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Auftakt zur KBL-Spielzeit 2016/2017: Zum Saisonstart sahen die Zuschauer eine Begegnung auf hohem Niveau, für die Musikkabarettist Olaf Bossi und Poetryslammer Nektarios Vlachopoulos verantwortlich waren.

Nach dem Startschuss in die inzwischen vierte KBL-Saison in der Kulturscheune durch Liga-Präsident Theo Vagedes ließ Olaf Bossi zum Auftakt nichts anbrennen. Der Stuttgarter, der dem Begriff des Liedermachers eine ganz eigene Deutung gibt, erinnerte in Form und Auftreten ein wenig an Reinhard Mey (wenn man überhaupt Vergleiche bemühen möchte), allerdings viel bissiger und besser.

Seine eingängigen Melodien verwundern nicht, da er im Schlagerbereich als Texter und Komponist erfolgreich ist, einen „Echo“ im Schrank stehen hat und kommerziell bereits in den Neunzigern in verschiedenen Eurodance-Projekten die Charts eroberte. Bossi überzeugte vor allem textlich mit einer unnachahmlichen Mischung aus bitterböser Satire und melancholischer Poesie. Das Leid mit den Handwerkern, die düsteren Perspektiven im Gesundheitssystem und die Billigmentalität bearbeitete er konsequent. „Fairness können wir uns nicht leisten, wenn Kaffee reiches Aroma aus einem armem Land“ ist. Und als er seine persönlichen Erfahrungen mit dem Nachwuchs in einem herrlich-komischen Schlaflied an den Schluss seines Programms stellte, da wusste das Publikum: Der Auftakt in die neue Saison war gelungen.

Zumal im Anschluss mit Nektarios Vlachopoulos ein Slam-Poet die Bühne betrat, der textlichen Tiefgang mit spitzbübischem Charme und feinem, aber auch bisweilen brachialem Humor geschickt zu verbinden wusste. Der Ex-Pädagoge, seines Zeichens ehemaliger Berufsschullehrer, hat den Sprung vom Vortragsdichter zum Kabarettist geschafft. Und dennoch waren es vor allem seine Txte, die überzeugten, etwa, wenn er sich mit dem Zwang zur Entscheidung beschäftigt, wo man vor Fehlern nicht gefeit ist. „Ich habe 2009 in griechische Staatsanleihen investiert.“ Für ihn ist klar: „Warum soll ich mich für einen Schwachsinn entscheiden, wenn wir doch an alle Religionen glauben können?“

Sinnfreie Anmachsprüche wie „Warum hast du Pflastersteine dabei?“ – „Ich will dir den Hof machen.“ und ein ebensolcher Tiergedichtzyklus („Eine Ente, die fühlte sich verloren; darum ging sie in den Park und fütterte Senioren.“) tauchten ebenso auf, wie die wohl stärkste Geschichte: ein langer „Witz“ über eine internationale Selbstmordattentätergruppe, die in der unterirdischen Bahnhofshalle des Fegefeuers darauf wartet, „weiter“ zu fahren. Mit allen Stereotypen und Vorurteile spielend, offenbarte dieser Text einmal mehr den genauen Blick von Nektarios Vlachopoulos auf die Geschehnisse dieser Welt.

Am Ende fiel die Entscheidung über den Tagessieg knapp aus: Vlachopoulus gewann das Duell mit 5,2:4,8 Punkten.

(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Jörg Michael Simmer

jms2016

Jörg Michael Simmer ist seit 2001 Vorsitzender des Vereins "Herborner Heimatspiele e.V.", dem er seit seiner Gründung 1990 angehört. Er ist für die Programmzusammenstellung in der Kulturscheune verantwortlich und seit 1984 aktiver Schauspieler.
 

 

 

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