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Locker und salopp ist Oscar Wildes triviale Komödie „Bunbury oder Ernst sein ist alles“, die derzeit vom Jungen Ensemble 16+ der Herboner Heimatspiele in der Kulturscheune zur Aufführung gebracht wird.

Mag das Stück aus heutiger Sicht nicht mehr so spektakulär wie bei seiner Uraufführung 1895 in London sein, als der Meister des geistvollen Frechheiten und Sottisen Wilde die viktorianische Gesellschaft geißelte und ihren Snobismus und Spleen der Lächerlichkeit preisgab, verspricht es immer noch beste Unterhaltung.

Was die zehnköpfige Schauspielerriege unter der Regie von Dominik Visca und Jonas Wogenstahl aus dem für beträchtliche Verwirrung sorgenden Bühnenlustspiel gemacht haben, ist wahrhaft à la bonheur.

Drei Akte, drei Bühnenbilder und gut zwei Stunden wild durcheinander schießende Verwechslungen, die vor humorvollen und geistvollen Einfällen Wildescher Gesellschaftsglossierung nur so sprühen, sorgen in der Kulturscheune für viel Amüsement.

Auch wenn es schon spektakulärere Inszenierungen des Jungen Ensembles 16+ gegeben hat, ist „Bunbury“ eine gute Wahl. Die furiose Täuschungs-, Veralberungs- und Verlobungsposse bietet den Akteurinnen und Akteuren, sich mit exaltiert wirkender Coolness, verschrobener Altjüngferlichkeit und allerhand Bissigkeit bestens in Szene zu setzen.

Schier unmöglich ist die Handlung, in der Jack (John) Worthing angibt, er habe einen jüngeren Bruder erfunden, damit er, der als Vormund seines Mündels auf dem Lande ernst sein muss, als Ernst in der Stadt unernst sein kann. Sein Freund Algernon Moncrieff, der den kranken Bunbury auf dem Land erfunden hat, nützt gegen den Willen seines Freundes Jack diese Lüge aus und schlüpft in die Rolle des erfundenen Bruders.

Selbstverständlich spielen zwei junge Frauen als Partnerinnen der beiden Männer mit. Hinzu kommt eine auf die Einhaltung der Etikette polternde Dame der Gesellschaft, eine komisch verschrobene alte Jungfer, ein gegen leichtsinniges Lotterleben anpredigender Pfarrer und ein serviles Dienstpersonal, die zusätzlich für den nötigen Jux sorgen.

„Wir leben in einem Zeitalter der Ideale“, lässt Gwendolen Fairfax ihren Verlobten Ernst (Jack) Worthing, wissen, dessen „himmlischer“ Vorname ihr Herz in Schwingung versetzt. Doch ideal ist die Handlung, die sich auf der Kusch-Bühne abspielt so überhaupt nicht. Den Jux, den sich Oscar Wilde aus der Persiflierung einer substanzlosen Gesellschaft macht, hat allerdings den Charme herrlich albern zu sein. Witzig und spitzig sind seine Einfälle, um die Hauptfigur des gar nicht existierenden Ernst Worthing, der am Ende tatsächlich Ernst sein kann.

Christopher Großmann und Dimitrij Panov, die in die Rollen der Gentlemen und Lebemänner Jack Worthing und Algernon Moncrieff geschlüpft sind, demonstrieren mit Chuzpe und Spielfreude die eitlen Gecken, die es vermögen – bei allem Spaß – in ihren Rollen ernst zu bleiben. Livia Warch als Gwendolen Fairfax und Miriam Preuser als Cecily Cardew vermögen es weibliche Unschuld und Intuition so glaubhaft gut darzustellen, dass jedes männliche Wesen vor ihnen als Trottel erscheinen muss.

Anne Wendland verleiht der Gestalt der Lady Bracknell raschen, wenn auch kurzen Verstand und ein zermalmend bissiges Mundwerk. Nina Messerschmidt als Cecilys Gouvernante Miss Prism wirkt wie Max Bierbach Kanonikus Chasuble als Inbegriff vertrockneter Spießigkeit und Bigotterie. Köstlich!

Abgerundet wird das Spiel durch da mit gestelztem Gang und gespreizter Zunge agierende Dienstpersonal, gespielt von Daniel Feldmann, Dominic Bastian und Tsion Asrat. Oscar Wildes Komödie voll sinnlich-ästhetischer Reize kann man noch am Mittwoch (6.4.), am Freitag (8.4.) und am Samstag (9.4.) jeweils an 20 Uhr in der KuSch erleben.

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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