Für Pullen-Allergiker sind die Shows der drei mit den Flaschen ein No-Go. Wer aber am Sonntagabend den Weg in die Herborner „KulturScheune“ („KuSch“) fand, wurde von dem neuen Flaschenmusik-Bühnenprogramm von „GlasBlasSing“ in einen Strudel aus klanglichem Reichtum, rhythmischem Leistungsvermögen und großer musikalischer Bandbreite hineingezogen. Getreu ihrem Motto: „Kästen raus, Flaschenarbeit!“
Flaschen und Kanister aller Art füllten die Bühne, mit der Andreas „Endie“ Lubert, David „Möhre“ Möhring und Jan „Fritze“ Lubert ihr abwechslungsreiches Liedgut auf Leergut kredenzten. Mit „Message In A Bottle“ stieg das Berliner Trio in ein Set ein, das überraschte, erstaunte, verblüffte und zeigte, welch große Klangfülle in Flaschen steckt. Erfinderisch war man bei der Zusammenstellung der Flaschen, die durch einen selbstgebastelten Ständerbass und elektronisch erzeugten E-Gitarrensound so manche klassische Rockbesetzung in den Schatten stellte.
Zum Einsatz kamen alle Hochkaräter ihrer opulenten Pullen-Flotte, die, die man auch von den „PET-Shop Boys“ aus London bezieht. Bei der Wortwahl, der Erfindung origineller Liedtexte, sprühten „GlasBlasSing“ vor Witz und köstlichen Geistesblitzen. Dabei zeigten sie bei „Schau mal“, ihrem Lied auf die wonnigen Babys, dass sie auch gesanglich voll auf der Höhe sind. Das galt auch für Pharrell Williams‘ „Because I‘m Happy“, das in einen „Happy-Hour-Moment“ der Einweg- und Mehrwegflaschen mündete.
Unterstützt von Ukulele und E-Gitarre spielte das Trio gegen das Unvorhersehbare an und fand die passenden Worte und Geschichten für all die plötzlichen Nackenschläge und Schrecksekunden des Lebens. Mit einem zu Herzen gehenden Weihnachtslied ließ man mit einem gläsernen Glockenspiel die Vorfreude auf die Festtage erklingen.
Auch vor der Klassik machten „GlasBlasSing“ nicht Halt, indem „Möhre“ mit einem Super-Auftritt als „Flachmanninow“ mit einer Aneinanderreihung von Flachmännern an einem Holzbrett Mozarts „Türkischem Marsch“ rockige Töne entlockte.
Die Flaschen-Virtuosen ploppten, was das Zeug hielt, und trafen so beim Publikum voll ins Schwarze, das mit Leonard Cohens „Halleluja“ verabschiedet wurde, um zu Hause musikalische Selbstversuche mit dem Leergut auszuprobieren.
(Text + Fotos: Helmut Blecher)




