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Nicht alle Akteure der Kleinkunst, die bislang im Rahmen der Deutschen Kabarettmeisterschaft in der Kulturscheune auftraten, sind preiswürdig. Das war beim fünften Durchgang dieser Spielzeit anders.

Bei dem bayerischen Blues- und Boogie-Tasten-Zampano Martin Schmitt, der mit einer Mischung aus eigenen Mundartsongs und kuriosen Geschichten, die das Leben so schreibt, für hohen Entertainmentfaktor sorgt, waren solche Überlegungen obsolet. Auch der zweite Act, das Duo Blömer // Tillack, das auf der KuSch-Bühne für komische Momente in Sachen Clownerie, Akrobatik, Wortwitz und Pantomime sorgte, konnte man ganz gut ab.

Martin Schmitt, der einstmals das Dillenburger Jazz Weekend mit zwei Auftritten beehrte, widmet sein Talent nun dem Musik-Kabarett, dem er mit swingenden Piano-Groove und köstlichem, absolut alltagstauglichem Witz die Sporen gibt. „Ach sie sind der Martin Schmitt. haben sie jetzt mit dem Skispringen aufgehört?“, erklärt der Liedermacher, Sänger und Reimakrobat, Er macht von Anfang klar, dass seine Höhenflüge keine Absprungschanze benötigen, schließlich hebt er mit „Schmittische Airways“ ab.

 Wie man es sich mit frechen Sprüchen mit der Polizei verdirbt, wie schön es wäre, wenn man rückwärts leben könnte, und es sich am Ende wieder im Mutterleib gemütlich macht, darüber weiß der vielfach preisgekrönte Schmitt ebenso zu singen und zu parlieren, wie über die Tastsache, dass man ständig aufpassen muss, um nicht permanent lauernde Fallstricke zu geraten.

Martin Schmitt hat’s einfach drauf, um mit der „Heimatserenade“ von Wolfgang Ambros (nach der Musik von Tom Waits) für Schmusemomente zu sorgen, um anschließend mit „Ich leg mir ein Tatoo zu“, der Midlife Crisis den Boogie-Woogie-Marsch zu blasen. Und mit seiner sächsischen Version von Tom Jones‘ „Sexbomb“ lässt er schließlich jeden Gigolo alt aussehen und das Publikum strahlen.

Anschließend war das Duo Blömer // Tillack aus Köln mit Kabarett mit vollem Körpereinsatz und Musik an der Reihe. Unter dem Motto. „Auf die Plätze. Gedanken. Los!“, entwerfen sie absurde Situationen und komische Momente, die sich dem Publikum nicht immer auf Anhieb erschließen. So gerät der SMS-Diskurs zwischen Donald Trump und Kim Yong Un zu einem Paradebeispiel zusammenhangloser Kommunikation, die keinen Sinn ergeben. Und das sind Bernd Blömer und Dirk Tillack ganz nah dran an der Realität: Selbstdarstellung statt Realität lautet heute das Motto bei der Fixierung auf elektronische Bilder.

Blömer // Tillack sind exzellente Selbstdarsteller, wenn es um komische Kunst geht. Ihre Clownerien, ihre olympischen Pantomimen, mit denen Dirk Tillack zu den Worten von Bernd Blömer den ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in die Zange nehmen, machen Lauen, ebenso wie ihre im Zeitlupentempo dargebrachten sportlichen Leibesübungen.

Die Welt ist am Arsch, bekennt das Duo, angesichts ihrer Vermüllung durch Plastik. Und so gibt Blömer dem Holzhasen, dem allerdings am Ende die Batterien ausgehen. Lustvoll spielt man mit dem Gesagten und dem Nichtgesagten, ohne sich als allwissende Moralapostel aufzuspielen. „Ich hab mich entschlossen nichts zu sagen, bis auf einen wundervollen Satz der raus muss“, verkündet Bernd Blömer. Nun ja, vieles war dran, an den durchdachten Gedanken der beiden Künstler, die noch Steigerungspotential besitzen.

Am Ende mussten sie sich in direkten Wettstreit mit Martin Schmitt geschlagen geben. Der musizierende Entertainer mit bayrischem Zungenschlag ging mit großem Abstand als Gewinner des Abends durchs Ziel.
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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