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Wenn ein so schwergewichtiger und leicht in die Jahre gekommener Komiker wie Markus Maria Profitlich der Kulturscheune seine Aufwartung macht, bleibt kein Platz mehr frei und kein Auge mehr trocken.

Mit seinem Bühnenprogramm „Halbzeit“ Im Gepäck schlug er noch vor dem angekündigten Blitzeis in Herborn auf, um gute 90 Minuten lang kuriose Geschichten aus seinem Leben und unser aller Alltag zu erzählen.

Da im Publikum auch 30 Gehörlose anwesend waren, bekamen diese von zwei Damen, die gesprochenen Wörter, die Gestik und Gesichtsmimik. in einer visuell wahrnehmbaren Gebärdensprache übersetzt. Die so sichtbar gemachten Wörter desals „Mensch Markus“ bekannt gewordenen dreifachen Gewinners des deutschen Comedypreises, verschlug bisweilen auch den Hörenden die Sprache. Angesichts der Gebärden der jungen Übersetzerinnen, rückte die per se schon verrückte Körpersprache des Rheinländers stellenweise in den Hintergrund.

Ein sozialkritisches, politisches Kabarett hatte Profitlich ausdrücklich nicht im Angebot. Und so konnte sich seine Zuhörerschar auf einen Abend freuen, der ohne die Behandlung drängender gesellschaftlicher Probleme auskam. Stattdessen gab es Witze und Kalauer von einem Mann über 50 über das Leben nach dem fünfzigsten Geburtstag mit all seinen Tücken, Problemen und Alltagskatastrophen.

Wie es dazu kam, dass der Comedian, Jahrgang 1960, zu dem wurde was er heute ist, hielt er zunächst Rückschau auf seine Kindheit und Jugend mit fünf Geschwistern,. Weit spannte er dabei den Bogen von seiner Geburt als Dreizehnpfünder über seine Erziehung durch Emanzen mit Doppelnamen bis heute. Für Profitlich heißt das, dass die „besten Jahre“ noch kommen: „Man(n) wird im Alter immer schöner, reifer, und dann sind wir irgendwann - „Fallobst“ schallte es aus dem Publikum - überreif und bekommen Falten.“

Mit den Mittel moderner Kommunikation (Videoeinspielungen etc.) ließ er andere Prominente 50-er zu Wort kommen. George Clooney und Brad Pitt freuten sich, dass er Hollywood endlich den Rücken zugekehrt habe, damit sie wieder zu Zuge kämen, und Angelina Jolie lobte ihn als den besten Mann, den sie je gehabt hätte.

Derb, deftig und herzhaft zupackend, scheute er sich nicht, intimste Dinge vor den Zuhörerinnen und Zuhörer auszubreiten, wie der Bericht von seiner Prostatauntersuchung durch Dr. Ludmilla Knorpelknack: „Die hatte Finger wie Riesenkrakauer, und so wurde aus der kleinen Hafenrundfahrt eine Eisbrecherfahrt in der Antarktis.“

Zu allem hatte Markus Maria Profitlich die passende Antwort parat. Da bekamen moderne It-Girls , die später mit ihren Rollator über das Smartphone den Weg zurück ins Altenheim finden“, ebenso ihr Fett weg, wie die heute schon Alten, die gerne noch einmal „total hip“ sein möchten, bevor es auch mit dem Tarzan-Brunftschrei zu Ende geht. Und den hatte Profitlich perfekt drauf, als er in die Rolle des Herrschers des Dschungels schlüpfte.

Über Urlaubsreisen, bei denen er buchstäblich nackt dastand, fand er immer wieder zu seinem Lieblingsthema. Minne und Sex. Von Steinzeit-Machos über die Liebe im Mittelalter („Visier öffnen, das Pferd bestiegen und das Schwert ins Futteral stecken“) und den 68ern („Wer immer mit derselben poppt, bekommt den Faschismus nie gestoppt“) bis zum Sex im Alter ließ der Mann von „150 Kilo Lebendgewicht mit sehr kurzer Zündschnur“ nichts aus, um der Lust am ungezügelten Lachen freien Lauf zu lassen.

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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