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Bereits zum dritten Mal machte er jetzt der Kulturscheune seine Aufwartung: Michael Altinger, diplomierter Sozialpädagoge, bayerischer Kabarettist und Linker aus Bayern - ein quasi wandelndes Paradoxon.

Was er dort in seinem neuen Programm "Hell" den Besuchern präsentierte, das hat Helmut Blecher für die Zeitungsgruppe Lahn-Dill beobachtet und in denkwürdige Worte gekleidet, die wir hier an dieser Stelle gerne zitieren möchten:

„Das Helle, das sind immer die anderen“, wusste schon Jean Paul Sartre. . . oder war es Franz Beckenbauer? Für Michael Altinger ist das Streben zum Licht mehr als nur das gekonnte Einschrauben einer Birne in die Lampenfassung. Er wird zu einer Lichtgestalt, der sich seine Schwächen und Ängsten mannhaft stellt.

„Wir sind so alt, wie wir uns nicht fühlen“, trällert er begleitet von seiner One-Man-Band, bestehend aus Martin Julius Faber (Gitarre, Keyboard) ins Mikrofon, und belegt im Verlauf des Abends, dass in ihm auch ein zweiter Caruso verloren gegangen ist.

In erster Linie wandelt der Komiker und Kabarettist auf den Pfaden des kategorischen Imperatives, der besagt, dass man seinen Verstand gebrauchen und sich nicht von anderen leiten lassen soll. Nun – für Altinger heißt das, sich unermüdlich den Herausforderungen des Lebens zu stellen und nach Anerkennung, Glückseligkeit und Erfolg zu streben.

Dabei ist der beliebte Kabarettist und Moderator des Schlachthofs doch letztlich nur ein Getriebener. Gesteuert von 16 Personen, darunter ein Helmut Lux, Erfinder der sinnlosen Bedürfnisse, schaut er ständig auf sein Handy, wartend auf den Anruf seines Versicherungsvertreters, um mit ihm den Schaden zu regulieren, den er beim Ausparken seines Autos angerichtet hat. Dass er dabei den Maserati seines Kontrahenten zusätzlich noch gesteinigt hat – weil die Versicherung zahlt es ja – entfacht eine Orgie skurriler Ereignisse, die an Dramatik und Verrücktheit nicht zu überbieten sind.

Klar, die Realität übertrifft jede Verschwörungstheorie, und ein wild gewordener Altinger wird zum höllischen Endzeit-Verteidiger. Letztlich kann da nur noch Gott helfen. Der versagt allerdings als Einparkhelfer kläglich. Altinger singt, spielt auch Gitarre und bricht eine Lanze für die Höflichkeit, mit der die Leute heute nicht mehr rechnen. Wer heute sein Kind bestrafen will, fährt mit ihm zu Rock im Park: „Da darf er sich drei Tage für mich schämen.“

Nicht alles, was Altinger an höllischer Perfidie serviert, muss man auf Anhieb verstehen. Hauptsache es ist alles die reine Wahrheit und die reine Moral. Den Rest erledigt die Vollkaskoversicherung. Einer wie er muss sich erbarmen und die Last der Welt auf sich nehmen, Altinger tut’s mit Witz, schelmischem Schabernack auf seinem Weg zu höheren Wehen und zum Licht. „Denn Jesus hat uns das Licht gebracht, aber nicht das elektrische, das haben wir selbst gemacht.“ Zusammen mit Martin Julius Faber führte Altinger im ersten Teil der Kabaretttrilogie ins Helle. Ob das der Himmel sein wird oder die lodernde Höllenglut, das wird sich im Lauf der kommenden Jahre zeigen, wenn Mitte 2019 „Halblicht“ folgt, der zweite Teil, aufgeführt in ausgewählten Opernhäusern des deutschsprachigen Raums. „Finster“, der dritte Teil, beendet dann 2022 als Dauergastspiel für zwei Jahre im Caesars Palace Las Vegas die Trilogie. Das ist der Plan."
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

 

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