Poetryslam Oktober14011

„Eine Veranstaltung für Freunde der eloquenten Wortkunst“ hatte Olaf Neopan Schwanke, der die fünfte Auflage des Herborner „Scheunen-Slams“ moderierte, versprochen.

Und der Dichterwettstreit, der erneut in der Kulturscheune („KuSch“) stattfand, hielt das Versprechen des Moderators.

Elf Teilnehmer, vom Einsteiger bis zum Urgestein der Szene, lieferten sich vor ausverkauftem Saal illustre und kunstvolle Wortgefechte. Die Palette der Beiträge reichte von der heiter-spaßigen oder ironisch-zynischen bis hin zur nachdenklichen Kunst des performten Dichtens. Die große Kunst begann allerdings schon beim Moderator Olaf NeopanSchwanke, der sich optisch als „Horst Lichter auf den Punker“ gekommen, beschreiben lässt.

Schwanke bot am Abend eine Form der Moderation, die einige vielleicht überrascht haben dürfte. Im Gegensatz zu den sonst meist mit eigenen „Slam-Kreationen“ und sehr stark präsent agierenden Kollegen, hielt er sich stärker im Hintergrund und stellte dabei sehr fair die Teilnehmer ins Blickfeld der Aufmerksamkeit. Mit viel feinsinnigem Humor leitete er die jeweiligen Beiträge gelungen ein. Eine ungewohnte, aber durchweg großartige Moderation.

Hervorragend und vor allem variantenreich waren dann die ausgefeilten Dichtungen, die das Publikum zu hören bekam. René Schill aus Gießen, der die „Opfer-Lamm-Karte“ gezogen hatte und als erster Teilnehmer auf die Bühne musste, konnte dabei genauso überzeugen wie der bekennende Barfuß-Läufer Jakob Kielgaß (Marburg), der sich wünschte, dass „wir töricht Tage schon vor ihrem Abend loben“ oder Slam-Urgestein Anke Fuchs, die Haariges im Gepäck hatte.

Auch Jan Schmidt aus Wülfrath, der als neuer Erzfeind der "Political Correctness" den „Kinderhasser“ gab, Felix Lobrecht, der ausgiebig über seltsame Weihnachtsgeschenke berlinerte und Tristan Kunkel aus Siegen, mit einem Plädoyer gegen die gute Laune, kamen bei den Zuhörern gut an.

Besonders im Gedächtnis geblieben sein dürfte dem einen oder anderen Livia Warch aus Herborn. Sie überraschte mit einer tollen Bühnenpremiere und brachte das Publikum mit ihrer sehr kreativen Schilderung von Schein- und Sein-Welt zum Lachen.

Die zweite Lokal-Matadorin Lula Leitloff begeisterte mit gewohnt nachdenklichen Worten, schaffte es allerdings leider nicht ins Finale. In selbiges zogen am Schluss vier Herren ein, deren Beiträge wirklich außergewöhnlich gut waren: „Müsste mal“ lautete das poetisch vorgetragene Lebensmotto von Christian Offe aus Gießen, der gerne mal den Internetdienst „Google“ googlen würde bzw. meint„er müsste das mal“.

Maximilian Humpert aus Köln durfte sich über den Einzug in die Endrunde freuen, weil er gestenreich eine Anleitung für „Ein bisschen mehr Gelassenheit“ gab: „Stell dir vor du bist Schwedin… Und du bist brünett und hässlich“. Romantisches hatte sich dagegen der Dritte im Bunde, Marco Michalzik, auf die Fahne geschrieben. Der ehemalige Herborner ließ sich „Arme und Hände reichen“ und bat: „Lass mich dein Armleuchter sein.“

Daniel Wagner hieß der vierte Finalist, der schließlich auch zum Sieger des fünften „Scheunen-Slams“ gekürt wurde. Wahrhaft wortgewaltig nahm der Heidelberger gesellschaftliche Missstände und unsinnige Attribute auf die „Dichter-Hörner“. „Demokratische Republik Kongo“, „Schauspielerin Michaela Schaffrath“, das „Wissensmagazin Galileo“ - diese Namen seien für sich schon echte Witze. Große Lebensmittelkonzerne sägten hingegen den Ast ab, auf dem wir alle sitzen, „nur weil die Späne, die dabei fallen, als Geldscheine herunterregnen“. „Man kann nicht ein Raffaello in Goldpapier wickeln und sagen: ‚Da, Rocher‘“, meinte Wagner.

Den Sieg holte er dann mit einem verbalen Tauchkurs und einigen illustren Ausführungen über die Hässlichkeit der männlichen „Reproduktionsnüsschen“ bzw. „Nachwuchspralinen“. Die Organisatoren Sascha Kirchhoff und Andreas Klein konnten sich am Ende zu Recht über einen sehr gelungenen und qualitativ hochwertigen fünften Scheunen-Slam freuen, bei dem auch wieder Texte der „Rehberg-Schüler“ von Schülerinnen und Schülern des Johanneum-Gymnasiums vorgetragen wurden. Gerade diese Texte, die von den Sorgen und Problemen der Jugendlichen handeln, sorgten bei vielen Anwesenden für großen Anklang und viel Nachdenklichkeit.

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

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