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Unverhofft kommt oft! Das galt beim 14. Herborner Scheunenslam auch für den Frankfurter Jan Cönig. Kurzfristig eingesprungen, trug er beim Poetenwettstreit in der KuSch den verdienten Sieg davon.

Insgesamt sieben Dichter hatten sich, anmoderiert von Tristan Kunkel und Lula Leitloff, der Gunst des Publikums gestellt.

Darunter waren als Anheizer außer Konkurrenz auch zwei Mitglieder der Formation „Kukis“ der Herborner Heimatspieler. Josie Schneider aus Schönbach hatte sich Gedanken über „Zukunftspläne“ gemacht und fand im Fadenkreuz zwischen lesbischen Bauarbeiterinnen und schwulen Friseuren schnell heraus, dass Vorurteile immer blöd sind.

Linus Göbel (Fleisbach) regte sich danach mächtig auf. „Du hast keine Lust“ hatte er seinen Text betitelt. Sein Fazit für ein Leben zwischen Vorurteilen, unbegründeten Lästereien und der zielsicher erwischten falschen Kassenschlange: „Bleib‘ doch besser daheim!“

Erster im Wettbewerb war danach Finn Holitzka aus Offenbach am Main. Sein Text über eine verflossene, wenn auch irreale Liebe hatte erstens einen bemerkenswerten Titel („Die Angst davor, dass nie jemand ein Schiff nach dir benennen wird“) und bot auch eine der Weisheiten des Abends. „In der Lotterie der Liebe gab es für ihn nur Rubbellose!“ 41 Punkte dafür waren aber letztlich zu wenig, um ins Finale zu kommen.

Das galt auch für den Bad Berleburger Tobias Beitzel. „Leistung muss sich wieder lohnen“ – diesen Slogan bearbeitete er in seinem Gedicht aus verschiedenen Blickwinkeln, denn für Berufsgruppen wie Krankenschwestern oder Bauarbeiter klingt er wie Hohn. 42 Punkte für den engagierten Vortrag waren ebenfalls nicht genug für die Endrunde.

Die erreichte hingegen als Erster Jan Cönig. „Esst, wozu ihr Lust habt“, rief er dem Schlankheitswahn gestählten Auditorium zu und wusste zu berichten: „Wenn ich eine Hose anprobiere und ich passe nicht hinein, dann hat die Hose die falsche Größe, nicht ich!“ Oder noch logischer: „Falls ihr zunehmt – was ist denn schlecht daran, wenn Gutes mehr wird?“ Damit und mit 48 Punkten der Jury traf er den Nerv des Publikums.

Das gelang dem Neu-Bochumer Jan Schmidt nicht so ganz. Sein Ausflug in die abgedrehte Welt (s)einer Partnerschaft zwischen Bett und Dusche erheiterte zwar viele Besucher, ließ aber auch andere ratlos zurück. Das Resultat waren 39 Zähler, was ebenfalls nicht für die Endrunde reichte.

„Warum war früher alles besser?“, fragte sich Alina Pfeifer (Eibelshausen) und blickte aus der Sicht eines jungen Menschen auf das Erwachsenwerden. Mit 43 Punkten schrammte sie knapp am Finale vorbei, das danach Florian Stein, ebenfalls aus Bochum, mit einem Zähler mehr erreichte. Er referierte über Selbstbestimmung und Entschleunigung, denn „Fortschritt dank Stillstand“ war seine Devise. „Ich habe keine Lust mehr immer nur zu funktionieren“, so seine klare Ansage.

Was könnte man alles tun, wenn man frei ungebunden und altersweise ist? Damit setzte sich direkt anschließend Micha-El Goehre aus Essen auseinander. Und die humorvolle Auseinandersetzung des augenscheinlichen Metal-Liebhabers mit dieser Frage katapultierte ihn mit 45 Punkten ins Dreier-Finale.

(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

jms2016

Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

 

 

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