Die gesamte Geschichte unseres Vereins

Die gesamte Geschichte unseres Vereins

Das Theaterleben Herborns rückt mit den Aufführungen von Walter Schwahns Stück Barbara 1951, das der unvergessene Heimatdichter anlässlich der Feierlichkeiten zum 700. Jahrestag der Vergabe der Stadtrechte verfasst hatte, erstmals ins Blickfeld der Öffentlichkeit. In der Festwoche wird es mehrfach mit großem Erfolg aufgeführt und weckt das Interesse der theaterbegeisterten Bürgerinnen und Bürger – die Geburtsstunde der „Herborner Heimatspiele“.

Ein knappes Jahr später, am 26. August 1952, wird der anhaltenden Theaterbegeisterung durch die Gründung einer „freien Gemeinschaft theaterfreudiger Interessenten“ Rechnung getragen: Die „Volksbühne“ erblickt das Licht der Welt. Sie hat das Ziel „gute und gehaltvolle dramatische Literatur, die durchaus auch unterhaltsam sein darf“ aufzuführen. So jedenfalls ist es einem Pressebericht zur Gründung zu entnehmen, der am 29. August 1952 in der Dill-Zeitung zu lesen ist. Und weiter heißt es dort: „Sie unterscheidet sich bewusst von reinen Laienspielgruppen, ebenso wie von den üblichen Dilettantenaufführungen bei Vereinsfestlichkeiten, was auch der gewählte Name Volksbühne für künstlerisches Laienspiel zum Ausdruck bringt.“ Die Leitung des Zusammenschlusses übernimmt Dr. Erich Großkopf, sein Stellvertreter und Spielleiter ist Hermann Bernd. Richard Graben wird zum Kassierer ernannt, Gretel Reinhard übernimmt den Posten der Schriftführerin und Wilhelm Meckel die technische Leitung.

Die erste Produktion der Volksbühne feiert am 13. Oktober 1952 in der damals neuen Aula der Mittelschule (heute Diesterwegschule) Premiere. Gespielt wird das Stück Flachsmann als Erzieher von Otto Ernst. Die Aula wird in den Folgejahren Schauplatz aller Volksbühnen-Stücke bleiben, die sämtlich von Hermann Bernd inszeniert werden.

Ermutigt von dem großen Erfolg des Erstlingswerks dauert es nicht lange bis zur zweiten Produktion. Am 11. April 1953 ist unter der Regie von Hermann Bernd, der bei den meisten Produktionen auch selbst auf der Bühne steht, erstmals Sturm im Wasserglas von Bruno Frank zu sehen. Konsequent titelt die Dill-Zeitung in ihrer Kritik: „Sturm im Wasserglas – Stürme der Begeisterung“. Zum ersten Mal ist bei dieser Produktion auch eine Schulvorstellung im Angebot.

Anlässlich des 25. Todestages von Hermann Sudermann steht am 21. November 1953 dessen Stück Die Ehre auf dem Spielplan. Das laut Presse „schwer zu spielende Stück“ wird insgesamt zweimal aufgeführt. Ende des Jahres 1953 blickt die Volksbühne bereits auf insgesamt 14 Aufführungen mit 2.728 Besucherinnen und Besuchern zurück.

Immerhin dreimal wird im Jahr 1954 Hilde und 4 PS von Kurt Sellnick gezeigt. Das Sechs-Personen-Lustspiel feiert am 9. Mai mit Marianne Bögel in der Titelrolle Premiere. Karten kosten damals übrigens zwischen einer und zwei Mark. Die originelle Überschrift der Dill-Post zum Stück lautet: „Volksbühne Herborn in flotter Fahrt“. Wegen des großen Erfolgs wird das Stück im November weitere zwei Mal zur Aufführung gebracht. Zuvor jedoch kann die Volksbühne am 18. September 1954 eine Welturaufführung verbuchen: Johannes Irlen, ein weiteres Stück des Heimatdichters und Barbara-Schöpfers Walter Schwahn, wird erstmals in der Aula gezeigt. Ursprünglich als Freilichtaufführung angelegt, muss man dem regnerischen Sommer Tribut zollen und das Stück in der Mittelschule spielen. Viermal wird das Kammerspiel in Kostümen, aber vor fast leerer Kulisse mit großem Erfolg gezeigt.

