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Sechs Dichter im Wettstreit um die Gunst des Publikums. Und am Ende setzt sich mit Jann Wattjes aus Paderborn ein gebürtiger Ostfriese zurecht die Siegerkrone auf. Der 15. Herborner Poetryslam hatte viel zu bieten.

Ein gendergerechtes Teilnehmerfeld (je drei Frauen und drei Männer), eine Lokalmatadorin (Livia Warch), die am Ende Zweite wurde sowie Poeten, die es mit der deutschen Sprache durchweg gut meinten.

Moderator Tristan Kunkel (Siegen) holte als Einheizer, in der Slamsprache „Opferlamm“ genannt, den Mitinitiator des Herborner Wettstreits, Sascha Kirchhoff, auf die Bühne. Und der schaffte es, mit seinem Text für seinen Freund „Ben“ das Thema Depression sogar von der heiteren Seite zu betrachten.

Erste Wettbewerberin war „Coremy“ aus Trier. Von Hause aus eigentlich Liedermacherin destilliert sie für die Bühne ihre Texte. Der „Beine-Breit-Blues“, eine Ode an ihren Gynäkologen, ließ dabei erahnen, dass die Siegerin des Trierer U20-Slams schon bald die Kleinkunstbühnen der Republik bereichern wird. Für den Sieg in Herborn reichte es mit 36,5 Punkten der siebenköpfigen Publikumsjury freilich ebenso wenig wie für Jan Schmidt (Bochum), der für seine Auseinandersetzung mit dem Thema „Mündigkeit“ („Reflektion kann stressig sein“) nur 35,6 Zähler erhielt. Knapper am Finale der TOP3 vorbei schrammte Julia Szymik (Marburg), die für ihre humorvolle Wertschätzung der Errungenschaften des Feminismus immerhin 43,2 Punkte bekam.

Ins Finale zogen letztlich drei Poeten ein, die sich mit völlig unterschiedlichen Themen befassten. Livia Warch (Wetzlar) setzte sich mit der Irrationalität des Angstgefühls auseinander. Aber irgendwann lebt man mit „Agathe“ (so ihr Name für die Angst) eben in einer WG und arrangiert sich (45,2).

Auf den Spuren Friedhelm Kändlers wandelte der Frankfurter Alex Gundlach, alias „Gax“ (44,8) und ließ in seinem Vortrag nacheinander fünf Konsonanten verschwinden. Dennoch versteht das Gehirn diesen Text, wie auch das, was Jann Wattjes so erzählte. Der in Paderborn lebende Exil-Ostfriese hatte die Veganer im Blick und wusste: „Kebap wird aus Kinderkühen gemacht.“ Letztlich zog er mit 48 Zählern ins Finale ein.

Bevor der Dreikampf um den durch das Publikum mit allerlei Nützlichem und Unnützen gefüllten Sieger-Stoffbeutel begann, wartete mit Marten de Wall noch ein besonderer Sidekick auf die Besucher. Die optische Mischung zwischen Ed Sheeran und Jan-Philipp Zymny sammelt Lkw’s, spielt Dudelsack und hat als Hobby „Fermentieren“. Noch Fragen?

Das Finale wurde dann per „Applausometer“ des Publikums entschieden. Livia Warch beschrieb in „Kronkorken“ die Geschichte einer Ehe mit tragischem Ausgang. „Gax“ versuchte verzweifelt eine Terrororganisation zu gründen und Jann Wattjes fand heraus, dass Lügen ein Umstand der Bequemlichkeit sind, uns aber erst dahin gebracht haben, wo wir heute sind.

Dem konnte das Publikum folgen und kürte ihn nicht nur verdientermaßen zum Sieger, sondern – wie es Moderator Tristan Kunkel meinte – damit auch „zum neuen Bürgermeister von Herborn.

(Fotos: Gert Fabritius)

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

jms2016

Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

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