Hoecker002

In den Irrgarten menschlicher Denkstrukturen und wieder hinaus hat Comedian Bernhard Hoëcker das Publikum in der „Kusch“ geführt. Das aktuelle Programm „So liegen Sie richtig falsch!“ bildete dabei nur den roten Faden.

Auf einen von der ersten bis zur letzten Minute geplanten Ablauf verzichtete Bernhard Hoëcker auch bei seinem vierten Auftritt in der „KuSch“. Er präsentierte nur wenige vorbereitete Gags und Wortspiele, so dass das titelgebende Programm lediglich den Nährboden für die eigentliche Show bildete.

Statt mit ausschließlich vorgefertigten Inhalten überzeugte der Schauspieler und Komiker vielmehr durch spontanen Witz und eine Interaktion mit dem Publikum, die ihresgleichen sucht.  Hinzu kamen die einzigartige Mimik und Gestik Hoëckers, die im Zusammenspiel mit dem Gesagten für eine wunderbare Komik sorgten. Zum Aufwärmen gab es für das Publikum eine Einführung in die Tücken der Zeichensprache. Sehr illuster führte Hoëcker vor Augen, was passiert, wenn nationale Konventionen bei internationalen Begegnungen auf dem interkulturellen Prüfstand stehen.

Weiter ging es mit verbalen Missverständnissen. So erfuhr das Publikum, was passieren kann, wenn die deutsche Gastfamilie den amerikanischen Austauschschüler zum „Public Viewing“ einlädt. Denn in den USA verbirgt sich hinter diesem Begriff die öffentliche Aufbahrung von Verstorbenen. Mit Fußball könne der Gast dies nur in einem seltenen Fall in Verbindung bringen: „Er ist HSV-Fan, dann kann das schon mal vorkommen.“ Regionale Eigenheiten der Deutschen erläutert er kurzerhand an „Jesus-Witzen“. „In Bayern steht schon einer neben mir, der mir Betonklötze an die Beine bindet. Im Rheinland finden es die Leute witzig – da lachen wir ja über alles und im Osten erkläre ich erst mal, wovon ich rede.“

Die Frage, wie es kommt, dass es im praktizierten christlichen Glauben eben nicht nur Jesus-Reliquien gibt („Jesus ist ja in den Himmel aufgefahren, da hatte er nur Handgepäck“), sondern diese zahlenmäßig bisweilen in recht unwahrscheinlichen Mengen vorhanden sind, beantwortet er lakonisch mit: „Es ist unfair, sich einer Reliquie historisch zu nähern.“

Denkfehler, die Überhöhung von Einzelereignissen, selektive Wahrnehmung  - Bernhard Hoëcker machte auf witzige Art und Weise deutlich, wie das menschliche Gehirn entwicklungsbedingt immer wieder richtig falsch liegt. So beweise die „unfassbar hohe Anzahl von Baumärkten“, dass Selbstüberschätzung ein weit verbreitetes Phänomen sei.

Die Studie, bei der Mitglieder einer Wohngemeinschaft getrennt voneinander einschätzen sollten, wie oft sie den Müll wegbringen, ergab: „Die bringen insgesamt 130 Prozent Müll runter – die haben sozusagen negativen Müll in ihrer Wohnung.“ Weiter ging es mit Verschwörungstheorien, beispielsweise zur Merkel-Raute („Wenn sie einem geheimen Orden angehört, warum sagt sie das jedem?“) oder irrigen Zusammenhängen von Statistiken, beispielsweise die Tatsache, dass Menschen häufiger bei Pool-Unfällen sterben, wenn Nicolas Cage mehr Filmrollen bekommt.

Dass all dies für viel Heiterkeit bei den Besuchern sorgte, lag vor allem an einem hohen Maß an Situationskomik und der Art und Weise, wie Hoëcker das Publikum in seine ganz eigene Aufklärungsarbeit über Irrtümer und fehlgeleitete Denkstrukturen einband. Die Zuschauer waren vom Auftritt des Comedians einfach nur begeistert und hatten reichlich Spaß an der Kommunikation mit diesem. Und wenn Hoëcker beispielsweise auf die Bemerkung einer Zuschauerin, sie arbeite in einer psychiatrischen Klinik konterte „Ach, hat man ihnen das erzählt?“ oder einen anderen Gast auf dessen Ausführungen zu seiner Masterarbeit in Betriebswirtschaftslehre fragte „Fehler bei Arbeitsprozessen vermeiden – machen das intelligente Menschen nicht automatisch?“, dann wirkten diese Kommentare nie bösartig oder herablassend,  sondern vielmehr wie „nette Frotzeleien“ unter Freunden.

Die humorvolle und spontane Arte des bekennenden Philanthropen Hoëcker, der auch selbst sichtlich Spaß an seinen Auftritten hatte, ist seine Stärke. Dank dieser war das Gesamtprogramm am Donnerstag erneut durchweg stark, ließ hinsichtlich Spannung und Witz zu keiner Zeit nach, wirkte nie niveaulos und animierte nicht nur zum Lachen und Schmunzeln, sondern immer wieder auch zum Nachdenken über die eigenen Denkmuster.

 

 

 

 
Autor
Jenny Berns

jenny-berns

Jenny Berns ist Volontärin bei der Zeitungsgruppe Wetzlardruck. Nach Abschluss ihres Studiums der Germanistik und Geschichte in Gießen war sie bis März 2012 als Online-Redakteurin tätig und arbeitete 2012-2015 für den Marbuch-Verlag. Ihre Interessensgebiete sind Literatur, Film und Theater.
 

 

 

kbl2014

Dauerkarte Deutsche Kabarettmeisterschaft
Sie können Ihre Dauerkarte auch nach Beginn der Kabarettmeisterschaft kaufen.
Das Ticketsystem stellt Ihnen die verfügbaren Tickets zusammen und berechnet Ihren Preis.

Ticket 1. SpieltagTicket 2. SpieltagTicket 3. SpieltagTicket 4. SpieltagTicket 5. SpieltagTicket 6. SpieltagTicket 7. Spieltag

KuSch TV

Auf diesem YouTube-Kanal berichten wir über Künstler, die auf unserer Kleinkunstbühne in Herborn auftreten.

Schlumpe­weck

Die KulturScheune Herborn lädt in Verbindung mit dem Stadtmarketing, der Sparkasse Dillenburg, der Firma Rittal sowie der Friedhelm-Loh-Group zur Teilnahme am Wettbewerb um den Herborner Klein­kunstpreis "Schlumpeweck" ein.

KulturScheune Herborn - Herborner Heimatspiele e.V.      Austraße 87     35745 Herborn