KBL4002

Mit dem Tübinger Duo Harry & Jakob und dem Mainzer Matthias Ningel traten zwei Künstler der Tabellenspitze am vierten Spieltag der Kabarett-Bundesliga in der Kulturscheune an - und es wurde ein echtes Topspiel.

Spontaner Wortwitz und musikalischer Reimrausch unterhielten das Publikum aufs Beste. Nachdem Theo Vagedes, Spielleiter der „Kabarett-Bundesliga“, das Publikum auf die Künstler eingestimmt hatte, die zur vierten Runde der Kabarettmeisterschaft in der KuSch angereist waren, gingen Harry & Jakob sogleich in medias res. „Wir schreiben Gedichte“, verkündeten die Gewinner des Herborner „Schlumpeweck“ 2014, um auf diese Weise ihre Lebensphilosophie in witzige, hintersinnige und kokette Reime zu schmieden.

Man gab vor, aus Empfindlichkeit zum Job gekommen zu sein. Doch aller gespielten Schüchternheit und Verklemmtheit zum Trotz, der gar nicht so kleine Harry und der große Jakob zogen von Beginn an eine große Show durch, in der kleine Poesie vor dem Altar wundersamer Dichtkunst niedergelegt wurde.

„Als schüchterner Dichter ist man immer unglücklich verliebt", ließ das Duo seine Zuhörer wissen, und zeigte wie man mit einer „Schüchternheits-Battle“ dagegen angeht. In ihrer Schauerballade vom Hirschen und vom Jäger steigerten sie sich in einen Reimrasuch, den man mal mimosenhaft, mal mit viriler Männlichkeit und natürlich mit Klaviermusik und Gesang zum blutrünstigen Finale führte.

Die Wortakrobaten waren bei denen vom Publikum zugerufenen Namen, Berufen und Sätzen, die sie zu spontanen Gedichten formten, richtig in ihrem Element. Ob „Bauzeichenerin“, „Klebstoffverkäufer“, „Rotwein“ oder „Klöster haben keine Türen“, kein Wort und kein Begriff waren Harry & Jakob zu kompliziert, um daraus Gedichte zu zimmern, die irgendwo zwischen Heinz Erhardt und Friedrich Schiller ihren Platz einnahmen.

„Wieso gilt man als einfältig, wenn einem nichts einfällt?“!, fragten sie und fanden für alles die passenden Erklärungen: „In einem Plattenladen repariert man keine Fahrräder“… und dergleichen.

Um die passenden Worte musste auch der zweite Künstler des Abends, der Liebesliedkomponist und Lebenskunstbewältiger („O wei, o wei“) Matthias Ningel nicht wirklich ringen. Locker, flockig war seine Pianokunst, pfiffig und stets nah dran am Leben zwischen Wohlbefinden und Wahnsinn waren seine Texte. Der optisch an den jungen Ilja Richter erinnernde Liedermacher, Sänger und Rapper machte schon mit seinem ersten Lied „Ich habe es verbockt“ klar, dass er kein Mann des Perfektionswahns ist, aber dennoch versteht, sich bestens in Szene zu setzen.

Der jugendliche Matthias Ningel bekannte zwar, kein Omegamännchen zu sein, aber was er mitzuteilen hatte, war durchaus nicht ungewichtig. Den Herausforderungen, die das Leben an uns stellt, begegnete er mit Chuzpe und schrägem Humor. Dabei brach der Mainzer gerne mal eine Lanze für das Unvermögen, das er in Form von missglückten Liebesliedern thematisierte, um letztlich in Statements gegen Intoleranz und Ignoranz zu münden: „Ich bin so toll, so toll, so tolerant“.

Matthias Ningels Performance war wie sein Lied über die „Quality Time“, in dem er sich mit der modernen Arbeits- und Freizeitwelt auseinander setzte, qualitätsbewusst. Nicht überdreht, nicht possenhaft, sondern höchst stimmig ging es in seiner Show zu, wie in seiner Hymne über das idyllische Landleben: „Wir wollen hier nicht weg, hier ist’s wunderbar!“

Beim KuSch-Publikum kamen beide Wettbewerber gleich gut an, sodass am Ende die Sieger des Abends, das Duo Harry & Jakob, denkbar knapp mit etwas mehr als 50 Prozent durchs Ziel ging.

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

kbl2014

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