Einen besonderen und zugleich kurzweiligen Ausflug in die Theatergeschichte hat die Gruppe „KulturScheune Herborn 26“ an drei Abenden in der Aula der „Hohen Schule“ unternommen. Dabei ging man unterhaltsam der Frage „Was soll das Theater?“ auf den Grund. Theater neu zu entdecken, das hatten sich die Autoren Holger Heix, Cornelia Glade-Wolter, Jeanette Kretzer, Christopher Großmann und Thomas Jopp vorgenommen, um im Rahmen einer Szenischen Lesung, verwoben mit Schauspiel, bekannte Theaterstücke – von der Antike bis in die Moderne – bearbeitet ins Heute zu holen.
Ohne aufwändige Kulissen und ablenkende Kostüme, vermochten die Akteure sozusagen „unplugged“ das unterhaltsame Spiel zwischen Drama und Komik aufzubereiten. Mit den griechischen Tragödien von Sophokles und Euripides stieg das Autorenteam in die Welt des Theaters ein, in der Frauen nicht nur auf der Bühne, sondern auch als Autorinnen einen bedeutenden Anteil hatten.
Schnörkellos, direkt, unmittelbar, bildhaft und im höchsten Grad intensiv, bewegten sich die Akteure durch die Epochen des Theaters. Über das vulgäre römische Theater und die Bevorzugung religiöser Themen im Mittelalter, führte der Weg zu William Shakespeare und seinem berühmtesten Stück „Romeo und Julia“. Einer, der die Widersprüche seiner Epoche hervorhob, war Molière, dem man Szenen aus seiner Komödie „Der eingebildete Kranke“ widmete.
Auch an Schiller, Goethe und Lessing, den Mitbegründern des klassischen deutschen Schauspiels, das zwischen Vernunft und Sinnlichkeit, zwischen bürgerlichen Tugenden und adliger Überheblichkeit vermittelte, kam das „KuSch“-Team natürlich nicht vorbei, das den „Faust“ mit teuflisch gutem Furor darbot. Über Georg Büchner, den die „KuSch“-Truppe mit einer Moritat aus seinem „Woyzeck“ zu Gehör brachte, landete man schließlich in der Ära des Naturalismus. Henrik Ibsens „Nora“ wurde in Form eines Puppenspiels zelebriert.
Über das epische Theater von Bertolt Brecht kam das absurde Theater von Samuel Beckett zu Wort und „Warten auf Godot“, in dem sich Wladimir und Estragon über das Warten und Vergehen von Zeit auslassen. Das Autorenteam zeigte in der Aula der Hohen Schule sein Herz fürs Theater, das einen unterhaltsamen Einblick vom Leben auf und hinter der Bühne bot.
(Text: Helmut Blecher, Fotos: JMS)