Danach widmet sich die Volksbühne einem Stück von Curt Goetz. Dr. med. Hiob Prätorius praktiziert erstmals am 16. April 1955 in der Aula, zwei weitere Aufführungen folgen. In der Titelrolle glänzt Spielleiter Hermann Bernd als Facharzt für Chirurgie und Frauenleiden. „Der Abend befriedigte in jeder Weise und fand bei den Zuschauern den entsprechenden Beifall“, heißt es in der Dill-Zeitung.

Im Oktober 1955 verschlägt es Spielleiter Hermann Bernd beruflich nach Wetzlar, was eine einjährige Pause der Volksbühne zur Folge hat. Proben für das Stück Ministerkrise werden aufgenommen und wieder abgebrochen. Der Theaterverein scheint am Ende, im Sommer 1956 wird sogar öffentlich über dessen Auflösung spekuliert. Doch dann die Wende: Mit Gerhart Hauptmanns Der Biberpelz feiert die Volksbühne am 10. November 1956 ein fulminantes Comeback. Hermann Bernd lässt es sich nicht nehmen, mehrmals pro Woche per Moped und Zug nach Herborn zu kommen, um dort mit seinen Spielern zu proben. Nach drei öffentlichen Aufführungen und einer Schulvorstellung steht fest: Die Mühe hat sich gelohnt!

Der keusche Lebemann, ein später vor allem aus dem Millowitsch-Theater bekanntes Werk von Franz Arnold und Ernst Bach steht am 6., 7., 10. und 13. April 1957 auf dem Spielplan. In der Presse als „Der große Lachschlager“ angekündigt, wird das Stück am 10. und 13. April zum echten Trauerspiel, da Spielleiter und Hauptdarsteller Hermann Bernd krankheitsbedingt passen muss und die Aufführungen ausfallen (die Vorstellungen werden im November nachgeholt). Im Oktober allerdings ist der umtriebige Regisseur wieder auf dem Damm und inszeniert voller Eifer die Uraufführung des von Walter Schwahn geschriebenen Stückes Silcherlied, das die Volksbühne aus Anlass des 100. Bestehens des MGV Liederkranz Herborn auf die Bühne bringt. Mit „Monologe der Menschlichkeit“ überschreibt die Dill-Zeitung die Premierenkritik vom 13. Oktober 1957. Wie bei den vorangegangenen Stücken sind auch hier die Besucherzahlen der Premiere noch „ausbaufähig“, am Ende jedoch muss man sogar noch eine vierte Vorstellung anhängen.

Am 22. März 1958 heißt es Abschied nehmen. Dieter Nunnemann, tragendes Ensemblemitglied und Herborner Original, stirbt unter tragischen Umständen an einer Rauchvergiftung. Bereits ein Jahr zuvor hatte der Verein durch den Weggang Marianne Bögels aus Herborn eines seiner wichtigsten Mitglieder verloren.

Als zehntes Stück zeigt die Volksbühne am 10., 14. und 18. Mai 1958 in der Aula der Mittelschule Ingeborg von Curt Goetz. Die fünf Mitwirkenden, darunter wie immer auch der Spielleiter, überzeugen Kritik und Publikum. Allerdings: Im Juni ziehen erneut dunkle Wolken über der Volksbühne auf. Die Konkurrenz durch Tourneetheater, die der neu gegründete Konzert- und Theaterring engagieren will, ein Wegbrechen der eigenen Mitglieder sowie ein schwacher Besuch der Aufführungen von Ingeborg lassen die Stimmung in den Keller sinken. „Volksbühne hat Existenzsorgen“ heißt es im Herborner Tageblatt vom 20. Juni 1958. Dennoch geht es weiter und zwar ab dem 2. November mit drei Aufführungen von Hokuspokus, dem inzwischen dritten Stück von Autor Curt Goetz. Die zurückgekehrte Marianne Bögel begeistert das Publikum als Marianne Dahlhaus ebenso wie ihre Mitspieler in diesem Gerichtsdrama.

Im April 1959 bringt die Volksbühne mit Das lebenslängliche Kind eine bühnendramatisierte Version des Romans Drei Männer im Schnee von Erich Kästner auf die Bühne. Insgesamt 14 Mitwirkende freuen sich über ein volles Haus zur Premiere. Doch das Stück ist – wie sich wenig später herausstellt – der endgültige Abschied.

