RosenSchau nicht unters Rosenbeet 56

Mit roten Rosen sind die Tische in der Kulturscheune geschmückt. Doch wer glaubt, sie wären Zierde für eine romantische Komödie, wird in der aktuellen Youngsters-Produktion schnell eines Besseren belehrt.

Im Comedy Thriller „Schau nicht unters Rosenbeet“ des britischen Erfolgsautors Norman Robbins, ist das Geschehen in Blutrot getaucht. Wer sich bei Agatha Christies „Zehn kleine Negerlein“ gruselt, über „Arsen und Spitzenhäubchen“ schmunzelt und über die „Addams Family“ lacht, kommt auch bei der Familie Henk auf seine Kosten, die auch jede Menge Leichen auf ihrem Anwesen verbuddelt und versenkt hat.

Die Youngsters-Schauspielerriege der KulturScheune Herborn jedenfalls hat (Theater-)Blut gerochen und legt sich unter der Regie von David Löll und Anna Julia Cunz mächtig ins Zeug, um sich im britischen Nebel mit vielen Knalleffekten zu meucheln oder sich dahinmeucheln zu lassen.

Das dahingeschiedene Familienoberhaupt von Monument House, Septimus Henk, hinterlässt der Trivialromane-Schreiberin Miss Ash über die Hälfte seines Vermögens, weil sie es mit ihren Geschichten vermochte, den Patron der Henks einen gesunden Schlaf zu bescheren.

Seine Kinder gehen hingegen leer aus, wird ihr Anteil doch von der Erbschaftssteuer geschluckt. Während der reichlich undurchsichtig wirkende Anwalt Hamilton Penworthy versucht die Wogen zu glätten, treibt der Rachedurst die Geschwister Henk in einen mörderischen Familienkrieg.

Und das Mordgeschäft verstehen sie. Dora Henk ist eine leidenschaftliche Giftmischerin, Marcus Henk hält sich für Caesar und Oliver Henk lebt eingesperrt im Keller des Monument House, weil er glaubt, ein Werwolf zu sein, und die Nächte durchheult. Und auch Lucien, Emily und die Nymphomanin Monica, sind alles andere als vertrauenswürdig erscheinende Zeitgenossen.

Nur die direkte Haushälterin Agatha Hammond und Anne Franklin, die Betreuerin von Marcus Henk, der in römischer Toga von den Iden des März faselt, scheinen ein Hort der Solidität und Berechenbarkeit zu sein. Zu der mörderischen Familie gesellen sich Miss Ash und ihr Sekretär Peregrine Potter, die nicht das sind, was sie vorzugeben scheinen.

Beste Voraussetzung also für ein Verwirrspiel, in dem sieben Menschen erschossen, geköpft, erstochen und vergiftet werden. Die Handlung an dieser Stelle erklären zu wollen, hieße, diesem hochgiftigen Cocktail vorab den Stachel ziehen zu wollen. Schließlich stehen noch einige Vorführungen an.

Kein Geheimnis gilt es um die Darstellungskunst der Youngsters zu machen, die sich in diesem mörderisch skurrilen Familienkrieg mit rabenschwarzem Humor vorzüglich in Szene setzen. Wie immer brillant ist der komödiantische Kraftbolzen Eva Krüger, die in der Rolle der Emily nicht nur ein halbes Dutzend Äpfel verzehrt, sondern auch alles, was sich ihrer Bissigkeit sonst noch in den Weg stellt.

Till Rehling als Lucien Henk, Laura Dörr als Dora Henk wirken genauso spleenig wie Michel Dahlhaus in der Rolle als durch geknallter Caesar. Und Lisa Kring macht als männerverzehrender Vamp eine in jeder Hinsicht gute Figur.

Auch die restlichen Akteure lassen es an makabrer Hintergründigkeit nicht fehlen. Leon Kunz als Anwalt Hamilton Penworthy gibt den ultimativen Winkeladvokaten ab. Sonja Chrapko als Miss Ash alias Freda Mountjoy, weiß sich in Tonfall und Maske sowohl als Greisin wie auch eine junge Agentin in Szene zu setzen.

Eric Thomas in der Rolle des vermeintlichen Sekretärs von Miss Ash, der sich von den Ereignissen permanent überrollt fühlt, erinnert mit seiner herrlichen Mimik an die etwas kräftigere Ausgabe des großen Cary Grant.

Jasmin Behnam als charmante Erzählerin, Hannah Kunz als eigenwillige Haushälterin Agatha Hammond und Isa Hortien als die fürsorgliche Pflegerin Anne Franklin runden die tadellose Ensembleleistung ab, die vom Publikum mit euphorischem Applaus bedacht wurde.

Wer Lust auf wohliges Gruseln mit überraschenden Showdown hat, sollte unbedingt „Unters Rosenbeet“ schauen. Am 22., 24. und 25. Juni finden jeweils ab 20 Uhr weitere Aufführungen der KuSch statt.

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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