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Großes Kino an allen Fronten hat das Publikum beim zehnten Herborner Scheunen-Slam in der KuSch erlebt. Bei der Spezialausgabe zum Jubiläum bot Andy Strauß Einblicke in seine ganz persönliche Welt des alltäglichen Wahnsinns.

Andy Strauß ist einfach nicht zu fassen – zumindest nicht in Worte, und am Abend drängte sich bisweilen die Frage auf: Was hat der bloß gefrühstückt? Denkbar wäre eine kuriose Mischung aus Neo-Dada- und Surrealismus-Flakes mit einer Prise Hieronymus Bosch. Wie auch immer, die Zuschauer amüsierten sich beim Auftritt des Slam-Rabauken, Wortkünstlers und Autors, der sich gerne zu seinen friesischen Wurzeln bekennt, prächtig.

Das lag mitunter auch an der wirklich faszinierenden Mimik und Gestik, mit der Strauß seine Texte vortrug. Gesichtsakrobatik, die ihresgleichen sucht, traf dabei auf große Dichterposen und der Performance-Künstler evozierte optische Assoziationen zu seinem Erscheinungsbild dann auch lieber gleich selbst: Mit seinem Hut sehe er aus wie Johnny Depp, nur sei der inzwischen ja älter geworden und sähe nicht mehr so gut aus.

Das Publikum hätte somit die Möglichkeit, sich erst den jungen und beim Hessentag dann den alten Johnny Depp anzuschauen. Ähnlichkeit bestünde natürlich auch zum Künstler Jonathan Meese, der auf der „B-Seite“ seines Techno-Hörspiels („Keiner wird es verstehen. Alle werden es hassen. – Aber das ist Kunst!“) zu hören sei. „Ich mag ihn, aber er ist dicker als ich. Ich mag es, wenn jemand mir ähnlich sieht, aber dicker ist.“

Exzellenten Schabernack bot Strauß natürlich auch in Form seiner Texte dar. Der reichte vom Trip zu einer japanischen Spielschau („Auf dem Rückflug lese ich dann, dass Drogenkonsum in Japan hart bestraft wird.“) über ein Liebesgedicht, das beim „Willst-du-mit-mir-gehen“-Zettelchen in der Grundschule beginnt und das Verstehen der Barden im siebten Hochschulsemester ermöglicht, bis hin zum Rap („Ich mache das, was alle machen, die nichts können und von ihren Eltern verstoßen wurden: Ich werde Gangsta-Rapper.“) oder zum Schlager („Knabber die Bohnen!“). Fast noch komischer waren allerdings seine spontan kreierten Zwischenmoderationen.

Die Tatsache, dass er fast zu spät gekommen wäre, weil ein brennender Milchlaster auf der Autobahn einen Stau verursachte beispielsweise, wurde zur Grundlage für ein schelmisches Philosophieren über eine Formulierung im Celan-Gedicht „Todesfuge“. „Milch brennt nicht, die wird höchstens schwarz und knusprig.“ Somit wäre der Vers „Wir trinken die schwarze Milch […]“ falsch. Wenn schon müsse es heißen: „Wir knuspern die schwarze Milch.“

Auf vielfachen Wunsch des Publikums trug Strauß dann noch „Moik“ vor, die Geschichte von seinem frisch verstorbenen besten Freund, einem geklauten Meerschweinchen, das keine Beine hatte, weil es in eine Kaffeedose passen musste.“ Was ein famoser Trip! Den Abend gestalteten auch die Stimmgeber mit. Schüler des Johanneum-Gymnasiums und Lula Leitloff trugen Texte der Rehberg-Schüler aus dem gerade erschienenen Buch „Stimmgeber – Ich bin psychisch krank und das ist nicht gut so“ vor. Unter anderem lasen sie den auf der Frankfurter Buchmesse prämierten Text „Notaufnahme“, in dem es um Panikattacken, Selbstverletzung und den schweren Schritt geht, sich in eine psychiatrische Klinik einweisen zu lassen.

Im Laufe des Abends präsentierten Sascha Kirchhoff und Lula Leitloff dann auch noch Texte aus dem Vorgängerbuch, in dem Flüchtlinge ihre Erfahrungen, Ängste und Eindrücke geschildert haben. Die allesamt sehr bewegenden Texte waren ein echtes Kontrastprogramm zum Auftritt von Andy Strauß.

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

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