So blickt man in der Mitgliederversammlung am 11. Mai 1959 zwar noch mit Stolz auf 12 gespielte Werke in sechs Jahren mit insgesamt 48 Aufführungen und über 7.800 Besucherinnen und Besuchern zurück. Allerdings verkündet dort bereits Spielleiter Hermann Bernd aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug, was prompt dazu führt, dass die traditionelle Herbst-Aufführung zugunsten eines „Bunten Abends“ abgesagt wird. Zudem debattiert man über das seit 1955 kontinuierlich bestehende Minus in der Kasse, das nicht zuletzt daraus resultiert, dass der Verein seit Jahren freiwillig auf einen kleinen jährlichen Zuschuss der Stadt verzichtet.

Am 15. Dezember 1959 hält die Volksbühne eine weitere Versammlung ab. Thema ist das Vorhaben des Verkehrsvereins, ab 1960 regelmäßige Festspiele in Herborn zu veranstalten. Am Ende der Diskussion ist man sich einig, dass dies für die kommenden Jahre die Zukunft des Theaters in Herborn sein soll. So geht die Ära der Volksbühne leise zu Ende und der Verkehrsverein übernimmt ab 1960 die Regie über das Theater in der Bärenstadt.

Stück der Volksbühne im Überblick

Jahr Stück Regie Ort
1952 Flachsmann als Erzieher

(Otto Ernst)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1953 Sturm im Wasserglas

(Bruno Frank)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1953 Die Ehre

(Hermann Sudermann)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1954 Hilde und 4 PS

(Kurt Sellnick)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1954 Johannes Irlen

(Walter Schwahn)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1955 Dr. med. Hiob Prätorius

(Curt Goetz)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1956 Der Biberpelz

(Gerhard Hauptmann)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1957 Der keusche Lebemann

(Franz Arnold und Ernst Bach)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1957 Silcherlied

(Walter Schwahn)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1958 Ingeborg

(Curt Goetz)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1958 Hokuspokus

(Curt Goetz)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)
1959 Das lebenslängliche Kind

(Erich Kästner)

Hermann Bernd Aula der Mittelschule (Diesterwegschule)

In den folgenden Jahren gibt es immer wieder Aufführungen, nun unter der Regie des Verkehrsvereins. Man widmet sich (bis auf wenige Ausnahmen) in erster Linie den Stücken Walter Schwahns, der das opulente Stück Barbarainzwischen behutsam in eine Trilogie eingebettet und um die Stücke Tod und Leben (zur Bedrohung durch die Pest) sowie Die Freiheit (zum Dreißigjährigen Krieg) ergänzt hat. Anfangs auf dem Kornmarkt inszeniert, finden die Stücke später den Weg in den historisch beladenen Hof der Hohen Schule. Bis in die 1980er-Jahre werden mehrere tausend Menschen Zeugen von „herwerschen“ Einzelschicksalen der Geschichte, dargestellt von engagierten Hobby-Mimen, die im Zivilleben als Handwerker, Beamte, städtische Bedienstete oder in der freien Wirtschaft ihren Mann und ihre Frau stehen.

Stücke unter der Regie des Verkehrsvereins im Überblick

Jahr Stück Regie Ort
1960 Die Barbara (Urfassung) Robert Rauhofer Kornmarkt
1963 Die Pest

(Albert Camus)

Robert Rauhofer Hof der Hohen Schule
1966 Die Barbara (Trilogie) Hans-Jürgen Sturm Hof der Hohen Schule
1967 Bunbury

(Oscar Wilde)

Hans-Jürgen Sturm Ev. Gemeindehaus
1975 Tod und Leben Robert Rauhofer Hof der Hohen Schule
1978 Die Freiheit Robert Rauhofer Hof der Hohen Schule
1980 Die Barbara (Trilogie) Christel Jopp Hof der Hohen Schule
1982 Das edle Haus Christel Jopp Hof der Hohen Schule
1984 Tod und Leben Christel Jopp Hof der Hohen Schule
1987 Die Freiheit Erich Zehner Hof der Hohen Schule
1988 Das edle Haus Erich Zehner Burg Greifenstein
1989 Die Barbara (Trilogie) Adelheid Simmer

Bernd Winnemann

Hof der Hohen Schule

 

