Kopf – je nach Richtung – mal größer und kleiner werden ließ, ließ zu guter Letzt die Sonne in die Herzen seiner Fans scheinen: Mit acht Zetteln, auf denen nur auf einem eine stilisierte Sonne abgebildet war, lag sie trotz mehrfachen Mischens bei allen obenauf – als Sinnbild für positives Denken, für gegenseitige Akzeptanz und Toleranz sowie als Rezept für ein glückliches Leben. So entließ Oschmann das Publikum in die Nacht. Er liebt die Menschen, und die Menschen, die ihn erleben dürfen, haben auch ihn lieb. Bei ihm konnte man auch mit geschlossenen Augen die Sonne aufgehen sehen.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher