Stehende Ovationen für die Geheimnis-Crew

Stehende Ovationen für die Geheimnis-Crew

Der Spielstoff geht den mit dem Hessischen Jugendtheaterpreis ausgezeichneten Youngsters der Herborner KulturScheune nicht aus, ebenso wenig wie ihre unbändige Spielfreude. Ihre jetzt neunte Produktion, die Komödie „Das perfekte Geheimnis“ von Bora Dagtekin, die am Freitagabend ihre Premiere hatte, wartete mit pointierten Dialogen und einem emotional aufgeladenen Durcheinander auf.

Für den hohen Unterhaltungswert sorgt das Regieteam David Löll und Anna-Julia Cunz, die den acht Akteurinnen und Akteuren den Freiraum geben, sich mit spielerischer Leichtigkeit in einen Strudel voll überraschender Wendungen und delikater Offenbarungen zu stürzen. Bis allerdings die Sache so richtig in Schwung kommt, braucht es eine Weile, um aus der anfänglichen Hektik ein Spiel voller Witz und Tempo auf die Bühnenbretter zu bringen.

„Jeder von uns hat drei Leben: ein privates, ein öffentliches und ein geheimes.“ So lautet das Motto der Komödie, die auf dem Film „Perfetti Sconosciuti“ aus dem Jahr 2016 basiert. Mit Elyas M’Barek und Karoline Herfurth in den Hauptrollen war sie einer der erfolgreichsten Filme des Jahres 2019.

Daran knüpfen die Youngsters auf der dreigeteilten KuSch-Kulisse (Intimzone, Wohnzimmer, Hausbar) an. Hier treffen sich vier Freunde, die sich seit der Schulzeit kennen und sich einmal im Monat mit ihren Frauen privat zum gemeinsamen Abendessen einfinden. Diesmal sind sie bei dem Schönheitschirurgen Rocco und seiner Frau, der Psychoanalytikerin Eva, zu Gast.

Geheimnisse voreinander, bekennen sie, nicht zu haben, und so wagen sie ein verrücktes Gesellschaftsspiel. Das Handy sei schließlich die Blackbox des Lebens, in der alle Geheimnisse gespeichert sind. Alle Smartphones kommen während des Essens mit dem Display nach oben auf den Tisch. Sämtliche Nachrichten werden vorgelesen, Telefonate laut mitgehört, jede noch so kleine WhatsApp wird angezeigt.

Dabei wird eine Lebenslüge nach der anderen gelüftet: Sexuelle Phantasien, eindeutige erotische Fotos, ein schwules Outing und geplatzte Träume von einer harmonischen Ehe – alles wird offengelegt. Der Alkoholpegel steigt, die Handgreiflichkeiten nehmen zu. Die Paare erfahren gewollt oder ungewollt die geheimsten Seiten ihres Partners und Dinge, die sie in ihren kühnsten Vorstellungen nicht erwartet haben.

Die Frauen Sofia, Carlotta und Bianca bilden Koalitionen gegen ihre untreuen Männer. Rocco. Lenny, Cosimo und Peppe. Sie versprechen sich gegenseitigen Beistand bei der Enttarnung ihres aus den Fugen geratenen privaten Lebens zu leisten. Einzig die anfänglich widerspenstige Sofia, Tochter von Rocco und Eva, erweist sich letztlich als kluge Analystin, angesichts des von den Erwachsenen angerichteten Chaos.

Die Darstellerriege, bestehend aus Louis Peter (Rocco), Regina Marzen (Eva), Elena Ziegler (Sofia), Nicolas Wogenstahl (Lenny), Lisa Herzler (Carlotta), Michel Dahlhaus (Cosimo), Victoria Groos (Bianca) und Michael Perry (Pepe), hat im Gegensatz zu ihren Bühnenfiguren alles bestens im Griff, zeigt eine stimmige Ensembleleistung, die am Ende mit großem Beifall belohnt wird.