Die Jahre 1988 und 1989 sind für die Theaterfreunde in Herborn mit Trauer verbunden. Zunächst stirbt Ende 1988 der langjährige Vollblutschauspieler und Regisseur Erich Zehner, Anfang 1989 verstummt auch sein Freund Walter Schwahn für immer. Der Autor der Barbara, Ehrenbürger der Stadt und kritischer Freund des Laienspiels, erlebt die Weiterentwicklung des Theaters in der Bärenstadt nicht mehr mit. Für die Inszenierung seines bekanntesten Stückes 1989 findet sich mit Adelheid Simmer und Bernd Winnemann ein neues Regie-Duo aus langjährigen Mitspielern der Schwahn-Stücke zusammen, das die Aufführungen im Hof der Hohen Schule zusammen mit dem Ensemble mit Bravour über die Bühne bringt. Erstmals ist man dabei in größerem Maße selbst in die Bereiche Kostüm, Technik etc. eingebunden. Und so reift in einigen Schauspielerinnen und Schauspielern der Gedanke, sich in einem eigenen Theaterverein selbstständig zu machen und fortan selbst für alle organisatorischen Belange rund um die Aufführungen zuständig zu sein.

Nach vielen teilweise hitzigen Diskussionen, langwierigen Verhandlungen und großer Beharrlichkeit einiger prägender Köpfe ist es am 26. November 1990 soweit: In der „Alten Schmiede“ am Pertuisplatz wird – maßgeblich initiiert von Bernd Winnemann und Adelheid Simmer, die folgerichtig auch als 1. und 2. Vorsitzende Verantwortung übernehmen – ein Verein gegründet, der in Anlehnung an den seit Jahren eingeprägten Standardtitel für die Aufführungen der Schwahn-Stücke den Namen „Herborner Heimatspiele e. V.“ erhält.

Damit verbunden sind zugleich Anspruch und Verpflichtung, dem Publikum die Trilogie Schwahns im Zwei-Jahres-Rhythmus auf der „Open-Air-Bühne“ der Hohen Schule zugänglich zu machen. Dieses Vorhaben setzt man zwischen 1991 und 1997 mit den Aufführungen von Tod und Leben (1991/1997), Die Freiheit (1993) und Die Barbara (1995) konsequent in die Tat um. Daneben schafft sich der Verein ein weiteres schauspielerisches Betätigungsfeld. Seit 1991 freuen sich nicht nur die Herborner Schulen, sondern Kinder aus dem gesamten Dillkreis in der Vorweihnachtszeit über eigens für sie inszenierte Stücke. Vom Gestiefelten Kater über den Wunschpunsch bis hin zum Dschungelbuchoder der Zauberfee von Oz gibt es dabei thematisch einige Abwechslung. Inzwischen sind es Jahr für Jahr bis zu 2.500 Schulkinder, die sich von den Heimatspielern unterhalten lassen und so zum Teil den ersten Kontakt zur Welt des Theaters erhalten. Seit 2003 kümmert sich Franz-Josef Neunzerling als Regisseur um die Vorweihnachtsstücke und hat maßgeblichen Anteil daran, dass diese sich inzwischen zu einer echten „Marke“ des Vereins entwickelt haben.

Da aber Schwahn-Stücke plus Weihnachtsmärchen einigen schauspielwütigen Mimen immer noch nicht ausreichen, kommt es 1996 zu einer weiteren Premiere, als wir im Jahr zwischen den Stücken der Trilogie mit Der Lampenschirmfür Furore sorgen und beweisen, dass auch Werke anderer Autoren (in diesem Fall von Curt Goetz) für die inzwischen gewachsenen Fähigkeiten der Theatergruppe eine locker zu bewältigende Hürde sind.

Mit zwei weiteren Einaktern von Goetz (Minna Magdalena und Nachtbeleuchtung) wird dies 1998 eindrucksvoll untermauert, ehe wir 1999 wieder Neuland betreten – und dies in zweierlei Hinsicht. Zum einen hat Vereinsmitglied Gabriele Greis nach dem Weihnachtsstück Kein Prinz für Schneewittchen ihr zweites eigenes Stück (In Bauschs Garten) verfasst, das sich – im Gegensatz zu Walter Schwahns Werken – mit den Geschehnissen in Herborn zur Zeit des Vormärz befasst. Zum anderen erweist sich der erstmals gewählte Schlosshof als stimmungsvolle Theaterkulisse, die bei vielen Zuschauerinne und Zuschauern in so nachhaltiger Erinnerung bleibt, dass sie auch 2002 wieder als Spielstätte gewählt wird.

