Musikalisch-komische Camouflage

Musikalisch-komische Camouflage
Flauschig war die freitägliche Sommernacht, ausgelassen die Stimmung bei den Besuchern der Open-Air-Veranstaltung der KulturScheune (KuSch) mit den beiden Musical-Stars Lars Redlich und Tino Honegger. Beste Voraussetzung für ein Event mit großem und vielseitigem Entertainment. „Beziehungsweise“ nennt das Duo seine „Show der Superlative“. 

Spaß, Komik, die Lust an der Verkleidung und immer wieder Musik, Musik, Musik standen auf dem Spielplan des Schweizers Tino Honegger und des Berliners Lars Redlich, der in der KuSch längst schon seine eigene Garderobe hat.

Als beste Kumpels, die nicht nur als temporeiche Sänger und Musiker mit höchstem Unterhaltungswert über die Kulturzauber-Bühne fegten, sondern auch ihr komödiantisches Talent voll auskosteten, widmeten sie sich in ihrer zweistündigen Show den unterschiedlichen Aspekten menschlicher Beziehungen.

Dass man dabei mit witzigen, trefflich pointierten und teilweise tiefschwarzem Humor nicht geizte, verstand sich von selbst. Nicht zuletzt die Sichtweise des Zürichers Tino Honegger auf Deutschland und die Replik von Lars Redlich auf die Schweizer führte zur Freude des Publikums zu zusätzlichen komödiantischen Verstrickungen.

Als echte Kumpels war jeder Streit nur dazu angetan, musikalisch letztlich wieder auf einer Wellenlänge zu singen- auf Englisch, Deutsch oder Schwyzerdütsch. Mit vokaler Brillanz, näherte man sich den Kumpels des „Rat Pack“ und Frank Sinatra, verfönte Peter Maffays „Und es war Sommer“ neu oder verarbeitete neben mal den eigenen Trennungsschmerz.

In bester Crooner-Manier feierte das Duo Hits wie „Fever“ oder Whitney Houstons „I will always love you“ ab und ließ dabei keine Zweifel an seinen Fähigkeiten aufkommen, sich mit jedem Musikstil vortrefflich auseinandersetzen zu können.

Natürlich räumte das Duo dem ureigenen Genre, dem Musical, viel Raum zur Entfaltung ein. Es war ein echter Genuss, wie sich Lars Redlich und Tino Honegger als Meister der Verkleidung den Hits aus „Grease“ („You’re The One That I Want“) näherten oder mit Melodien aus „Aladdin“ das weibliche Publikum auf ihrem Liebesteppich zu locken versuchten. Liebe und Freundschaft waren für Lars und Tino Betätigungsfelder, die sie mit schrägem Witz und ihrer Version des Monty-Python-Klassikers „Always Look at The Bright Side of Life“ genussreich beackerten. Als Jurorin in Sachen richtiger musikalischer Anmache fungierte anschließend die Show-Besucherin Simone, die jeden vorgestellten Titel, wechselweise angestimmt von Tino und Lars, mit Ja-, Nein- und Vielleicht-Tafel zu bewerten hatte, ob die Darbietungen ihr Wohlgefallen gefunden hatten. Von Rock’n’Roll über Rap bis zu Heavy Metal war alles dabei. Und Tino Honegger zeigte sich auch als Poetry-Slammer gut aufgestellt: „Egal wie dicht ich bin, Goethe war dichter.“

In sexy High Heels tanzte und sang sich das Duo als „Sweet Transvestite“ durch die „Rocky Horror Picture Show“ und ließ mit der Lust an musikalischer Camouflage Klassik auf Mickie Krauses „Zehn nackte Friseusen“ treffen, plus einer weiteren Version von Freddy Mercurys „Bohemian Rhapsody“.

Nachdem sich die Musical-Cracks, die auch schon mal das Gras hinten links beim „König der Löwen“ darstellen mussten, mit dem finalen Song über Freundschaft, den R&B-Song „Everybody Needs Somebody To Love“, erstmals verabschiedeten, konnte sich das Publikum auf die unausweichliche finale Show in schwarzen und weißen Tütü-Röckchen freuen. Tänzerisch und musikalisch lief das Duo zur Höchstform auf, die Polonaise Blankenese, Helene Fischer und der Ententanz inklusive.

Fazit: An Lars Redlichs und Tino Honegger Beziehungskisten-Event gab es nichts zu kritteln. Ihre Show war einfach nur spitze!

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher