Ohne Sense, aber mit viel Humor

Ohne Sense, aber mit viel Humor

Vor seinem Auftritt in der Herborner Kulturscheune (Kusch) mischte sich „Der Tod“ unverhüllt und unerkannt unters Publikum, um dann später auf der Bühne verhüllt Werbung für seinen Job zu machen. Und das ausgerechnet am Valentinstag. Mit einem herrlich finsteren „Gevatter Unser“ („Unser täglich Tod gib uns heute“) startete „Der Tod“ mit kieksender, fast engelsgleicher Stimme seine nekromantische Death-Comedy-Show, bei der man sich „totlachen“ konnte.

„Ich bringe alle in die Kiste“, ließ sich der letale Womanizer aus, der weiß, dass manche seiner Kunden freiwillig in die Hölle gehen, weil sie der neue Verschluss von Plastikflaschen in den Wahnsinn treibt. Über Elon Musk, der das ewige Lebe anpreist, und über „Satan Donald“ als großer Schnitter der Demokratie, ließ sich „Der Tod“ gleichermaßen aus, wie über Bundeskanzler Olaf Scholz, der als Nosferatu der Politik durchgehe.

Und je düsterer die Zeiten sind, umso mehr treibe es das Volk in den Wahnsinn, getreu dem Motto: „Ist die Energie zu teuer, wärm dich doch am Fegefeuer“. Für die anstehende Wahl hielt er noch den universellen Tipp bereit: „Mach dein Kreuz, bevor ich deins mach“. Für die Fußball-Nationalmannschaft empfahl sich „Der Tod“ als Vollstrecker. Und wenn er dann mit seinem alles verhüllenden Outfit zur WM nach Saudi-Arabien reise, werde er sofort verheiratet.

Mit Videoeinspielungen, die den „Tod“ bei Hausbesuchen oder mit der Sense als Wischmopp unterwegs zeigten, ließ der Schnitter nichts aus, um Werbung für seine Tätigkeit zu machen, die ihm viel Spaß bereitet. „Es wird viel Wesen ums Verwesen gemacht“, betonte er.

Der Einfallsreichtum von Meister Tod kennt keine Grenzen. So empfahl er unter anderem Tempo 30 für Krankenwagen und Feuerwehrautos. In einer kuriosen wie auch makabren Presseschau vermittelte er dem Publikum in Herborn, was die Konkurrenz so macht: „Ab 16 Uhr Kinder Schlachten“, „Großbrand im Krematorium, die Feuerwehr rettet 20 Tote“ oder „Kinder schmecken intensiver“. Für „Gevatter Tod“ gebe es stets viel zu tun.

In seinem kleinen Totellini habe er eine gute Unterstützung. „Sterben kann auch kindlich und niedlich sein“, wusste der Schnitter, der für Totellini einen Kita-Platz ergattert hatte, ohne dass das neue Kindermädchen nicht gleich in die Spielzeug-Sense “reinläuft“. So hatte es ihm auch das Kinderfernsehen angetan – aus der Sesamstraße wurde die Sehsargstraße.

„Der Tod“ sang, las und improvisierte mit der Lust am Morbiden. Dabei kam ihm auch Herborn nicht von der Schippe. Der Bärenstadt widmete er eine lustige Geschichte übers Sterben: „Treffen sich zwei Herborner, beide tot.“

In einem Sterbequiz ging es um die Frage, was ein sicheres Todeszeichen ist. Leichenstarre oder eine DJ Cordhose? Und er zeigte aus seinem legendären Fotoalbum, wie eng das Leben und der Tod beieinander liegen, wenn Straßen die Namen „Sensenpfad“ oder „Jenseitsstraße“ tragen.

Moderfrisch widmete sich der Tod ganz nah den Menschen, den aktuellen Problemen im Jen- und im Diesseits. Das Publikum in der Kusch ging mit der Gewissheit nach Hause, dass Sterben wirklich niedlich sein kann.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher