Pedantisch aber liebenswert

Pedantisch aber liebenswert

Zum zweiten Mal nach 2005 hat der Komiker und Schauspieler Helmut Hoffmann alias Hans-Hermann Thielke der „KulturScheune (KuSch)“ in Herborn seine Aufwartung gemacht. Wieder im unvermeidlichen Strickpullunder auftretend, gab er am Freitagabend in seiner Rolle als pedantischer aber liebenswerter Postbeamter im Ruhestand den Prototyp des deutschen Michels ab.

In seinem neuen Programm „Egal was kommt!“ schnodderte er sich mit lauter Stimme und gelöster Stimmung durch die schwere See des deutschen Alltags. Dabei erwies sich Thielke als ein urkomischer Hallodri, der sich aus eigenem Erleben den Sorgen und Nöten seiner Mitmenschen stellte.

Thielke ist ein Meister des Minimalismus, der eher aus dem Moment seinen Witz bezieht. Manchmal wirkt er etwas arg behäbig, aber dennoch kratzt er irgendwie die Kurve. „Ich bin überall bekannt“, ließ er das Herborner Publikum wissen, das in ihm einen Kenner im Erkennen und Lösen von Problemen erkennt.

Auch in Sachen Klimaschutz ist er aktiv. Seine Brillengläser werden aus den Scherben in Altglascontainern hergestellt. Und selbst beim Tierschutz ist er woke und erträgt ohne Murren die Stilllegung seines Autos, wenn es von einem Marder besetzt wird.

Sportlich und musikalisch ist das Multitalent der Komik auch noch. Mit federleichter führt er einen Jonglage-Tanz mit zwei farbigen Tüchern vor, und bekennt, „es hätten auch locker sechs weitere Tücher sein können.“ Solche Tricks konnte er vor zehn Jahren noch nicht.

Wenn Thielke zurückblickt, kommt er an Corona nicht vorbei. „Man durfte nur noch maskiert eine Bank betreten“, und die Arbeit im Home-Office habe die Intelligenz der Menschen nicht gefördert: „Man ist halt nur noch gemäßigt intelligent“, ließ er sich vernehmen. In seinem musikalischen Teil ging er mit Gitarrenbegleitung den Klassiker „Der Mond ist aufgegangen“ an, um zu erklären, was es mit dem Weltall und der Welt so auf sich hat.

Die Erkenntnisse des Komikers mögen zwar komisch sein, sind aber nicht unlogisch. In Sachen Selbstoptimierung gibt es bei ihm kein Halten, man muss nur seinen Gehirnkasten richtig sortieren. Gut beieinander war Thielke sodann bei seiner Showtanz-Einlage. Die Hände in die Höhe gereckt, drehte er, in einem Bürostuhl sitzend, mit kindischer Freude etliche Runden über die die Bühne

Man muss ihn einfach mögen, wenn er sich mit geradezu kindlichem Eifer den drängenden Problemen des menschlichen Daseins widmet. Auf alle Fragen des Publikums an ihn, wusste er (s)eine Antwort. Auf die Frage, ob das Konterfei von Trump eine Briefmarke ziere, antwortete er: „Wahrscheinlich. Nur dürfte sie so groß sein, dass man die Marke rund um den Brief kleben muss.“ Stutzig wurde er nur bei der Frage, ob für eine 19-jährige Frau die Verwendung eine Hautcreme, die 20 Jahre jünger macht, tödlich endet.
(Text + Fotos: Helmut Blecher; weitere Fotos: Gert Fabritius)