Ja, wer war denn nun der Mörder?

Ja, wer war denn nun der Mörder?

Das Junge Ensemble „16+“ hat die Krimikomödie „Der Tod kommt im Flanellhemd“ trickreich in der Herborner „KulturScheune“ zur Aufführung gebracht. Darum geht es in dem Stück.

Mit der Auswahl ihrer Stücke liegt das Junge Ensemble „16+“ des „KulturScheune“-Vereins immer goldrichtig. Das gilt auch diesmal: Mit der von Janina Katzer und Charlotte Heuser inszenierten Krimikomödie „Der Tod kommt im Flanellhemd“ von John Schöllgen, hat man eine gute Wahl getroffen. So kam das Premieren-Publikum in der „KuSch“ in den Genuss einer Aufführung, die mit einer Mischung aus Witz und wohligem Schaudern für prickelnde Unterhaltung sorgte.

Ein sinisterer Landsitz in den Hochmooren Englands ist die passende Kulisse für eine Persiflage auf das Kriminaltheater und ein bissiger Seitenhieb auf das Strickmuster bekannter Genreklassiker. „Der Tod kommt im Flanellhemd“ beginnt mit dem Tod des alten Grafen Bigglesworth. Zur Testamentseröffnung finden sich die Erben im alten Herrenhaus ein, die sich seit vielen Jahren nicht haben blicken lassen. Doch kurz vor der Testamentseröffnung wird Notar Eva Maria Globenhauer ermordet in der Bibliothek aufgefunden. Zusätzlich muss man feststellen, dass das Testament des Grafen verschwunden ist.

Das Ermittlerduo Michael Caine und sein schwedischer Assistent Gustafson übernehmen die Spurensuche in dieser heiklen Angelegenheit und verfangen sich dabei in einem Netz aus Lügen und Intrigen. Ein Motiv hat so ziemlich jeder. War es Vincent, der Sohn des Grafen, der es auf dessen Geld abgesehen hat? War es sein Bruder James, der nicht leer ausgehen mag? Beider Tante Deborah, die immer knapp bei Kasse ist? Oder ist am Ende doch der Vermummte mit der Pistole der lachende Dritte?

Für das Publikum ist diese Frage nicht so wichtig, zu erfahren, wer am Ende der Mörder ist, der ohnehin immer der Gärtner ist. Dafür hat man einen riesigen Spaß am Spiel des Jungen Ensembles „16+“, das sich in der Bibliothek der Grafenvilla abspielt. Im Haus Bigglesworth werden die Toten als lästiges Beiwerk eher entsorgt als bedauert. Als die Gräfin plötzlich stirbt, befindet man, dass man sich mit dem Einschalten der Behörden nur zusätzlichen Ärger einfängt. Und die Ermittler machen Ärger. Sie treiben es ziemlich arg.

Chris Großmann als Inspektor Caine spielt sich mit exzentrischer Leidenschaft als Wiedergänger von Inspektor Clouseau auf, den auch sein Assistent Gustafson, gespielt von Michel Maaß nicht von seinen kruden Beweisfindungsmethoden abzubringen vermag. Lotte Heuser als Eloquentino hat viel zu schleppen und einen großen Buckel à la Quasimodo zu tragen, was die Schwester des Grafen, dargestellt von Lara Ulusoy, nicht davon abhält, sich ihr hinzugeben. Die Notarin Eva Maria Globenhauer (Jana Pittner) stirbt bereits zu Anfang des Stückes – oder doch nicht?

Ziemlich durchgeknallt ist das, was Standesdünkel, Mordgedanken und der Wunsch, ganz groß herauszukommen, bei Gräfin Bigglesworth (Miriam Peuser) und ihren Söhnen Vincent (Julian Wagner) und James (Charlott Nieswiodek), die als Weltraumfahrer und Literaten Karriere machen möchten, auslöst. Da bleibt für Hanna Sauerwald als Braut von James und Hanna Schweitzer als Hausmädchen Pop eigentlich nur die undankbare Aufgabe, die „Normalen“ im Team von Verrückten zu spielen.

Man merkte es dem Team an, dass es ihm einen Heidenspaß bereitete, die menschliche Ratio zwei Stunden lang ad absurdum zu führen.

(Fotos: JMS)

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher