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In Pariser Theater Edouard VII. läuft die wundervolle Komödie „Le Prénom“ von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière seit 2010

in Folge vor stets ausverkauftem Haus. In Herborn bringen die Akteure der Herboner Heimatspiele das so verrückte wie komische Gesellschaftsstück in der Kulturscheune zur Aufführung. Und schon am so gut wie ausverkauften Premierenabend haben sie ihre Aufgabe mit Bravour gelöst. Unter der Regie von Holger Heix geben sie dem auch erfolgreich verfilmten Theaterspaß „Der Vorname“ einen atemlosen Drive, steigern sich in einen Furor aus peinlichen Lebenslügen und lächerlichen Klischees.

Gediegen ist das Bühnenetablissement, in dem der Literaturprofessor Reinhardt (Albert Follert) und seine Frau Birgit (Cornelia Glade-Wolter), die als Französischlehrerin tätigt ist, Familienangehörige und Freunde zu einem Dinner erwarten. Als ein Stück zum Wiederfinden („Freunde kann man sich aussuchen, eine Familie…Na, ja?“) erklären Erzähler Michael Krüger und Erzählerin Sarah Junker, die sich mit großem Spielwitz entfaltende  Familiengeschichte. Und was zunächst etwas zäh beginnt, entwickelt sich im Verlauf von etwas mehr als zwei Stunden Spielzeit zu einem Theaterstück voller tiefer Einsichten und treffsicherer Komik.

Der Blick in die Abgründe, der auf der KuSch-Bühne aufmarschierenden Figuren, ist so unterhaltsam wie spannend, erlaubt es doch dem Zuschauer an einer Sitzkissenschlacht teilzuhaben, in der das bürgerliche Selbstverständnis in einem Lügengebäude aus Ideologien, selbstgefälligem Liberalismus und egoistischem Narzissmus krachend zum Einsturz gebracht wird.

Max (Thomas Jopp), erfolgreicher Immobilienmakler und Schwester von Birgit bringt die Regeln zivilisierter Konversation zum Einbruch, als er erklärt, dass sein zu erwartender Sohn Adolphe heißen soll. „Mein Adolphe ist schließlich nicht für die Taten von ‚Adolf‘ verantwortlich“, befindet Max und befeuert damit nicht nur das No-Go-Thema, sondern zündet auch noch den Sprengstoff, der hinter der glatten Fassade seiner Familie lagert. Erst outet sich der vermeintlich schwule Hausfreund Claudius (David Löll) als Liebhaber seiner Mutter Franziska (Adelheid Simmer). Dann rechnet Birgit mit ihrem egoistischen und geizigen Ehemann Reinhardt ab. Und Max bekommt von seiner schwangeren Frau Anna Maria (Sabine Azizi) angedroht, dass er erst gar nicht sein Kind jemals zu sehen bekommt.

Das Rad ausschweifender Komik dreht sich immer schneller. Hemmungslos wird die intellektuelle Arroganz zu Markte getragen. Das Publikum lacht, die Darsteller zerfleischen sich lustvoll. Und wie! Die Nase von Claudius und der Esstisch gehen zu Bruch.

In der gelungenen Inszenierung fahren alle Beteiligten zu Höchstform auf. Thomas Jopp und Albert Follert prallen mit der Wucht eines Schnellzuges aufeinander, die sich der Bedeutung ihrer Wortwahl sehr wohl bewusst sind. Letztlich fallen sie tief und erdrückt von ihrer Selbstgerechtigkeit und Intoleranz aus der Rolle der gesellschaftlichen Normen.

Während die Alphatiere Jopp und Follert ihr hemmungsloses und gestenreiches Spiel entfalten, brilliert David Löll mit feiner Zurückhaltung. Er muss lange nachdenken, ob es in seinem Leben einen Menschen gab, den er hassen könnte. Cornelia Glade-Wolter als devote Hausfrau, explodiert angesichts der Egozentrik ihres Mannes in einer Generalabrechnung, die mehrere Jahrgänge „Emma“ überflüssig macht.  Adelheid Simmer spielt die lebenslustige Liebhaberin, die sich um gesellschaftliche Konventionen nicht schert, und Sabine Azizi als Anna-Maria stellt schließlich alle Anwesenden in Frage. Dennoch kann man den Protagonisten des Stücks am Ende nicht böse sein, spiegeln sie doch nur unsere eigene, höchst fragile bürgerliche Existenz.

„Der Vorname“ ist ein herrliches Schlachtfest und ein großartiger Theaterspaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

 

 

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