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Die Bühnenadaption von Joseph Conrads "Der Geheimagent" nahm nach etwas verhaltenem Start ordentlich Fahrt auf und geriet zu einem spannenden, mit viel Thrill und Suspense gespickten Theaterabend.

„Ich lebe für den Tod“, sagt der Professor, mit Verve gespielt von Miriam Peuser, die sich als Einzelkämpferin im Kreis der Anarchisten outet. Bombig war im wahrsten Sinn des Wortes die Inszenierung von Joseph Conrads Roman „Der Geheimagent“ durch das „Junge Ensemble 16plus“ der Herborner Heimatspiele.

Die Geschichte eines Bombenattentats auf das Observatorium in Greenwich, bei dem sich eine junge Frau versehentlich in die Luft sprengt, ist ein Drama über Kriminalität und Verzweiflung, das die Heimatspieler aus dem London um 1900 kurzerhand in die Jetztzeit verlegt haben, in der Europaskepsis, der Brexit und terroristische Verschwörungen die Politik dominieren.

Haben wir gelernt? Uns weiterentwickelt? Viel scheint sich nicht geändert zu haben, angesichts einer Welt, in der die Freiheit des Individuums in einer zunehmend zerfallenden, kannibalistischen Welt aufgefressen wird. Um die Welt der Agenten und ihrer nebulösen Machenschaften, Korruption, Angst und Terror sowie eine tragische Familiengeschichte dreht sich die Handlung, die von den Akteuren des „Jungen Ensembles 16plus“ im Interieur

eines Gemischtwarenladens für Marx und Pornos, in einer konspirativen Kneipe und im Salon der elitären Lady Mable aufgefächert wird. Hier finden die Treffs einer Gruppe von Anarchisten statt, die angeführt wird von der in gruftigem Schwarz auftretenden Violett, gespielt von Nina Messerschmidt.

Alec Verloc, „der Geheimagent“, der seine Aktivitäten vor seiner Frau Winnie verheimlicht, agiert als „agent provocateur“ für eine ausländische Botschaft, die ihn mit der Mission betraut, einen Sprengstoffanschlag auf die Sternwarte von Greenwich zu verüben. So soll die Polizei, für die Verloc als Spitzel arbeitet, zu einer härteren Gangart gegenüber den Anarchisten bewegt werden. Dabei begeht er einen folgenschweren Fehler als er die Deponierung der Bombe seiner infantilen Schwägerin Silvie überlässt, die versehentlich stolpert, damit die Explosion auslöst und selbst in tausend Stücke gerissen wird.

Durch einen Mantelfetzen mit Verlocs Adresse kommt die Polizei schnell auf dessen Spur. Die unterschiedlichen Interessen von Polizei, Geheimdiensten, Diplomaten und Politikern prallen in „Der Geheimagent“ unerbittlich aufeinander, werden die handelnden Personen zwischen Weltrettungsfantasien, Egoismus und narzistischer Geltungssucht zerrieben. Wie in fremde Zimmer schaut man in die Köpfe der Terroristen, der politischen und weltfremden Oberschicht und der ermittelnden Polizisten.

Die Polarität von Gut und Böse, von Schwarz und Weiß, die Joseph Conrads scharfsinniges Werk auszeichnet, wird auf der KuSch-Bühne mit Verve und düster-mysteriösem Flair ausgebreitet. Für das Publikum bedeutet das zunächst, sich in der sehr dialoglastigen Handlung zurechtzufinden. Und auch die Schauspielerinnen und Schauspielern benötigen eine Warmlaufphase, um zu ihrem Spiel zu finden.

Christopher Großmann als Verlocc zeichnet von Beginn an seine Bühnenfigur als einen von Wut und Verzweiflung getriebenen Menschen, neben dem Livia Warch in ihrer Rolle als naive und unwissende Ehefrau am Ende zu tragischer Größe reift. Souverän – wie immer – spielt Eva-Marie Krüger die Society Lady Mable. Von wildem Furor beseelt ist Sofie Hirth als Professor, von Subtilität und Subversion durchdrungen sind die Ermittler Miriam Peuser als Inspektorin Heat und Daniel Feldmann als ihr Chef Harold Watson. Die unterschiedlichen Charaktere der Anarchistinnen werden von Nina Messerschmidt, Rabea Wagner und Janina Katzer ebenso gut dargestellt wie Jana Pittner die der Rolle der geistig zurückgebliebenen Silvie umsetzt.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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