Mitgefühl und „Mannizismen“

Mitgefühl und „Mannizismen“

Wo es heute nur noch Spezialisten gibt, ist einer wie Dietrich Faber ganz speziell. Bei seinem mittlerweile neunten Auftritt in der Herborner „KulturScheune“ („KuSch“) lieferte der Gießener mit seiner neuen Bühnenshow „Mit Gefühl“ ein Best-of-Programm aus 30 Jahren Entertainment, prall gefüllt mit Witz, Humor, rasanten Rollenwechseln und jeder Menge Mitgefühl.

Das Tempo, das der Musiker, Kabarettist, Komiker, Parodist und Geschichtenerzähler dabei vorlegt, ist sportlich. Die Stimme gut geölt, den Körper mit Dehnübungen elastisch gemacht, fegt Faber die „Frustrationstoleranz“ mit gefühlsechten Songs zu Klavier- und Gitarre sowie mit Statements über seinen Werdegang als junger Bub und gereifter Teenager locker weg.

Und als seine Wegbegleiter aus Politik und Gesellschaft führt Faber Helmut Kohl, Helmut Schmidt, Willy Brandt, Karl Lauterbach und Donald Trump parodistisch vor. In seiner Show der echten Gefühle dürfen natürlich solche Originale wie der oberhessische Cowboy-Philosoph „Manni Kreutzer“ ebenso nicht fehlen wie der Ganz-Alleinunterhalter „Orgel-Willi“, der im Schneckentempo Liebeslieder anstimmt, die beim Publikum ekstatische Gefühlswallungen auslösen.

Wenn es um Gefühle geht, steht die Liebe ganz oben an. Da lässt sich ein Dietrich Faber nicht die Butter vom Brot nehmen, wenn er sich mit inbrünstiger Leidenschaft in Opernarien, Schlager und Countrysongs stürzt, die dem toxischen Männlichkeitswahn weitgehend eine Absage erteilen.

In seinen Gedichten zum Thema Liebe sitzt ihm der Schalk im Nacken. Und wenn er diverse Lobpreislieder aus seiner Jungschar- und Posaunenchorzeit zum Besten gibt, hat er die Hälfte des Publikums als Chorbegleitung mit im Boot. Im aktuellen Zeitgeschehen angekommen, tut sich Faber schwer, kriegstüchtig zu sein. Angst ist für ihn ein schlechter Begleiter. „Pack die Angst, dann kommt der Mut“, plädiert er ganz ohne Gefühlsduselei für mehr Achtsamkeit untereinander.

Über zwei Stunden lang liefert Dietrich Faber eine Achterbahnfahrt der Gefühle und des großen Mitgefühls, denn das ist es, was eine aus den Fugen geratene Welt heute mehr denn je braucht.

(Fotos: JMS + Helmut Blecher)

 

 

Helmut Blecher