170 Minuten muss das Zwerchfell ran

170 Minuten muss das Zwerchfell ran

Michl Müller mag die „KulturScheune“ („KuSch“) in Herborn. Und das Publikum dort mag ihn und bescherte dem fränkischen Kabarettisten und Comedian bei seinem zweiten Auftritt in Herborn ein volles Haus. Mit einem bunten Repertoire an Witzen, Anekdoten, spontanen Einfällen und Musik-Einlagen tanzte Michl am Freitagabend den „Limbo of Life“.

Das ganze Leben ist ein Tanz, der sich nüchtern und ohne größere Anfälle von Wahnsinn meistern lässt, weiß der Unterfranke und Fastnachts-Philosoph zu vermelden. Stets den Schalk im Nacken gibt er sich derb und laut. Den Körper ständig in Bewegung, versteht es Michl Müller, sich mit Geschicklichkeit und großer Spielfreude durch die Hindernisse des Lebens zu schlängeln. Wo andere beim Limbo-Tanzen den Rücken nach hinten beugen müssen, um unter die waagrechte Stange hindurchzukommen, tänzelt sich der Franke flexibel und wortgewandt durch die Höhen und Tiefen des Alltags, ohne gleich den Buckel krumm zu machen.

Der selbst ernannte „Dreggsagg“ aus Garitz bei Bad Kissingen hat in der „KuSch“ sein Publikum von Beginn im Griff. Anders als das entscheidungsschwache Politpersonal, macht er klar, wisse er, wo es langgeht. Dass alles teurer werde wie zum Beispiel Schokolade, liege natürlich an der Straße von Hormus, wo sich die Schiffe stauen.

Michl Müller hält sich nicht lange mit der großen Politik auf. Er macht sich Gedanken übers Gendern und die darin steckenden Fallstricke, die sich unter anderem beim Fallen von der Leiter ergeben, „wenn du von der Leiterin fällst“. Der Alltags-Philosoph setzt sich mit flotten Liedern in Szene, in denen er bekennt, dass beim letzten Tango alles noch nicht vorbei ist.„Geschenke zu Ostern, die früher in Form von Bildern im Kartoffeldruck an die Eltern waren, sind heute einer Gutscheinkultur gewichen“, so Michl Müller, der auch von seinen Erfahrungen mit einer sächsischen Masseuse in einem Wellnesscenter im Erzgebirge berichtet.

Übers Yoga und die Kunst des Entspannens singt er ein Lied und bemerkt nach diesem gesundheitlichen Ausflug, dass man bei Erhalt der Rechnung Schnappatmung bekommt. Die Themen, die der Schnellsprech-Comedian anschneidet, betreffen jeden von uns. Wie war das mit dem Urlaub in Italien? Was hat es mit einer Grand-Reveal-Party auf sich? Und warum mussten die Bundesjugendspiele immer am heißesten Tag des Jahres stattfinden?

Hochzeitsplanung ist eine Wissenschaft für sich, weiß „MM“. Wenn es so weit ist, könne man sicher sein, durch die vielen Zahlungen sein ganzes Leben aneinandergebunden zu sein. Und wie schön waren die Kaffeefahrten, auf denen Rentner zu öden Orten gebracht wurden, um ihnen Heizdecken anzudrehen. „Heute sind Wärmepumpen gefragt“, so Michl Müll, der sich schließlich noch der richtigen Kunst des Heimwerkens stellt: „Heimwerker sind so schlau, dass sie im Baumarkt die Berater beraten. Wer einen Handwerker bestellt, muss dagegen mit dem schlimmsten rechnen: „Das wird teuer.“

Bei Müllers Erzählungen waren seine Fans voll dabei. Man sang mit, lachte aus auf vollem Herzen und klatschte sich die Finger wund.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher