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Varieté in der KuSch – das ist etwas ganz Besonderes. Und zwar bereits seit 2008 und somit auch bei der nunmehr elften Ausgabe einer Show, deren Künstler in dieser Kombination nur in Herborn zu sehen sind.

Rund 600 Besucher erlebten erstmals drei Ausgaben in der Au, die vor allem eines auf die Bühne brachten: Typen. Mal herrlich-schräge wie den Berliner Altmeister Otto Kuhnle. Mal bezaubernde wie die Berliner Seilartistin Romy Seibt. Oder dynamische wie den Jo-Jo zelebrierenden japanischen Irrwisch Naoto. Lautstarke wie Zauberer und Schattenmann Julian Button. Und geheimnisvolle wie den Bälle und Seifenblasen jonglierenden Le Comte Vivaldis. Und dann war da noch Moderator Brian O’Gott.

Der bekennende Kasselaner mit Vorlieben für Musik und Technik nahm das Publikum mit in eine Welt voller Wortspiele (herrlich seine Märchengeschichte unter Nutzung verschiedenster deutscher Städtenamen), ungewöhnlicher Ideen (wie etwa bei einem live vertonten Cartoon) und Meisterwerken deutscher Ingenieurskunst. Oder hätte man gedacht, dass es problemlos möglich ist, eine Live-Schaltung in die Hessenschau unter Ausschaltung sämtlicher Gesetze der Schwerkraft hinzubekommen? Für Brian O’Gott kein Problem, als er überkopf in einer Art Rhönrad hängend visuell bewies, dass Flüssigkeit niemals aus einem Becher auslaufen kann. Die Zuschauer in der KuSch waren verblüffte Zeugen.

Doch nicht nur hier rieb sich mancher verwundert die Augen. Als Julian Button nach einem ungewöhnlichen Kartentrick im ersten Durchgang nach der Pause mit Hilfe eines Zuschauers sein Schattenspiel zelebrierte, war dies faszinierend und hoch unterhaltsam zugleich – auch weil er dabei eine Geschichte erzählte, die sich eigentlich nur im Kopf des Zuschauers abspielte.

Stephan Masur, alias Le Comte, war ebenfalls zweimal zu erleben. Als französischer Adeliger jonglierte er sich durch Durchgang eins, nach der Pause waren dann erstmals in der Kulturscheune Seifenblasen zu erleben. Und dabei bewies Masur in seinem stimmungsvollen Set, dass es auch viereckige Exemplare gibt. Viele verzauberte Augenpaare waren das Resultat dieser Nummer.

Das galt in anderer Art und Weise auch für Romy Seibt. Die preisgekrönte Berlinerin zeigte am Seil hängend, was es bedeutet, dieses Gerät perfekt zu beherrschen und verschmolz dabei Anmut und Kraft zu einer besonderen Symbiose. Bei ihrem zweiten Auftritt mit dem von ihr selbst entwickelten „Juggling rope“ waren Elemente aus Tanz, Jonglage und Kampfkunst vereint und es ergab sich eine faszinierende Mischung, die es so auf deutschen Bühnen ebenfalls nicht gibt.

Das sicherlich gilt auch für das Unikat Otto Kuhnle. „Man kann Scheiße aussehen, Kacke reden, man muss nur gut angezogen sein.“ Das ganz in weiß gewandete Original, das selbstbewusst „Quatsch deluxe“ zum Programminhalt gemacht hat, geriet zum Publikumsliebling der Herborner. Wenn er mit zwei Schlagzeugstöcken einen Besen zum Tanzen brachte, die Papageno-Arie mit Bauarbeiterhelm und Vogel auf dem Kopf schmetterte oder – „magic“ – fünf Tischtennisbälle verschwinden ließ (allesamt im Mund übrigens), dann lachte sich das Publikum schlapp und fragte sich ratlos: Wie um alles in der Welt kommt man auf solche Ideen?

Den krönenden Abschluss bot dann eine Prise Fernost, als Ausnahmekönner Naoto (am Sonntag sprang kurzfristig Antje Pode mit ihrer Koffer-Jonglage für ihn ein) seine Jo-Jos fliegen ließ. Und wie – das hatte nur noch wenig mit Kinderspielzeug zu tun, sondern mit Dynamik, mitreißender Choreografie und einfach einem würdigen Schlusspunkt hinter eine 120-minütige Show.

Fazit: „KuSch goes Varieté, Vol. 11“ war beste Unterhaltung, die Planungen für die zwölfte Auflage im Februar 2019 laufen bereits.

(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

jms2016

Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

 

 

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