Tina TeubnerTina Teubner 2

Erstklassiges Musikkabarett verbunden mit jeder Menge trockenem Humor hat das Publikum in der „KuSch“ erlebt. Zu Gast war Tina Teubner, die in Herborn den richtigen Umgang mit dem starken Geschlecht erklärte.

Die Herren der Schöpfung mussten am Abend einige Spitzen einstecken. Doch Tina Teubner setzte dafür dankenswerterweise nie auf die gängigen Plattitüden und ausgeleierten Maschen. Vielmehr bot sie intelligenten, feinsinnigen Humor mit Charme und Tiefgang. Den trug sie sehr artikuliert, trocken und gleichzeitig spitzbübisch vor und nicht zuletzt das machte den Reiz des Ganzen aus.

Ihre Devise dabei: „Ich liebe meinen Mann, ich habe es nur nicht immer so auf dem Schirm.“ In diesem Sinne gab sie den weiblichen Zuschauern gleich ein paar praktische Tipps zur Männerhaltung mit auf den Weg. Frauen sollten ihre Männer bisweilen mal „richtig durchloben“ mit Sätzen wie „Das hast du schön gemacht!“. Wenn der Partner sich trennen wolle, gelte es, souverän und höflich zu bleiben und zu antworten: „Nein, du bleibst!“

Auch die nötige Konsequenz dürfe nicht fehlen: „Das ist nicht deine Frau, lass die mal schön liegen.“ Die Eigenarten der Frauen kamen ebenfalls zur Sprache: „Wenn sie gerade kein Problem haben, dann machen sie sich eins.“ Neben ihrem scharfen und punktgenauen Wortwitz prägten die von ihr vorgetragenen Songs das Programm. Die waren musikalisch äußerst ausgefeilt, irgendwie fast schon hitverdächtig mit Anklängen an das Chanson, und sie ließen Erinnerungen an Kurt Weill oder Friedrich Holländer wach werden.

Begleitet wurde Teubner dabei von ihrem Bühnen- und Lebenspartner Ben Süverkrüp, der nicht nur mit seinem ausgefeilten Klavierspiel echte Akzente setzen konnte. Er musste immer wieder als praktisches Beispiel für die von der Kabarettistin präsentierten Theorien herhalten. „Ben ist von einem richtigen Mann gar nicht zu unterscheiden“, sagte Teubner und ergänzte später „Du bist ein schöner Pullover. Sogar aus Kaschmir. Aber ohne Ärmel.“

Die für Frauen typische „Mäkelei“ sei jedoch im Großen und Ganzen lediglich der Vision geschuldet. Süverkrüp lächelte süffisant, schwieg oder konterte höflich, dass ein Nicht-Gestört-Zu-Werden doch nur etwas wert sei, wenn es jemanden gebe, der einen stören kann. Und als praktisches Beispiel, warum Männer nur dann Großes schaffen könnten, wenn sie auch mal ihre Ruhe hätten, spielte er dem Publikum ein Medley auf dem Klavier vor. Der Inhalt: große Komponisten, die durch die Ehefrau mit Alltagssorgen belästigt werden. Da wurde Bachs „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ dann zu „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Ein wirklich kongenial gemachter Einschub.

Doch auch das kleine Glück der Liebe und die wirklich wichtigen Dinge kamen zur Sprache, sensibel und nachdenklich machend dargeboten. So startete Teubner mit bissigem Spott über die Lust, die eigenen Macken im Alter auszuleben und an Halloween den Kindern Sandorn-Schmodder-Haar-Bonbons aus der Manteltasche zu schenken mit dem Befehl, diese müssten gleich probiert werden. Von da wechselte sie zur musikalischen Frage, ob der Mann sie auch im Alter noch mit all ihren Macken lieben würde („Liebst du mich noch, wenn ich alt und verschroben bin? Wenn ich den Champagner aus der Schnabeltasse trinke?“).

Tiefsinnig auch die Frage, ob sie sich mit gutem Gewissen als gute Mutter bezeichnen könne, wenn sie doch gerade eine demokratische Regierung gewählt habe, die einem Handelsabkommen mit den USA zustimmt, oder ob es überhaupt um die Welt gehe oder doch nur um den eigenen Nachwuchs und den nächsten Urlaub. Die Frage blieb im Raum stehen. Hingegen gab es für das Publikum einige illustre Erkenntnisse, beispielsweise, dass eben auch verschlossene Schränke oftmals leer sind und, dass Männer einfach nicht immer lieben können, weil sie zwischendrin auch mal was Wichtiges zu tun haben.

Definitiv bot das Programm von Tina Teubner in rasanter Weise einen Höhepunkt nach dem anderen und die Kabarettistin schaffte es, den Spannungsbogen über den gesamten Abend hinweg auf hohem Niveau zu halten, ohne ihn zu überspannen. Die wunderbare Sinnfrage im Angesicht von Ehepaaren, die sich nach 30 Jahren nicht mehr streiten, immer das gleiche sagen und zu Weihnachten Rundbriefe verschicken, lautete schließlich: „Ob es wohl möglich ist, als Außenstehender für fremde Paare die Scheidung einzureichen?“

Und Teubner bot zum Abschluss noch mal eine Kernbotschaft für alle Liebenden: „Carpe diem“ heiße nicht „Verplempere den Tag“, denn Glück und Zufriedenheit seien nicht ohne Traurigkeit zu denken. Insgesamt zwei Sternstunden großartigen Kabaretts, für die das Publikum großen Applaus spendete.

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

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