Zunächst aber stehen die Heimatspieler nach dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ im Stadt-Jubiläumsjahr 2001 vor ihrer vielleicht größten Herausforderung. Mit der Aufführung der „Ur-Barbara“ an historischer Stätte auf dem Kornmarkt erweisen wir neben der städtischen auch unserer eigenen Geschichte Referenz. Mit einem gewaltigen Aufwand an Menschen (rund 60 Mitwirkende), Material (Kostüme, Bauten) und Pferden gibt es erneut ein „Theater in Herborn“, bei dem der Begriff Laienspiel kaum mehr angebracht scheint. Über 2.500 Besucherinnen und Besucher sorgen für das Rekordergebnis in der Geschichte unseres Vereins. Wir trotzen erneut dem Regen und müssen sogar eine zusätzliche Aufführung einschieben. Fazit aller Beteiligten: Der helle Wahnsinn!

Womit die Überleitung zum Kriminalstück des Jahres 2002 geschaffen wäre. In dem bekannten Agatha-Christie-Stück Da waren’s nur noch neun wagen sich die Heimatspieler erneut auf unbekanntes Terrain, steht doch erstmals eine Geschichte auf dem Spielplan, in der ein wahnsinniger Mörder sein Unwesen treibt. Kontrastprogramm in der Schlosshof-Idylle also, die auf einen enormen Zuspruch stößt und uns sogar eine Zusatzvorstellung abverlangt.

Nachdem wir im Jahr 2003 den Ortswechsel auf den Bereich des alten LWV-Gutshofes vollziehen und auch das Genre wechseln, dürfen wir – auf vielfachen Wunsch – unser komödiantisches Talent ausleben und die britische Boulevardkomödie mit Niveau Und das am Hochzeitsmorgen zur Aufführung bringen.

2004 hat es uns wieder Curt Goetz angetan, wobei wir uns selbst „recyceln“ und mit Der Lampenschirm ein Stück auf den Spielplan zurückholen, das bereits 1996 gezeigt wurde, seinerzeit aber in der Öffentlichkeit kaum Beachtung fand. Die Publikumsresonanz ist deutlich besser, wettertechnisch jedoch bleiben uns die zehn Spieltage als stürmisch und verregnet in Erinnerung.

Deshalb entschließen wir uns, im Jahr 2005 – nach sieben Jahren unter freiem Himmel – erstmals wieder bei einem Sommerstück unter dem schützenden Dach zu spielen. In unserer 2044 fertiggestellten KulturScheune steht die Kriminalkomödie Erben ist nicht leicht auf dem Spielplan. 2006 kehren wir zu unseren Wurzeln zurück und geben auf der Burg Greifenstein Das edle Haus, ein Stück aus der Feder Walter Schwahns, das wir letztmals im Jahr 1988 an gleicher Stelle aufgeführt hatten.

Seit dem Jahr 2006 hat der Verein zudem die Möglichkeit, eine engagierte Jugendarbeit zu betreiben. Bis zu drei feste Nachwuchs-Ensembles steuern seitdem Jahr für Jahr engagierte und qualitativ hochwertige Eigenproduktionen bei. Nähere Informationen dazu finden Sie im Menü unter „Ensembles“.

Als Sommerproduktion 2007 präsentieren wir die britische Komödie Außer Kontrolle, um dann 2008 mit einer erneuten Inszenierung der Barbara auf dem Kornmarkt noch einmal zu unseren Wurzeln zurückzukehren. 2009 dann widmen wir uns einem Stück, das in den 1990er-Jahren eigens für uns geschrieben wurde, und sind In Bauschs Garten unterwegs. Und 2010 feiern wir mit Michael Cooneys Komödie Und ewig rauschen die Gelder unter der Regie von Marcel Nascimento einen Riesenerfolg. 2011 wird es mit Sweeney Todd wieder deutlich gruseliger und in Sachen Inszenierung (ebenfalls von Marcel Nascimento) ein Stück weit moderner. Zum Lachen bietet dann 2012 die Komödie Taxi, Taxi reichlich Anlass, die erstmals seit Jahren wieder so viel Andrang hervorruft, dass eine Zusatzvorstellung eingeplant werden muss. Als Regisseur ist nun Holger Heix im Boot, der den zum Studium aus Herborn weggezogenen Marcel Nascimento ablöst. Neuland betreten in diesem Jahr auch die Kukis, die mit Des Königs Schlafmütze erstmals öffentlich in verschiedenen Kindergärten auftreten.

