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Und mit viel Sonne im Herzen, unbändiger Musikalität und wahnsinnig viel Witz begaben sie sich am Freitagabend im ausverkauften Musentempel in der Au auf eine Tour de Force durch den Wahnsinn des Alltags.

Mit einer Vielzahl an diversen großen und kleinen Saiteninstrumenten und Schlagwerk wie dem afrikanischen Udu, trieben sie ihre rockenden, rollenden und groovenden Lieder an, die von herrlichem Witz und feiner Ironie durchdrungen waren.

Nachdem das Duo etwas nicht ganz ernst gemeintes Süßholz über die „Metropole“ Herborn geraspelt hatte – weil’s der guten Stimmung zusätzlich Auftrieb verlieh – brachten sie als Loverboys „Jean-Jaques und Jerome“ mit ihrer Telefonhotline zuerst die Frau von Format auf Touren, um letztlich ihren Service für Männer mit Stil anzubieten.

Und Stil und Klasse zeigten „Die Feisten“ bei ihren musikalischen Vexierspielen im Überfluss. Ob a cappella oder begleitet von Gitarre, Mandoline, Timple (einem Saiteninstrument der Kanaren), Sitar, Bassbox und diversen Perkussion-Instrumenten, die beiden schlagfertigen Entertainer und Liedermacher, die im Jahr 2017 für ihr Wirken den Deutschen Kleinkunstpreis in der Kategorie Chanson/Lied/Musik erhielten, präsentierten sich mit ihrem Bühnenprogramm „Adam & Eva“ in paradiesischer Spiellaune.

Die Skurrilität des Lebens, insbesondere die Freuden und Qualen der Liebe hatten die beiden Liedermacher und munteren Dampfplauderer im Visier. Mit viel Sympathie für die Schwächen und Ticks der Menschen, denen sie ihren ganz eigenen Soundtrack verpassten, verschafften sie dem Publikum Momente entspannter Euphorie.

Wenn Mathias Zeh mit rauchig feuriger Stimme verkündete, wie mühsam es war, sich den einst in der Werbung gefeierten „Duft der großen weitem Welt“ („Als ich begann zu rauchen“) abzugewöhnen, war man ebenso ganz bei ihnen, wie bei ihrem Lied „Mann ohne Gedächtnis“: „Mein Gedächtnis ist weg, ich kann mich nicht erinnern. Es ist ein großer Fleck, ohne was im Inneren.“

Doch keine Sorge, „Die Feisten“ wussten stets, was sie taten. Ihr subtiler Wortwitz und ihre mit Leichtigkeit ins Ohr gehenden Kompositionen, wie ihr Klassiker „Nussschüsselblues“ saßen. Gleiches galt für ihre Auseinandersetzung mit Namen wie Horst, Jena- Jacques oder Ranjid, der als Frucht seiner im indischer Goa nach Erleuchtung suchenden Eltern dem Gespött seiner Mitschüler ausgesetzt ist: „Ich heiße Ranjid Sindata und mein Vater Schulz.“

Mit lustvollem Groove und treibenden Beats begaben sich die zwei furios aufspielenden Musik-Komödianten ins Spanien des späten 16. Jahrhunderts, um beim Balzen um die Liebste selbst historische Aspekte nicht außen vor zu lassen. Mit Parodie und bisweilen bösem Spott feierten sie das irdische Leben von Adam und Eva als paradiesische Erfolgsstory und die Liebe als ein Medikament mit Nebenwirkung. Im Reggae-Rhythmus berichteten sie von der Qual, die es bedeutet von einem Mietnomaden heimgesucht zu werden, oder der Lust, sich dem aphrodisierenden Genuss von Knoblauch hinzugeben.

„Ihr müsst einfach nur so sein, wie ihr gar nicht seid“, gaben „Die Feisten“ ihren Zuhöreren als Erfolgsrezept im Umgang zwischen Mann und Frau mit. Den Männern empfahlen sie: „Ihr müsst die Frauen auf Händen tragen, auch wenn sie viel zu schwer sind“, während sie mit verschmitztem Sarkasmus den Frauen rieten, den eitlen Machos mitzuteilen, dass sie gerne ihre Putzfrauen seien.

Mit nachhaltigem Humor und vollem Körpereinsatz gaben sie ihren unglaublichen, wunderbar unmoralischen Geschichten mit exzellenten Saitensprüngen und vokaler Inbrunst ordentlich die Sporen. „Die Feisten“ boten ein Programm, bei dem die Sonne aufging und Herz und Hirn der Zuschauer erstrahlen ließ.

(Fotos: Gert Fabritius, Sabine Rühl)

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

 

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