Unterhaltsamer Bruder-Zwist

Unterhaltsamer Bruder-Zwist
Was ist die Quintessenz aus zwei Brüdern, zwei Violinisten und zwei Pianisten? Ganz einfach: „Ass-Dur“. Die Brüder Dominik und Florian Wagner, die seit zwei Jahren als das neue „Ass-Dur“-Duo auftreten, haben bei ihrem Auftritt in der Herborner „KulturScheune“ mit ihrem kabarettistischen Mix aus Musik und Comedy das Publikum restlos begeistert. Man muss sie einfach mögen, die Brüder Wagner, die sich als „smart, sympathisch, souverän und gut aussehend“ bezeichnen. Lange Zeit nur online erhältlich, melden sich die beiden nun auf den Bühnen der Republik zurück. In ihrem Abgesang auf die Pandemie haken Dominik und Florian mit ihrem Tanz auf dem Vulkan – untermalt mit „Abba“-Melodien – das Dasein als „Superspreader“ oder „Social Distance Queen“ ab. 

Locker vom Hocker bringen sich „Ass-Dur“ mit vierhändigem Klavier oder auch mal schrill zirpender Geige auf musikalische Hochtouren. Schließlich hat Dominik in Rostock Rockgeige studiert und in Dortmund Dirigieren. Solchermaßen gewappnet, hat man kein Problem damit, Helene Fischers „Atemlos“ und die Pippi-Langstrumpf-Erkennungsmelodie im prächtigen Mozart-Tüdelüt und Edvard Griegs „Peer Gynt“ als Funknummer à la Stevie Wonder erklingen zu lassen. „Ass-Dur“ sorgen mit großer Schlagfertigkeit, schrägem Humor und noch schrägeren

Ideen für feinstes Entertainment, das ganz ohne überdrehte Showeffekte auskommt. Die Musikalität, die Sangeslust und ihre nie um originelle Sprüche verlegene Fähigkeit, Lieder mit Text zu bestücken, kommen auch so beim Publikum an. Man feiert Ludwig van Beethoven mit Variationen über „Für Elise“, bringt den Komponisten mit Tango, Boogie Woogie und Salsa-Rhythmus auf Touren. Dominik und Florian Wagner treiben sich gegenseitig an und setzen auch mit Kalauern immer noch einen drauf. Ihr Musik-Kabarett in Reinkultur funktioniert auch unter Einbeziehung des Publikums prächtig. Sei es bei der Auswahl von zehn Schlagwörtern – vom „Badewanne“ und „Rasenmäher“

bis hin zu „Kramp-Karrenbauer“ und „Drosten“ – aus denen die beiden ein an Kalauern reiches Lied zauberten, oder der Benennung von zehn Pop-Rock-Hits, die sie – mit viel Katzenjammer-La-La-La vorgetragen – erraten mussten. Auch wenn sie nur „Queens“ geklatschtes „We will rock you“ auf Anhieb erkannten, war der Spaß auf beiden Seiten ungetrübt.

Darüber hinaus konnte sich Florian Wagner am Klavier mit einem 80er-Jahre-Hit-Medley bestens in Szene setzen, während Dominik mittels einer Loop-Maschine alleine ein ganzes Streichquartett zum Besten gab. Zu guter Letzt verharkten sich die Brüder zu einem gleichzeitigen Konzert mit vierhändig gezupfter Violine und Klavier, das mit „Alle Vögel sind schon da“ und einem feurigen Csárdás endete. Gut zwei Stunden lang boten die Wagner-Brüder musikalische Virtuosität, die immer wieder verblüffte. Der eine kann was – der andere auch. Florian Wagner ist ein

Virtuose am Klavier, der mehrfach preisgekrönt seit 2018 mit einem Solo-Programm Erfolge feiert. Und Dominik, der bereits im Wettbewerb um den Herborner Kleinkunstpreis „Schlumpeweck“ gastierte, ist eben der große Bruder.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher