Die wundersame Welt der Boomer

Die wundersame Welt der Boomer

Der Mainzer Sänger, Kabarettist und Entertainer Lars Reichow gehört zur Spezies der Menschen, die zwischen 1950 und 1970 geboren sind, den „Boomern“, die ein Leben in Saus und Braus geführt haben.

Reichow widmet sich in seinem neuen Programm, das er am Donnerstagabend in der Herborner „KultuScheune“ (“KuSch“) vorstellte, der Generation „Boomerland“. Dabei schenkte er augenzwinkernd und mit schrägem Humor sich und seinen Zeitgenossen, die doch bislang so ganz aus den Vollen schöpfen konnten, kräftig ein.

Mit knackigen Melodien, die er mit den Pianotasten zaubert, ist der Entertainer dem gesellschaftlichen Wandel auf der Spur, lässt Wohlstand auf Dekadenz, Ungeduld, Starrsinn auf Unsterblichkeit treffen. In seinen Geschichten wird er persönlich und räsoniert über die Esskultur, die er nicht gerne teilt. „Ich gehe lieber zum Essen in den Wald. Da habe ich meine Ruhe“, sagt Reichow, der im Umgang mit der digitalen Technik oft wenig Ruhe und Gelassenheit findet.
Neidlos erkennt er die prägende Rolle der Frau in Ehe und Gesellschaft an: „Meine Frau ist schlau, sie gibt mir das Gefühl, irgendwie gebraucht zu werden.“

Lustvoll fertigt er seine WhatsApp-Gruppe ab, die sich als Spielwiese für Spinner und Besserwisser erweist. „Wenn es einem zu viel wird, kann man ja die Stummschalttaste benutzen“, so der Mainzer, der vor den Missständen in der Welt nicht die Augen verschließt. Heftig schwingt er die Moralkeule, nennt Ross und Reiter und wendet sich mit klaren Worten gegen Nationalismus und Rassismus. Da bekommt nicht nur Trump, sondern auch ein Markus Söder sein Fett weg.

Ins Visier von Reichow gerät auch Dillenburg, das zum Ort für Running Gags und so zum Anlass des Gelächters im Publikum wird. Ansonsten gibt sich der Spötter mit buntem Wortwitz der Odyssee einer Bahnfahrt nach Schweden hin und bekennt, man müsse optimistisch sein, auch wenn ihn die Sorge um den Zustand unserer Erde bewegt – zumal so viele seiner Generation wenig von der Transformation halten.

Lars Reichow, die Rente im Blick, versteht es, trotz allem auch zu feiern. Und wenn er über das Gefühl von Harmonie und den Wunsch, ewig jung sein zu wollen, singt, bleibt ihm die Erkenntnis, dass die Symphonie des Lebens noch für manche schrille Töne gut ist.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher