Eine Reise durch die jüdische Musik

Eine Reise durch die jüdische Musik
Zu einer mitreißenden, nachdenklich stimmenden und zugleich äußerst humorvollen musikalischen Reise durch die Welt der jüdischen Musik hatte die Band „Naschuwa“ am Sonntagabend in die „KulturScheune“ in Herborn geladen. 

Das Konzert mit dem Quartett, das aus zwei Pfarrern, einem Weltmusiker und einem Jazzer besteht, wurde anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar von der Dillenburger Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Kooperation mit der „KulturScheune“ ausgerichtet.

Seit 35 Jahren ist „Naschuwa“ mit ihrer Mischung aus Klezmerstücken, jiddischen und hebräischen Liedern, gewürzt mit Jazz sowie Balkan- und Oriental-Anklängen auf den Konzertbühnen und in Kirchenräumen unterwegs. Die Band singt über das jüdische Leben in vertrauten und untergegangenen Welten, wie den osteuropäischen Schtetls-Welten und will zugleich Sachwalter der Erinnerungskultur sein. Eingängige Melodien, flotte Rhythmen und beglückende Harmonien bestimmten das Spiel von Violinist und Sänger Matthias Helms, Gitarrist und Percussionist Thomas Damm, Akkordeonist Rainer Ortner und Kontrabassist Thore Benz, die wie in dem jiddischen Lied „Abi gesint“ das kleine Glück, das auf der Straße liegt, über die Gier nach Macht und Geld stellten.

Beschwingt und von großer Spielfreude durchdrungen, ließ das Quartett den Humor und die Lebensfreude, wie in dem Song „It Had To Be You“ ebenso wenig zu kurz kommen, wie Sentimentalität und Melancholie, die sich in Liedern wie „Belz, majn Schtejtele Belz“ Bahn brachen.

Die „Naschuwa“-Musiker beschränkten sich bei ihrem Auftritt keineswegs nur auf eine Abfolge von Liedern, sondern unterhielten ihr Publikum mit Geschichte, Geschichten, Anekdoten und Witzen über das jüdische Leben und ihre Kultur, in der es keine Denkverbote gibt. Darüber hinaus erteilte Matthias Helms, den begeistert mitgehenden Zuhörern eine Lektion in „Hebräisch leicht gemacht“. Dabei stellte er fest, dass viele gebräuchliche Worte im Deutschen ihren Ursprung in der hebräischen Sprache haben.

Zum Schunkeln und Mitsummen luden Thomas Damms „Janinas Wals“ oder das freudige „El ha Derech“ ein, während man in anderen Stücken, die Liebe, die Sehnsucht und die Hoffnung auf ein friedvolles Leben beschwor.

Nach gut zwei Stunden war klar, dass es die vital und virtuos agierende Band bestens verstand, die jüdische Musik als festen Bestandteil der Weltmusik zu präsentieren.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher