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„Kabarett am Rande des Nervenzusammenbruchs“ präsentierte Götz Frittrang in der KuSch – und das war wörtlich zu nehmen. Denn in unserer Welt muss man sich als Bühnenschaffender einfach aufregen.

Frittrang tut das überaus wortgewaltig. Zweimal 60 Minuten redet der studierte Germanist, ohne Pause, nur mit dem Handmikro bewaffnet. Schnörkellos, wuchtig und doch von feinem Schliff. Seine Texte sind eine wortgewaltige Legierung aus bitterbösem Witz und liebenswerter Komik.

Der Bamberger schärft, schleift, spitzt zu und mit jeder kunstvoll ausgeführten Pointe, springt der Funke auf das Publikum über. Das grinst, lacht und gerät mehr und mehr unter Dampf, während Frittrang das Feuer mit seinen Geschichten weiter schürt. Und diese führen uns an den Rand menschlicher Abgründe und beinhalten eine geballte Ladung groben Unfugs.

Vom Seitenbacher-Müsli („Das kann sich doch kein Schwabe leisten“) bis hin zur Kindheit des 41-Jährigen. Es prägt eben, wenn die Verkäuferin den kleinen Götz vor einem Bonbondiebstahl warnt, denn dann drohen „Erziehungsheim und Selbstmord der Eltern durch Ersaufen in der Badewanne.“

Götz Frittrang hat ein Gespür für Phänomene, die eigentlich jeder kennt, über die aber trotzdem die wenigsten nachgedacht haben. Zum Beispiel für das "Junge-Mann-Ding". Die Tatsache nämlich, dass ganz anders als früher heute nahezu jeder Mann bis in die Fünfziger hinein als "junger Mann" behandelt wird, bis er dann schlagartig zu den "alten Männern" rutscht.

Der 41-jährige Anzug-Träger mag das gar nicht, er hätte gerne „eine längere Zeit als ‚Mann‘“. Was ihn gleich zu witzigen Ausritten gegen peinliche, nicht altern wollende Altersgenossen führt, etwa zu seinem besten Freund. "Der ist ein richtiges Arschloch und fährt mit dem Skateboard zum Computer spielen." Wo doch er Computerspielen so gar nichts abgewinnen kann, mit Ausnahme eines einmal im Jahr zwanghaft gespielten: Elster online.

Gut abgeschaut, geistreich, wohlformuliert und dramaturgisch fein zusammengebaut ist alles, was Götz Frittrang in weiten Bögen ausbreitet, und das Publikum kann dennoch am Ende zufrieden sagen: „Stimmt!“

(Fotos: Uli Goßmann)

 

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

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Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

 

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