Standing Ovations für den Akrobaten-Nachwuchs

Standing Ovations für den Akrobaten-Nachwuchs

Ein alljährliches Highlight im Programm der Herborner „KulturScheune“ („KuSch“) sind die Absolventen-Galas der Staatlichen Artistenschule Berlin. In diesem Jahr stand die Show unter dem Titel „Splendid“, was so viel bedeutet wie „überwältigend“, „glanzvoll“ oder „strahlend“. Und glanzvoll war in der Tat, was die zehn jungen Absolventen und Absolventinnen auf der „KuSch“-Bühne zeigten. Es war eine Show voller Energie, Persönlichkeit und Momenten, die das Publikum in der ausverkauften „KulturScheune“ begeisterten. Jeder Act wurde frenetisch bejubelt und beklatscht.

Bis zu neun Jahre intensiven Trainings haben die Künstlerinnen und Künstler hinter sich gebracht, um mit beeindruckender Artistik, perfekter Körperbeherrschung und mitreißender Bühnenpräsenz zu brillieren. Mit nicht minder großer Bewegungsfreude rundeten sie vor jedem artistischen Auftritt mit sinnig und sinnlich choreografierten Spielszenen und klassischen Tanzsequenzen das exzellente Gesamterlebnis ab.

Zum 70-jährigen Jubiläum der Staatlichen Artistenschule Berlin beeindruckte die Show mit neuen, unverbrauchten Ideen und nicht zu bremsender Spielfreude. Tabea Bargel zeigte bei ihrer Luftakrobatiknummer an den Strapaten, wie man sich schwerelos durch die Lüfte schwingt. Die Balance zwischen Kontrolle und Loslassen erzielte Ben Radke bei seiner Luftakrobatik an den Strapaten.

Das Duo, bestehend aus Josephine Beaupré und Holly Bratek, balancierte bei seiner Hand-auf-Hand-Akrobatik die Kräfte so aus, dass sie immer wieder ungewöhnliche Bilder und harmonische Momente kreierten, die das Publikum in Staunen versetzten. Die Cyr-Wheel-Künstlerin Stela Stankeviciute demonstrierte, wie man mit nur einem Reifen eine Performance darbietet, die getragen wurde von fließenden Bewegungen, anspruchsvollen Figuren und künstlerischer Ausdruckskraft auf höchstem Niveau.

Linnea Schröter ließ bei ihrer faszinierenden Antipoden-Artistik gleich mehrere rote Tücher über ihre Hände und Füße kreisen, während Niko Chatzoglou die Kunst der Kontorsion am Boden perfekt beherrschte. Seine Handstandakrobatik zeigte sich in schier unmöglichen Verbiegungen. Emma Bull bewies mit Kraft und Beweglichkeit ihre Kunstfertigkeit am Luftring sowie beim Poledance (Stangentanz). Einen Tanz mit Ringen, Keulen und Bällen absolvierte der Jongleur Tamino Soto, der mehr als ein halbes Dutzend Bälle und Ringe durch die Luft wirbelte und sie über seinen Kopf kreisen ließ.

Einmal mehr zeigte die Absolventenshow der Staatlichen Artistenschule Berlin, dass sie im Programm der „KulturScheune“ seit vielen Jahren einen festen Platz hat. Wie im Flug verging die Show, die Artistikkunst vom Feinsten bot. So mancher im Publikum wünschte sich, nur einen Bruchteil der körperlichen Beweglichkeit der „Splendid“-Akteure zu besitzen. Der nächste Auftritt des kommenden Jahrgangs steht bereits fest: Die Absolventen 2027 gastieren am 18. Juni open-air an der KuSch.
(Text + Fotos Helmut Blecher)