Einschmeichelnde Melodien in lauer Sommernacht

Einschmeichelnde Melodien in lauer Sommernacht

Es war eine lauschige, eine richtige Sommernacht am Donnerstagabend an der „KulturScheune“ in Herborn. Und sie brachte „Bella Italia“ in Form von Opernarien und Canzonen auf die „KulturzAUber“-Bühne.  Ein Sextett der Frankfurter Sinfoniker unter Leitung der 1. Violinisten Anja Geyer (Staatstheater Wiesbaden) schmeichelte mit eingängigen Melodien der romantisch gestimmten Seele des Publikums und feierte mit Klassikern der italienischen Oper und des italienischen Canzone, dem italienischen Gegenstück zum französischen Chanson, die Leichtigkeit des Lebens.

Die Solisten des Abends, Tenor Agustín Eduardo Sánchez Arellano (Staatstheater Mainz) und Sopranistin Maryna Zubko (Theater Ulm), taten ihr Übriges, um mit vokaler Virtuosität die Sehnsucht nach erfüllter Liebe zu beflügeln.

Mit der Ouvertüre aus Giuseppe Verdis beliebtester Oper „La Traviata“ wurde der Reigen aus Ohrwürmern, melancholischen Herzschmerz-Arien und stimmungsvollen Tanz- und Trinkliedern eröffnet. Witolf Werner, Dirigent der Wiener Staatsoper und Moderator des Abends, gab im lockeren Plauderton Erläuterungen zu den jeweiligen Komponisten und den Inhalten der Werke ab, die zum Genießen und auch zum Mitsingen prädestiniert waren.

Eingerahmt von zwei Violinen, Bratsche, Violoncello, Kontrabass und Klavier, wechselten sich der für lyrische Belcanto-Rollen bestens geeignete Sanchez und die sich für dramatische Rollen im italienischen Fach empfehlende Zubko in ihren Auftritten ab. Dabei gaben sie Arien aus Leoncavallos „I Pagaliacci“ („Der Bajazzo“), Verdis „Rigoletto“ und Puccinis „Gianni Schicchi“ zum Besten.

Die Mischung aus Drama, Leidenschaft und dem alles verzehrenden gegenseitigen Begehren nach Liebeserfüllung war ganz nach dem Geschmack der Zuhörer. Abgerundet wurde der erste Konzertteil mit dem Duett „Tornami a dir“ aus Donizettis „Don Pasquale“: „Wie lieblich ist die Nacht Mitte April … Sage mir noch einmal, dass Du mich liebst.“

Nach der Pause standen populäre Evergreens des italienischen Liedguts auf dem Programm, das mit Canzonen des deutschen Operetten- und Schlagerkomponisten Gerhard Winkler startete. Das von Sanchez stimmungsvoll gesungene „Chianti-Lied“ („Ja, ja, der Chiantiwein“) animierte zum Mitklatschen. Dann forderte Zubko im „Casanova-Lied“ ihren Galan auf: „Komm‘, Casanova, komm‘, Casanova, küss‘ mich!“

Dauerbrenner italienischer Liedkunst wie die Sehnsuchtsstücke „Core ’ngrato“ und „Ideale“ und die im Duett vorgetragenen „Non ti scordar di me“ und „Funiculi funicula“ versetzten das Publikum zum Abschluss endgültig in südländische Wallung, das mit lauten Bravo-Rufen noch einige Zugaben forderte. Die Sinfoniker und die Solisten taten ihnen den Gefallen: Mit „O sole mio“ und „Time To Say Goodbye“ endete die italienische Nacht, die unter dem Titel „Klassik unterm Sternenzelt“ gestanden hatte.

 

 

Gert Fabritius

Helmut Blecher