DjangoDjango Asül 4

Auch nördlich des Weißwurstäquators schätzt man Django Asül, so auch in Herborn. Und so war es nicht verwunderlich, dass sich der Kabarettist vor ausverkauftem Haus in der Kulturscheune präsentieren konnte.

Sehr zur Freude des Publikum justierte er in seinem brandneuen Programm „Letzte Patrone“ die gesellschaftlichen Parameter in Deutschland und Europa mit spitzbübischer Chuzpe neu.

Gut geölt mit einem Glas Weizenbier ging der als Türke geborene Niederbayer aus Hengersberg auf deutsche Befindlichkeiten wie die Willkommenskultur einst und jetzt, auf das deutsche Politpersonal und seinen eigenen Umgang mit dem Deutschsein ein.

Bevor er jedoch mit festem Blick, gezielter Gestik und gut geöltem bayerischen Dialekt auf große gesellschaftliche Dinge, hochnotpolitische Entgleisungen und die kuriosen Geistes-und Gedankenblitze des Hengersberger Establishments und seiner Familie zu sprechen kam, ließ er sich über die Bedeutung Herborns in Vergangenheit Herborns und das angespannte ethnische Verhältnis zur Nachbarstadt Dillenburg aus.

Alsbald fand Django Asül zu seiner Gemeinde, in der sich die Mitgliedschaft in der Freiwilligen Feuerwehr als Fluchtpunkt vor übereifrigen Ehefrauen bewährt, während sich die Gründung einer Bürgerwehr mangels besonderer Vorkommnisse erübrigt. In Sachen Bewaffnung findet er Pfefferspray als nicht besonders abschreckend „Ich habe noch nicht einmal ein Deo-Spray.“

Das Chaos ist für Asül zum Normalzustand geworden. Der Stammtisch läuft zur Hochform auf, wenn es um die Aufnahme einer großen Zahl von Flüchtlingen geht, wird Qualität gegen Quantität ausgespielt: „Da sind auch vernünftige Burschen dabei!“

Wie man aus dem Makrokosmos rein in den Mikrokosmos findet, erklärt der Kabarettist seine Zuhörern. In Fragen der Sicherheit und effektiver Schutzmechanismen bedarf es Fingerspitzengefühl. Django Asül hat’s.

Topaktuelle Ereignisse streift er nur am Rande und geht sattdessen auf seine eigene Geschichte ein, die ihn als Kind schon über die Balkanroute führte – allerdings in die umgekehrte Richtung. Damals war der Autoput noch eine Straße der Begegnung: „Eine Art Jakobsweg“.

Gerne schweift Asül ins Familienleben ab, wo Vater, Onkel und Nichte die Welt vom Kopf auf die Füße stellen. Und sein Bekenntnis, dass der Türke ein feiner Mensch ist, nimmt man wohlwollend zur Kenntnis: „Ich weiß wovon ich rede, ich war früher selber mal einer.“

So lobt er die Geschäftsidee seines Onkels, der in der Türkei einen Weißwurst-Imbiss eröffnen möchte. Auf die Frage, dass so etwas in einem muslimischen Land schwierig sei, antwortet sein Onkel. „Dann sollen sie halt den Senf weglassen.“

Statt Kabarettist wäre er gerne Gitarrenreicher von Rockmusikern, insbesondere von Mark Knopfler, der für ihn die Hymne seiner Kindheit geschrieben hat: „Money Ford Not hing“. Nun Asül weiß, dass es nichts für nichts gibt. Fürs Eintrittsgeld liefert er jede Menge Lacher, spart nicht mit köstlichem Witz und Esprit.

Mit schalkhafter Mimik erklärt er uns - anhand des Personals der griechischen Mythologie – den aus dem Ruder laufenden europäischen Gedanken, der nur noch schizophren erscheint, wie die Funktion der Ökonomen, „die anderen Leuten bei der Arbeit zuschauen, um darüber ein Buch zu schreiben“. Und auch bei seinem Blick in die nahe Zukunft sorgt er für lustvolles Schaudern: „Um ein E-Auto aufzutanken, kann schon mal der ganze Urlaub draufgehen.“

Django Asül bot zwei Stunden lang beste Unterhaltung, ohne erhobenen Zeigefinger und moralinsaure Sauertöpfigkeit

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

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