2013 geben wir dem Publikum mit Wie wär’s denn…? wieder die Chance, die Sorgen zu vergessen. Und auch 2014 bleibt es mit Der Vorname lustig, wenngleich durchaus mit einigen nachdenklichen Passagen. Das Jahr 2014 jedoch geht vor allem deshalb als denkwürdig in die Vereinsgeschichte ein, da wir zusätzlich zu den Aufführungen der beiden Jugendgruppen, dem Sommerstück und dem Weihnachtsmärchen in Beilstein ein Krimi-Dinner zeigen und auch die Kukis ein großes Stück spielen. Wir stemmen in diesem Jahr also gleich sechs Eigenproduktionen!

2015 sind 25 Jahre Vereinsbestehen Anlass, uns mit uns selbst zu beschäftigen. Mit Was’n Theater – von Regisseur Holger Heix selbst geschrieben – greifen wir einige der Erfolgsproduktionen der vergangenen Jahrzehnte wieder auf und erzählen daraus eine neue, eigene Geschichte. Theater im Theater also!

Im Jahr darauf präsentieren wir anlässlich des in Herborn stattfindenden Hessentags im Sparkassen-Palace zusammen mit dem Musikverein Herborn-Seelbach eine Neuauflage der 2013 erstmals aufgeführten musikalischen Biografie Glenn Miller – ein Leben für den Swing. Im Sommerstück Blütenträume 2016 stehen die Probleme der „Best Ager“ im Mittelpunkt und 2017 beschert uns die von Holger Heix selbst geschriebene Komödie Ich hasse Familienfeste sechs ausverkaufte Vorstellungen.

Nachdem uns im Jahr 1991 mit der Geburtsstunde des Weihnachtsmärchens und 2006 mit Aufnahme der Jugendarbeit bereits zweimal die erfolgreiche Erweiterung unseres künstlerischen Spektrums geglückt war, ergibt sich im Frühjahr 2018 durch einen für uns glücklichen Zufall die Möglichkeit, unser Angebot um eine Sektion zu erweitern, die bislang im Repertoire noch fehlte: Mit der „KuSch Company“ gibt es seitdem eine eigene Chorformation, die unter der Leitung von Nicolai Benner in der KulturScheune für musikalische Highlights sorgen und sich vor allem auf den Bereich Musical fokussieren will. Nähere Informationen zur Gruppe finden Sie unter dem Menü-Punkt „Ensembles“.

Im Sommer 2018 sorgt die Sommerstück-Truppe mit Der Besuch – einer von Holger Heix adaptierten Fassung von Friedrich Dürrenmatts Theater-Klassiker Der Besuch der alten Dame – für jede Menge Zündstoff und Diskussionen. Das Stück besticht nicht nur durch ein minimalistisches Bühnenbild, das den Zuschauerinnen und Zuschauern (vor allem denen, die auf der Bühne Platz nehmen dürfen… oder müssen) einen spannenden Blick hinter die Kulissen gewährt, sondern vor allem durch die Tatsache, dass das Publikum den Ausgang des Stückes selbst in der Hand hat. Auf drei verschiedene Versionen vorbereitet, erfahren die Darstellerinnen und Darsteller selbst erst kurz vor Schluss, was mit Protagonist Alfred Il passieren soll. Und so erlebt das Herborner Publikum tatsächlich sechs völlig unterschiedliche Aufführungen mit einer jeweils ganz eigenen Dynamik.

Und auch 2019 ist für uns ein in vielerlei Hinsicht ereignisreiches und spannendes Jahr. Im Frühjahr debütiert zunächst die inzwischen auf 45 Sängerinnen und Sänger angewachsene KuSch Company und stellt mit zwei Gala-Abenden unter dem programmatischen Titel From now on: KuSch goes Musical Vol. I erstmals ihr Können unter Beweis. Kurz darauf fahren die Youngsters mit ihrer Inszenierung von Sebastian Fitzeks Passagier 23 einen der bislang größten Erfolge der Nachwuchsgruppen ein. Am 3. Juli stemmen wir dann mit der Abschluss-Gala der Kabarett-Bundesliga das bislang größte Event in der KuSch – rund 20 Künstler treten an diesem denkwürdigen Abend auf. Und im August geht das Sommerstück mit dem Episoden-Thriller Fragmente neue Wege, in dem mannigfach gemordet und gestorben wird, sich das fragmentarische Geschehen am Ende aber wieder zu einem großen Ganzen fügt. Ganz nebenbei vereint das Stück erstmals Mitglieder aus allen Ensembles des Vereins.