Charmante Leseshow mit Tiefgang

Charmante Leseshow mit Tiefgang

Bekannt ist Alexander Oetker aus seiner Tätigkeit für RTL und ntv, wo er über Politik und Gesellschaft der Grande Nation berichtete. Seine Liebe zu Frankreich entfaltet der gebürtige Brandenburger auch in seinen zahlreichen Büchern, die wie die Kriminalromane um den Ermittler Kommissar Luc Verlain regelmäßig auf den Bestsellerlisten stehen. Bei seinem Auftritt  in der Herborner „KulturScheune“ („KuSch“) folgte ein fast ausschließlich weibliches Publikum seinen Erzählungen, bei denen es weniger um Mord und Totschlag ging.

Eigentlich wäre es angesagt gewesen, statt einer Lesung eine Weinverkostung mit französischen Snacks anzubieten. Im Hinblick auf Weine und französische Lebensart kennt sich Alexander Oetker, der mit seiner Frau überwiegend in Aquitanien lebt, bestens aus. Sein Kochbuch „Chez Luc“ wurde mehrfach preisgekrönt. Mit Fotoeinspielungen, die von der Schönheit Südfrankreichs zeugten, machte er seinem Herborner Publikum den Mund wässrig.

Kurz handelte der Autor den Tatort seines Romans „Strandgut“ ab, an dem Kommissar Verlaine ermittelt. Skurril war für den Autor die Besichtigung von Europas größtem Nudistencamp an der südfranzösischen Atlantikküste. Ausführlicher war seine Lesung aus seinem neuen Buch „Silberküste“, ein rätselhafter und berührender Fall im schneereichsten Winter, den Aquitanien seit Jahrzehnten erlebt hatte.

Alexander Oetker war in seinem Erzählfluss nicht zu bremsen, die Preisung erlesenster Weine aus dem Médoc kam ihm locker über die Lippen. Die teuersten Grand-Cru-Weine, die edelsten Weingüter, in denen die schönsten Schlösser stehen, ergiebige Austernbänke und die schicksten Restaurants, handelte er mit spürbarer Begeisterung ab. Sie standen im Fokus seiner Erzählungen, mit denen er sein Publikum in die französische Kulinarik einführte, während die Ermittlungen von Verlain ruhten.

Trotz einiger Längen verstand es Oetker, seinen Ausführungen die nötige Portion Humor und Spannung zu verleihen. Seine Erfahrung als Journalist war dabei unüberhörbar. Am Ende hatte man den Wunsch, die Koffer zu packen und selbst in die malerische Landschaft Aquitaniens einzutauchen. Alexander Oetkers Romane sind im Verlag Hoffman & Campe erschienen.

(Text: Helmut Blecher)