KBL-SechsMartin Fromme 1

Irgendwie war der 6. Spieltag der Kabarett-Bundesliga in der KuSch nicht ganz das Gelbe vom Ei. Spielleiter Theo Vagedes hatte nicht seinen besten Tag und der irritierende Humor des Anton Grübener leerte vorzeitig den Saal.

Martin Fromme, Deutschland einziger asymmetrischer Komiker, sorgte hingegen mit Ausschnitten aus seinem Solo-Programm „Besser Arm ab als arm dran“ immerhin dafür, das Humor und Behinderung durchaus Hand in Hand gehen können.

Kann Martin Fromme beten? Und wenn ja, wie lang oder wie kurz sind seine Gebete. Der TV-Moderator, Schauspieler und Komiker aus Wanne-Eickel betätigt sich genussvoll als Tabubrecher. Fromme lacht über seine Behinderung und lässt dass nicht-behinderte Herborner Publikum daran teilhaben. Bissig ist sein Humor. Ganz und gar politisch unkorrekt sind seine Erkenntnisse von Behinderten im Alltag, über die er seine Witze reißt – auch via Videoeinspielungen, wo er u.a. die schönsten barrierefreien Orte Deutschlands vorstellt.

Martin Fromme stellt Fragen und sorgt für verblüffende Antworten. In Zeiten, in denen sich Schlaumeier Gedanken darüber machen, dass man Behinderte korrekterweise als Menschen mit spezieller Einschränkung und Fähigkeiten bezeichnet, wird der Mann mit dem „appen“ Arm anders speziell.

„Gibt es Ermäßigung für Stotterer bei der Sex-Hotline?“ „Kann eine Prostituierte im Rollstuhl eine Wanderhure sein?“ „Hängt am Rollstuhl eines Mohammedaners das Schild ‚Is lahm?“ Martin Fromme kokettiert mit allen Arten der Behinderung und lässt dabei an scheinbar Nicht-Behinderten kein gutes Haar, die es ja auch unter Hundebesitzern, Moralaposteln, Journalisten und Politikern zuhauf gibt.

Fromme, der preisgibt, dass ihm sein Arm von strengen katholischen Nonnen wegen Linksschreibens abgehackt wurde, und fordert, dass man Linksarmamputierten wegen des Gleichgewichtes das rechte Bein abnehmen sollte, zeigt, dass man als Behinderter nicht immer ein Gutmensch sein muss. Und das ist gut so! Gesungen, gelesen und improvisiert lässt er uns über die eigenen Unzulänglichkeiten lachen und so zu mehr Normalität im Umgang miteinander zu finden.

Bei Anton Grübener, dem zweiten Kandidaten des Abends, wäre es für ihn und für viele Zuschauer besser gewesen, wenn er schon nach 45 Sekunden die KuSch-Bühne wieder verlassen hätte. „Der Vortragskünstler der neuen alten Schule“, als der er sich der Kuriositäten- Komiker mit dem angemalten Menjou-Bärtchen bezeichnet, hat kein Konzept, noch braucht er eins. Das wird allerdings nur von Wenigen goutiert. Zahlreiche Zuschauer verließen vorzeitig den Saal. Das irritiert Grübener zwar, hält ihn aber dennoch nicht davon ab einfach weiterzumachen.

Obwohl Anton Grübeners Timing lausig ist, er seine Pointen gnadenlos vergeigt und eigentlich überhaupt nichts passt, entwickeln seine Miniaturen dennoch einen ganz eigenen Charme. Man leidet zwar unter seiner Konzeptlosigkeit und seiner naiv wirkenden Witzigkeit aus der Zukunft. In Zeiten, in denen man sich über die Witzlosigkeit Stadion-füllender Comedians auf die Schenkel klopft, muss aber auch Platz für einen Komiker sein, den Karl Valentin wohl als Schüler aufgenommen hätte.

Wenn für den zarten Komiker der Eiffelturm in der Eifel liegt, Miezekatzen in Mie(t)zhäusern wohnen, die Liebe ein Abfallprodukt der Weltraumfahrt ist und seine sägende Liedkunst ohne ein richtiges Lied auskommt, mag man an seinen Fähigkeiten zur Bühnenunterhaltung zweifeln.

Anton Grübener, dem jede Spontaneität fehlt und der stattdessen das bewusste Lachen propagiert, ist ein Moralist, der erkennt, dass die Welt ein Kriegsproblem hat. Dafür gibt’s Beifall, kann aber die Saalmigration aus der Kulturscheue nicht stoppen. Da sind selbst Helge Schneider Fans spätestens dann irritiert, wenn sie von dem Miniaturenkünstler Kanarienvogellasagne und Affenleberwurst kredenzt bekommen.

Am Ende geht Martin Fromme als Sieger mit einem achtzigprozentigen Stimmanteil durchs Rennen im Wettbewerb um den Deutschen Kabarettmeister.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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