Stehende Ovationen für die „bösen Mädchen“

Stehende Ovationen für die „bösen Mädchen“

In der Herborner KuSch ist nach „Dreamland“ im Jahr 2025 wieder Musical-Zeit. Auf dem Spielplan der vereinseigenen „KuSch-Company“ steht „Bad Girls“. Dieses Bühnenmusical basiert auf der gleichnamigen englischen TV-Gefängnisdramaserie von Maureen Chadwick und Ann McManus sowie auf der Musik und den Liedtexten von Kath Gotts. Das rebellische, energiegeladene Stück voller Power, Witz und Emotion, erlebte am Freitagabend eine mit frenetischem Applaus gefeierte Premiere.

Ganze Arbeit hat das Leitungsteam, bestehend aus Regisseur Jonas Wogenstahl, den musikalischen Leitern Lisa Thomas und Andreas Gerhard, Choreografin Nele Kessler und den Produktionsleiterinnen Sara Rosu und Andrea Wegricht, geleistet: Sie haben das zweieinhalbstündige Musical zu einem rundum gelungenen Theater- und Musikerlebnis werden lassen. Die elfköpfige Band, die in dem Ergänzungsbau neben der „KuSch“ per Videoschalte synchron mit dem Geschehen auf der Bühne verbunden ist, sorgte für einen tollen Mix aus eingängigen Melodien und griffigen Rhythmen, die der Handlung des Musicals zusätzliche Würze verliehen.

„Ich bin am Arsch hier!“ So drastisch drückt sich die Stimmung unter den Insassinnen in dem britischen Gefängnis aus, während die Vollzugsbeamten vorgeben, alles im Griff zu haben. „Es gibt zwei Arten von Menschen: die und uns“, lautet deren Fazit. Währenddessen hegen starke Inhaftierte wie Nikki Wade (Sara Rosu) und Shell Dockley (Svenja Göbel) den unerschütterlichen Willen und den Glauben an Freiheit und Gerechtigkeit. Unterstützung erfahren sie dabei durch die Flügeldirektorin Helen Stewart (Kerstin Hauk).

In den Songs manifestieren sich unterschiedliche Standpunkte, stehen sich Macht und Ohnmacht scheinbar unversöhnlich gegenüber. „Ich bin allein. Du bist allein“, singen die Inhaftierten im Chor. Die strengen Aufsichtspersonen demonstrieren hingegen tanzend ihre Überlegenheit: „Niemand hält uns auf.“ Die Zustände verschlechtern sich, als durch einen tragischen Todesfall die fragile Balance zwischen den Bewachten und den Bewachern ins Wanken gerät.

Nikki Wade ruft ihre Mithäftlinge zur Revolution auf. Und so kommt es handgreiflich zur Sache, als sie von den sexuellen Übergriffen eines Wärters erfährt. „Ich hab’ noch Feuer im Arsch und im Blut“, verkündet sie. In Shell Dockley findet sie eine Mitstreiterin, die sich gegen die Anschuldigung, Kokain ins Gefängnis geschmuggelt zu haben, vehement zur Wehr setzt. Zwischen Intrigen, Solidarität und unerwarteter Liebe kämpfen die Frauen letztlich um ihre Würde: „Ich will ein Mensch sein“, lautet ihr Credo.

Das Musical „Bad Girls“ spart weder mit bissigem Humor noch mit mitreißender Musik. Bis zum Schluss lässt die Spannung nicht nach, dabei wird während der ganzen Spieldauer ein flottes Tempo vorgelegt. Befeuert von einer enormen Spielfreude der gesamten Ensemble-Mitglieder, die mit ihren Rollen eins werden, fällt es dem Publikum leicht, sich mit dem Schicksal der Frauen und ihrer Hoffnung, dass selbst hinter Gittern Träume fliegen können, zu identifizieren.

(Text + Fotos: Helmut Blecher)