Tauchgang zu „versunkenen Sätzen“

Tauchgang zu „versunkenen Sätzen“

Längst hat Stefan Waghubinger in Herborn eine treue Fangemeinde. Die tiefgründigen Gedanken und scharfen Formulierungen des Österreichers, der seit mehr als 30 Jahren in Deutschland lebt, kommen beim Publikum in der „KulturScheune“ (KuSch) gut an.

Tiefschwarz ist sein Humor, sein Kabarett gespickt mit philosophischen Nadelspitzen über Sinn und Unsinn des Lebens – urkomisch und herzerfrischend zugleich. In der „KuSch“ nahm der Schlumpeweck-Gewinner 2023 seine Gäste mit auf einen Tauchgang zu „versunkenen Sätzen“. Versiert wechselte der alles sezierende Nörgler mit österreichischem Akzent und schwäbischer Gründlichkeit dabei zwischen treffsicheren Pointen und neuen Fundstücken aus seinem Alltag.

In sein neues Soloprogramm „Versunkene Sätze“ hat Stefan Waghubinger das Beste aus 15 Jahren gepackt und findet für alle wichtigen Fragen des Lebens die passenden, wenn auch leicht skurrilen und bisweilen urkomischen Antworten. Als scharfsinniger Beobachter entfaltet er einen Blick auf das, was es braucht, um im fortgeschrittenen Alter nicht außer Atem zu kommen und so den Überlebensdrang nicht zu verlieren.

„Die Zukunft liegt mal wieder vor uns, das kann einem schon Angst machen“, sagt Waghubinger, der in seiner Gegenwart und Vergangenheit schon genug zu kämpfen hat. So bei seinem Wunsch aus Kindertagen, die Jacke von Captain Kirk vom Raumschiff „Enterprise“ zu bekommen – von der Mutter in Form eines gestrickten Pullovers erfüllt, der aber unendlich kratzte. Bei der Christmette konnte Waghubinger deshalb nachfühlen, wie sich das Jesuskind in der strohgefüllten Krippe gefühlt haben musste.

Beim Sinnieren über die Frage, was man sich noch schenken soll, empfiehlt der Geschichtenerzähler, älteren Freunden einen Gutschein fürs Bungee-Jumping zu gönnen. Da der Gutschein erst nach dem Sprung eingelöst werden müsse, erweise sich die Angst als Sparfaktor.

Waghubingers satirische Weitsicht steckt voller Überraschungen. So macht er sich Gedanken, was mit der Menschheit passiert wäre, wenn Adam und Eva Chinesen gewesen wären, die statt des Apfels die Schlange verzehrt hätten. Und auch über das Klima und das Verhalten der Tiere wirft er einige Thesen auf und hat den Darwinismus dabei immer im Hinterkopf: Pinguine, die einst Zugvögel waren, seien aufgrund der Hoffnung, dass es am Südpol warm sei, dort flügellahm hängen geblieben.

Beim Philosophieren über Gott und die Kunst des Sündigens – um bei der Beichte etwas erzählen zu haben – kommt der studierte Theologe, Kinderbuchautor und Kabarettist auch an den Wonnen des Ehelebens nicht vorbei: Da brauche es Fingerspitzengefühl, „was du sagen kannst oder nicht“. Seine Frau bestimme schließlich über den guten Geschmack und über das Mobiliar.

Immer wieder vollzieht Waghubinger den Spagat zwischen Vergangenheit und Zukunft. Das manifestiere sich auf dem Flohmarkt: Während er seine Vergangenheit verkaufe, erwerbe der Käufer damit eine Zukunft für sich.

Stefan Waghubinger hat es drauf, köstliche Geschichten vom Scheitern, Hoffen und dem, was letztendlich wirklich zählt, zu erzählen.

 

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher