Comedy ist (k)eine Hexerei

Comedy ist (k)eine Hexerei
„Man kann mich auch für Kindergeburtstage buchen“, scherzt Martin Sierp, der rückwärtsgelesen auch Martin Preis heißt. Doch viel lieber kommt er in die „KulturScheune“. Um trotz orkanartiger Winde nach Herborn zu kommen, war ihm kein Weg zu beschwerlich, und so war er dort zum achten Mal zu Gast. Seine neue Show mit dem überaus lebensbejahenden Titel „Knackig! Zumindest die Gelenke“, war bestens dazu geeignet, sich für zwei Stunden mit Witz, Charme und Zauberei aus dem Alltag auszuklinken. 

Illusion, Improvisation und Interaktion mit dem Publikum gehen bei dem aus Berlin stammenden und in Potsdam lebenden Weltmeister in Comedy Magic Hand in Hand. Inzwischen 50 geworden, trotzt Martin Sierp munter und agil allen möglichen Altersbeschwerden und hebt mittels Knallfolie sogar vom Boden ab. Fast fühlt er sich dabei wie George Clooney, sagt er, trinkt er doch schon seinen leckeren Kaffee.

Mit Leichtigkeit spielt das Entertainment-Schwergewicht – mittels einer Hypnosescheibe – mit der Kunst der optischen Täuschung und löst Seilknoten mit Zauberhand auf. Ein Telefonbuch kann er zwar nicht zerreißen, dafür aber Zeitungspapier, um daraus drei Substantive herauslesen zu lassen, aus deren Buchstaben am Ende „Hallo Kusch Herborn“ entstehen. Die Tricks, Ticks und Ideen von Martin Sierp sind einfach und dennoch immer wieder verblüffend, wenn er mit Nylonfaden und Klebeband seine Ohren tanzen lässt oder dem vor der Tür stehenden Gevatter Tod die Abgabe seines Löffels verweigert, indem er ihm kurzerhand nur eine Gabel entgegenstreckt.

Wenn er das Publikum für den Stoffpartner seines Hundes um eine Namensfindung bittet, kommt ein ungewöhnliches Wort heraus, das exakt mit dem Etikett des Stofftieres übereinstimmt.

Stets die passende Musik auf Lager, die seinen Tricks den nötigen Kick verleihen, unterhält er das Herborner Publikum bestens. Wie er es dreht und wendet, am Ende wird das Unmögliche möglich. Man fragt sich, wie er das macht, und gibt resigniert auf, wenn er aus zwei Röhren ein halbes Dutzend Rotweinflaschen und immer ein gefülltes Weinglas zaubert und dazu wahlweise noch eine Flasche Eierlikör oder Blue Curaçao präsentiert.

Der Abend voller positiver Energie und ungezwungener Heiterkeit vergeht wie im Flug. In knackigen 90 Minuten philosophiert er über sein Leben als Mann in den besten Jahren. Am Ende spielt Martin Sierp mit der Zeit, und da weiß er auch, wie man sie manipuliert. Unvermeidlich für einen Künstler wie ihn ist auch das Spiel mit den Karten, die in seiner Hand zerbröseln, und dennoch auf wundersame Weise völlig intakt wieder auftauchen.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher