Standing Ovations und ausverkauftes Haus

Standing Ovations und ausverkauftes Haus

Varieté in der KulturScheune Herborn – das heißt für gewöhnlich: Staunen, Lachen und Genießen. So auch bei der inzwischen 18. Auflage der Shows, die es in dieser Zusammenstellung so nur in Herborn zu erleben gibt.

Auch 2026 hatten die KuSch-Macher wieder auf einen bewährten Mix aus Artistik und Comedy gesetzt – mit Künstlern, die bereits in allen großen europäischen Varieté-Häusern gastiert haben.

Und sogar weltweit, denn die beiden Moderatoren der Abende, Pierre Scheffler und Julian Böhm, sind ab kommender Woche gleich sieben Wochen in Florida am Start, wo sie in Disneyworld mehrere Shows pro Tag zeigen.

In Herborn spielten die beiden Vollblut-Comedians, die als Duo „klirr deluxe“ firmieren, Ausschnitte aus ihrem reichhaltigen Repertoire. Ihr Werkzeug sind Teller, Stühle, Flaschen und alles, was sonst definitiv nicht in die Luft gehört. Drehend, balancierend, feuerschluckend – beiden Tausendsassas sind einfach charismatische Publikumsmagneten. Und das nicht nur wegen ihres schillernden Bühnenoutfits in purpurnen und gelben Anzügen. Während es bei diesen beiden rasant, interaktiv und bisweilen brüllend komisch zuging, war Monsieur Momo eher das programmatische Gegenteil.

Der Schlumpeweck-Gewinner von 2025 ist ein Meister der leisen Töne. Der staatlich geprüfte Clown mit Roncalli-Vergangenheit hat meist nur ein Wort für seinen Auftritt parat – ein augenzwinkerndes „Magic“. Wenn er auf einem Besen reitet, plötzlich drei Hände hat oder über Flaschen läuft: Die Posie des Augenblicks, gepaart mit tatsächlichem Können amüsiert die Zuschauer und machte ihn gerade erst zum „Best Clown 2026“ beim „World Circus Cup“.

„Monsieur Chapeau“ nennt sich ein wahrer Meister des Gleichgewichtssinns. Er balanciert auf bis zu fünf Rollen oder wahlweise einer Bowlingkugel und fasziniert durch sein enormes Körpergefühl. Dabei hat er immer den Schalk im Nacken.

Sheyen Caroli stammt aus einer italienischen Zirkusfamilie und hat eine Kontorsionsnummer entwickelt, die weit mehr ist als das „körperliche Verbiegen“. Das Spiel mit den Geschlechtern und der fulminante Schlusspunkt, wenn sie mit den Füßen eine Armbrust bedient und dabei ins Schwarze, bzw. einen Ballon trifft, zieht die Zuschauer in ihren Bann.

In der Höhe, rund sechs Meter über der Bühne, spielten sich drei weitere Acts ab. Anna Ehrenreich knotet ihre Tücher, um eindrucksvolle Bilder in der Luft entstehen zu lassen. Kraft und Eleganz vereinen sich dabei und auf grazile Posen folgen atemberaubende Momente, in denen sie sich metertief fallen lässt, wobei sie von den Seidentüchern wieder aufgefangen wird.

Ähnliches gilt auch für Ele und Julia Janke, alias das „Duo Elja“. Die Zwillinge aus Frankfurt, die ebenfalls in allen großen Varieté-Häusern gespielt haben, sind in der Luft zu Hause und kreieren ästhetisch-akrobatische Highlights an den Strapaten sowie am Doppel-Trapez. Sinnlichkeit und Akrobatik verschmelzen dabei zu einer faszinierenden Symbiose.

Der Lohn für die abwechslungsreichen Shows: Stehende Ovationen des Publikums. Besucher und KuSch-Macher waren sich einig: Auch die 18. Auflage von „KuSch goes Varieté“ musste sich hinter dem Programm der großen Varieté-Häuser in Deutschland nicht verstecken.

(Fotos: Gert Fabritius)