Neunter Scheunenslam 18

Tolle Slam-Poeten, einen Singer-Songwriter, der die Spezies der westlichen Gorillas besang, und ein außergewöhnliches Geschenk zum Valentinstag wurde den Gästen des neunten Scheunen-Slams in der KuSch präsentiert.

Mit tiefgründigem und trockenem Humor gewann diesen Fatima Talalini aus Dortmund.

Ganz im Zeichen des Valentinstags war die Bühne mit roten Luftballons und Herzen dekoriert. Von Romantik war beim Moderatorenduo Marco Michalzik und Sascha Kirchhoff allerdings wenig zu spüren. Die beiden schenkten sich verbal wieder einmal nichts, dem Publikum dafür jedoch eine tolle Moderation und als Valentinstagsschmankerl zwei Liebesromane und ein Plüsch-Grillhähnchen.

Die Messlatte für die Slammer legte Kirchoff, der auch die Rolle des „Opferlamms“ übernahm, dann mit einem bösen und doch sehr witzigen Anti-Liebesgedicht für Erika (mit der er dank Jo-Jo-Effekt durch dick und dünn ging) bereits ziemlich hoch. Die zum Tag passende Weisheit steuerte hingegen Lasse Samström aus Bonn bei: „Das Liebesspiel im Rosenhain treibt Dornen in die Hose rein“. Samström sorgte am Abend mit Schüttelprosa, als deren Erfinder er gilt, für große Heiterkeit beim Publikum.

Nachdem er sich mit einem etwas älteren, aber weiter entwickelten Text („Der Text ist quasi ein pubertierender Pubertierender in der Pubertät.“) ins Finale geslamt hatte, konnte er dort ebenfalls überzeugen. „Frieder wei! Frieder wei! Freine Meundin hat mit mir mussgeschlacht. Sie lat mich verhassen. Sie freht jetzt auf Stauen“, skandierte er fast schon dadaistisch anmutend. Die Zuhörer klatschten ihn, auch für den gekonnten Vortrag des Silbendurcheinanders, auf den zweiten Patz.

Den Sieg holte eindeutig Fatima Talalini aus Bonn, die zum ersten Mal in Herborn gastierte. Mit „Aufs Maul Terrorist“, einem ebenso bissigen wie nachdenklichen Text, der davon handelte, dass Liebe die bessere Antwort auf Terrorismus und radikale Gesinnungen ist als Hass und Vergeltung, sicherte sie sich den Einzug in die Endrunde. Dort brillierte sie mit einem Text, in dem sie die Herkunft ihrer Eltern („Mein Vater ist Syrer und meine Mutter ist Polin mit schlesischen Wurzeln) sowie die Schubladen, in die sie von ihren Mitmenschen deshalb gesteckt wird, verarbeitet hatte. Wortgewaltig, mit viel Satire versehen endete dieser mit dem Fazit „Manchmal könnte ich kotzen, weil Nationalität doch kein Status ist“.

Ebenfalls ins Finale hatte die Publikumsjury Adina Wilcke aus Wien gewählt. Ebenso tiefsinnig wie bewegend war vor allem ihr Beitrag zum Thema Menschenhandel. „Ich bin satt von dir. Ich faste nun von dir“ war später der Tenor eines Liebesgedichts ohne Happy End, das Wilcke aus ihrem aktuellen Buch vortrug. Mehr als nur einen Achtungserfolg konnte Maria Schwab aus Eibach bei ihrem Slam-Debut erzielen. Die 16-Jährige trug einen ihrer „Herzensangelegenheitstexte“ über das Thema „Suche nach Heimat“ vor. „Heimat ist aufatmen und die Maske ablegen“, konstatierte die Schülerin, die mit ihrem Text, in dem auch eine Dillenburger Buchhandlung vorkommt, das Publikum bewegte.

Tolle poetische Beiträge gab es in Form einer „Titeljagd“ vom „Lyronaut“ aus Dillenburg, einem witzigen Bericht über das Zivi-Leben von Nils Frenzel aus Bonn und einem Auszug aus dem Tagebuch eines Teilzeitautisten von Lokalmatador Marco Müller. Eine wirklich beeindruckende darstellerische Interpretation seines Vortrags über die Erkenntnis, dass „innere Harmonie eine Frage des Willens und der Kontemplation“ ist, zeigte Jay Nightwind aus Essen.

Tief bewegend und nachdenklich machend waren am Abend erneut die Texte zu Themen wie Missbrauch, Magersucht oder Depression, die Schüler der Rehbergschule verfasst hatten. Die „Stimmgeberinnen“ des Johanneum-Gymnasiums in Herborn trugen sie mit großer Intensität vor.

Als besonderen Gast hatten die Organisatoren um Andy Klein den Singer-Songwriter Stefan Ebert eingeladen. Zu Beginn des Slams und vor dem Finale begeisterte der mit seiner Mischung aus rockigem Sound und ausgefallenen Texten („Der beste Teil der Party ist immer in der Küche.“). Vor allem der Song über die Artensystematik des westlichen Gorillas (Gorilla gorilla) und des Flachlandgorillas (Gorilla gorilla gorilla) sorgte beim Publikum für viel Applaus. Eine rundum gelungene neunte Ausgabe des Scheunen-Slams, der nach einem Jubiläumsspezial in der KuSch am 8. Mai auch mit den "All Stars"  am 29. Mai auch auf dem Hessentag vertreten sein wird

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

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Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

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