Ein toller „Schlumpeweck-Jahrgang“

Ein toller „Schlumpeweck-Jahrgang“

Der „Schlumpeweck-Jahrgang“ 2026 war ein guter! Und die inzwischen 18. Ausgabe des gleichnamigen Kleinkunstpreises der KulturScheune Herborn endete mit einem Doppelsieg von Marie Diot.

Die von Fabian Großberg begleitete Liedermacherin sicherte sich sowohl den Jury- als auch den Publikumspreis. Den „KuSch Push Sonderpreis“, den eine Auswahl junger Mitglieder aus den verschiedenen Nachwuchs-Ensembles der KulturScheune vergab, holte sich der Krefelder Poetryslammer und Comedian Johannes Floehr.

Neben den vom Atelier Christoph Oester liebevoll gestalteten Sieger-Trophäen gab es jeweils 2500 Euro für die Gewinner von Jury- und Publikumspreis sowie 1500 Euro für den Sonderpreis.

Zum zweiten Mal ging der „Schlumpeweck“ als Tageswettbewerb über die Bühne. Sechs Künstlerinnen und Künstler hatten dabei jeweils 20 Minuten Zeit, die beiden Jurys und das Publikum von sich zu überzeugen.

An Moderator Matthias Rauch war es, locker und launig durch den Abend zu führen, was dem Dorstener Zauberer auch bestens gelang. Egal ob bei Kartentricks, schwebenden Tischen oder vielen weiteren charmanten Effekten: Rauch verblüffte das Publikum ein ums andere Mal.

Dass er keine Mühe hatte, das Stimmungs-Level hochzuhalten, lag auch an der Qualität der sechs Wettbewerbsteilnehmenden. Samuel Kilian, von Hause aus promovierter Statistiker, setzt sich mit den Alltags-Tücken des Älterwerdens, aber auch mit den immerwährenden Missverständnissen zwischen Mann und Frau auseinander. Herrlich makaber: sein Blick auf den Straßenverkehr, in dem doch jeder eigentlich den kleinen „Rammbock“ in sich spürt.

Sven Garrecht ist ein Meister der leisen, aber sprachlich pointierten Töne. Er hält nichts von dicken Eiern, ihm geht es um Haltung, wie man in seinem Heldenlied hören kann, denn: „Es geht nicht darum, wer die dicksten Eier hat, es geht darum, wie man die Hühner hält. Denn nur mit Haltung retten wir die Welt!“

„Die Nowak“ ist eine singende und Klavier spielende exzentrische Diva, quasi ein Gesamtkunstwerk. Rebekka Maier-Thumann beschäftigt sich dabei mit gesellschaftskritische Alltagsbeobachtungen, wenn es etwa um „Schottergärten“ geht. „Scheiße gelaufen“ findet sie in einem ihrer Songs, weiß aber auch, das Leben mit all den zwischenmenschlichen Abgründen ist kein Ponyhof.

Der Begriff „Gesamtkunstwerk trifft auch auf das zu, was der Berline Jochen Falck auf der Bühne treibt. Da springen Schlangen aus Fakirkörben, Notenständer wirbeln auf Klarinettenköpfen umher und alle wissen nun auch: „James Dean war nie in Berlin!“

Und dann waren da noch die Preisträger! Johannes Floehr hat es mit seinem Krefelder Migrationshintergrund nicht leicht („Da gibt es nicht mal ne Touristinfo“). Sein Sehnsuchtsland ist Frankreich – oder auch nicht. Denn die Tücken der Sprache (gerade beim Zählen) bleiben für ihn ein Mysterium. Dem begegnet er aber auch in Herborn mit vollem Körpereinsatz, hoher Energie und Bühnenpräsenz, so dass ihm der „KuSch-Push-Sonderpreis“ zurecht zugesprochen wurde.

Doppelsiegerin beim „Schlumpeweck 2026“ darf sich nun Marie Diot nennen. Zusammen mit Gitarrist Fabian Großberg eröffnete sie den Abend – und wie! Mit viel Wortwitz und einem verschmitzten Charme spielt sie mit Sprache und Erwartungen, inklusive einer kleinen Bildungseinlage über die Farbe „Zinnober“, „denn das reimt sich ja besser als rot auf Oktober.“

Ein absoluter Ohrwurm: der „Heizkörper“-Song. Während ihr Gegenüber im Sommer eher störend wirkt, ist er im Dezember plötzlich unverzichtbar – so wie eine Heizdecke oder eine Tasse Tee.

Dazu hätten auch die echten Schlumpewecks gepasst, die vor und nach der Show frisch gebacken serviert wurden.

 

 

Gert Fabritius