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Heinz Erhardt lebt! Es ist und bleibt ein Phänomen: Wenn sich Schauspieler Hans-Joachim Heist kurz vom Publikum abwendet, um mal eben

die obligatorische Erhardt-Brille aufzusetzen, ist er plötzlich wieder da: Heinz Erhardt, wie er leibt und lebt. Da stimmt die Mimik, die Stimme ist „erhardtlike“, die Bewegungen sind linkisch und die Haltung gebeugt.

Davon konnte sich auch das Herborner Publikum am Donnerstagabend in der ausverkauften Kulturscheune (KuSch) überzeugen. Es war wahrhaft kein leichter Abend für die Zuschauer. Nach zwei Stunden Dauerlachen streikt irgendwann auch die beste Gesichtsmuskulatur und beginnt zu schmerzen. In den folgenden Tagen könnte zudem ein leichter Muskelkater im Bauchraum als Nachwehe des allzu fröhlichen Abends auftreten. Aber der Besuch in der Kusch lohnte allemal – Die Zuschauer erlebten einen rundum heiteren Abend, der sie begeistert mehrere Zugaben fordern ließ.

„Noch´n Gedicht“ sprach Erhardt, pardon: Heist, immer wieder und „Was bin ich aber auch wieder für ein Schelm“. Es folgte eine Aneinanderreihung von den literarischsten, kritischsten, tiefgründigsten, witzigsten und aller albernsten Gedichten des großen Kultkomikers. Die von Erhardt gewählte meist kindlich unschuldige Perspektive auf das Motiv seines Gedichts – meist mit einer originellen Schlussfolgerung – sorgte dafür, dass kein Auge trocken blieb.

Heist gelang es glänzend, das Publikum in seinen Vortrag mit einzubeziehen. Sei es, dass er einer Zuschauerin in der ersten Reihe, die sich gerade ihrer Jacke entledigte, vorschlug, mit einem Herren am Rande den Platz zu tauschen. Dieser habe soeben seine Jacke angezogen. Vielleicht sei der Tausch zu beider Vorteil. Er unterbrach auch schon mal seinen Vortrag, weil jemand hustete. „Husten Sie erst einmal ab. Dies wäre auch Gelegenheit, einmal kollektiv zu husten. Dann hätten wir das erledigt.“ Lachte jemand vor der eigentlichen Pointe eines Gedichtes, empfahl er: „Sie müssen schon ein bisschen aufpassen. Sie sind schließlich nicht zu ihrem Vergnügen hier.“

Neben den Balladen über Ritter Fips, den Gedichten über Tiere und den Reimen über die schönen Nebensächlichkeiten des Lebens, brachte Heist auch Lieder von Erhardt zu Gehör. Ein Wort an die Technik: „Herr Kapellmeister, wenn Sie mich bitte betasten würden“ und es ging los. Besungen wurde unter anderem der „Dodo“ – der doppelte Dornkaat – in „Immer wenn ich traurig bin“, die alkoholischen Eskapaden eines Adligen in „Fährt der alte Lord fort“ und das Kartenlegen einer Hellseherin in „Tante Hedwig“.

Herrlich anzuhören waren die kleinen Wortverdreher. Da wurde aus „Scharlachberg“ ein „Masernhügel“ und aus dem Maulwurf der „Mundschmiss“. Da kalauerte Heist auch schon mal: „Keine Frau ist so schlecht, dass sie nicht die bessere Hälfte eines Mannes werden kann“ oder „Jeder sollte sein eigener Hirte sein. Jeder sollte sich hüten.“

Der Vortragende gewährte aber auch ernste Einblicke in die Biografie des Komikers Erhardt, der ursprünglich den Musikalien-Handel seines Großvaters übernehmen sollte. Er sei erst im Alter von 42 Jahren für den Film entdeckt worden und habe anschließend in über 40 Filmen mitgewirkt. Leider sei die „Zehngroschen-Oper“, die einzige Oper des Künstlers, die zudem verfilmt und nur einmal gesendet wurde, bedauerte Heist. Danach sei sie in den Archiven des ZDF verschwunden.

„Ich werde all meinen Einfluss im ZDF, den ich nicht habe, nutzen, damit diese Oper noch einmal gezeigt wird“, versprach er.

Den „alleralbernsten“ Reim des abends („Der ist albern hoch 20“) widmete er dem „alleralbernsten“ Ort in der Nähe. Auf Nachfrage im Publikum, aus welchem Ort sie stammten, fiel ihm zu vielen Ortschaften spontan eine pfiffige Bemerkung ein. „War es denn in Gießen auch am gießen?“, fragte er in Anspielung auf die aktuellen Wetterverhältnisse einen Herren aus dieser Stadt. „Nehmen sie mich mit“, bat er eine Zuschauerin aus Sechshelden, „ dann gibt es in Ihrem Ort sieben Helden.“ Jedoch, es reichte nicht zum Titel des „alleralbernsten“ Ortes. Diesen gewann eindeutig Rodenroth. „Rrrrourrerrroa“ – das ließ sich Heist etwas ungläubig aber gerne auf der Zunge zergehen. „Es wohnt ein Wind in Rrrrourrerrroa, der pustet kalt, wer da nicht einen Mantel hat, der hustet bald.“ – Der „alleralbernste“ Ort hatte mit diesem Gedicht einen würdigen Rahmen gefunden.

 

 

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