Ein beseelter Abend mit „Alte Bekannte“

Ein beseelter Abend mit „Alte Bekannte“

Fünf Stimmen, jede Menge Wortwitz und Songs, die mal zum Lachen, mal zum Nachdenken und ziemlich oft zum Mitwippen einladen – das sind „Alte Bekannte“. Und damit sorgten sie in der Herborner KulturScheune für ein Konzert-Highlight.

Clemens Schmuck (Bariton), Ingo Wolfgarten (Bariton), Friedemann Petter (Baritenor) sowie die beiden ehemaligen „Wise Guys“, Daniel „Dän“ Dickopf (Bariton) und Björn Sterzenbach (Bass) zeigten sich bei ihrem zweiten Herborn-Gastspiel in absoluter Spiellaune.

In ihrem 600. Konzert der knapp zehnjährigen Bandgeschichte begeisterte das 2017 als Nachfolge-Band der legendären „Wise Guys“ gegründete Quintett viele alte, aber auch zahlreiche neue Fans des A-Cappella-Genres. „Mehr“ heißt das aktuelle Album der Gruppe, von dem zahlreiche Titel zu hören waren. Aber es hatten sich, sehr zur Freude der Zuschauer, auch einige Klassiker der „Wise Guys“ ins Programm geschlichen.

Schon immer haben die fünf Vokalisten alltägliche Probleme in pfiffige Texte verpackt, haben über das Trauma eines Lehrerkinds gesungen oder über den üblichen Ärger mit der Deutschen Bahn („Sänk ju vor trevelling“). Schwung und poetischer Witz prägen „Nicht mein Zirkus“, ein weiterer höchst unterhaltsamer Song.

Ein thematischer Schwerpunkt im Programm – die guten und die schlechten Seiten der Digitalisierung: Mal bejubelt Friedemann Petter das Regenradar, nur um etwas später an Sprachnachrichten zu verzweifeln und sich darüber zu wundern, dass angesichts von Wikipedia, Google und Co das gesammelte Wissen aus den Gehirnen der Menschen in die Cloud ausgelagert wird – letzteres trotz einer eingebauten Techno-Passage ein Lied zum Nachdenken. Ebenso übrigens wie die unwillkürliche Transformation der Bürger in Spione, was angesichts des gläsernen Menschen des 21. Jahrhunderts leichter ist denn je. Ein bisschen „NSA“ steckt schließlich in jedem von uns.

Haben die „Alten Bekannten“ noch alle Tassen im Schrank? Geht es nach dem gleichnamigen sprachlich komplexen Turbo-Song, dann schon. Die thematische Bandbreite der dargebotenen Songs ist groß. Es geht um Sprachkritik („Eigentlich“) genauso wie um ein klares politisches Standing. Urgestein „Dän“ Dickopf musste nach einem Schlaganfall in der Corona-Zeit mit seinen Kräften etwas mehr haushalten, ist und bleibt aber das Gesicht der Band. Und so lässt er bei „Wir sind mehr“ keinen Zweifel an einer klaren politischen Grundpositionierung der Band für Mitmenschlichkeit und Weltoffenheit.

Gegen Ende des Abends hielt es die begeisterten Besucher nicht mehr auf den Sitzen, wenn Klassiker der „Wise-Guys“-Geschichte wie „Antidepressivum“ herausgekramt wurden. Und so endeten über 120 Minuten feinste Unterhaltung mit einem musikalischen „Afterglow“ im Foyer – pure Stimmkraft zum Abschluss eines einfach unterhaltsamen, geistreichen und stimmungsvollen Abends in der KuSch, der sich nicht wiederholen wird, weil die Band ab 2027 getrennte Wege geht.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher